Nations League

Auf nach Portugal: Die Schweizer Nationalmannschaft ist bereit für die Final Four

Im November 2018 besiegte die Schweizer Nationalmannschaft Belgien furios mit 5:2 und verdiente sich damit die Teilnahme am Final Four der Nations League.

Am Mittwoch beginnt für die Schweiz in Porto das Finalturnier der Nations League. Dort kann das Team von Nationaltrainer Vladimir Petkovic erstmals einen Titel gewinnen. In den vergangenen Spielen erlebte die Nationalmannschaft ein Wechselbad der Gefühle.

Es sind Partien um die Goldene Ananas. Das sagen wohl jene Fussballnationen, die kommende Woche nicht im Final Four der Nations League stehen. Der Anlass findet in der Aussensicht wie etwa der Confederations Cup oder aus Vereinsperspektive die Klub-WM ziemlich am Rande des Interesses statt.

Für den Gastgeber Portugal, England, die Niederlande und die Schweiz ist die Innensicht auf die Nations League in diesen Tagen natürlich eine andere: Es geht um nicht mehr und nicht weniger als einen Titel, wenn auch von geringerem Wert, weil sich der Sieger nebst einem schönen Batzen – 4,5 Millionen Euro Preisgeld – nicht einmal die Teilnahme an der nächsten EM-Endrunde erspielen kann. Das sei an dieser Stelle noch einmal explizit erwähnt, da es bis heute sogar Schweizer Nationalspieler gibt, die vom Gegenteil ausgehen.

Wegen des Final Four beginnen die Ferien für alle Beteiligten verzögert. Es gilt, die Profis nach einer langen Saison über deren Ende hinaus bei Laune und in Form zu halten, weshalb beispielsweise der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic in Zürich ein dreitägiges «Pre-Camp» veranstaltet hat.

Doch die Akteure der Landesauswahlen stünden ohnehin im Einsatz und nicht ferienhalber irgendwo am Meer, da die Uefa infolge des eng getakteten Fussballkalenders und zum Missfallen vieler noch bis zum 11. Juni zwei EM-Qualifikationsrunden austragen lässt. Unweigerlich fragt man sich: Wo bleiben die Erholungspausen?

Die Problemzonen

Die letzten drei Länderspiele der Schweizer Nationalmannschaft hatten es allesamt in sich. Da war noch im vergangenen Herbst dieses famose 5:2 gegen Belgien in der Nations League, das sie Gruppensieger werden liess und das Ticket nach Portugal einbrachte. Da war das unaufgeregte, sehr solide 2:0 in Georgien zum Auftakt in die EM-Qualifikation und drei Tage später das 3:3 in Basel gegen Dänemark nach einer 3:0-Führung und einem unerklärlichen Einbruch in der Schlussphase.

Der Auftritt steht sinnbildlich dafür, was passieren kann, wenn Routiniers und internationale Abgeklärtheit fehlen. Ohne Leaderfiguren wie Granit Xhaka geht es eben doch nicht. Und vielleicht fehlten auch die Aggressivität und Leidenschaft eines Stephan Lichtsteiner, der damals nicht zum Einsatz kam.

Die Reise nach Portugal macht der Captain der Schweizer Nationalmannschaft nun nicht mit. Petkovic hat den 35-Jährigen nicht ins 23-Mann-Kader berufen, offenbar wurde dies gemeinsam so vereinbart. Wer den Ehrgeiz Lichtsteiners kennt, könnte hinter dieser Absprache ein verborgenes Konfliktpotenzial vermuten, vielleicht sogar den vorzeitigen Abschied aus dem Nationalteam.

Verzichtet ausgerechnet Lichtsteiner aus freien Stücken und nach 105 Länderspielen auf ein Finalturnier, an dem er mit der Schweiz endlich etwas gewinnen kann? In den vergangenen Tagen liess der rechte Verteidiger ausrichten: «Der Trainer entscheidet, nicht ich. Meine Werte sind erstklassig. Ich bin topfit.»

Sowieso stehen im Schweizer Fussballverband (SFV) die Zeichen auf Veränderung. Claudio Sulser ist noch bis Ende Juni der Delegierte der Nationalmannschaft und damit der Vorgesetzte Petkovics, wer danach der neue «Super-Manager» des A- und U21-Nationalteams wird, steht in den Sternen. Überdies tritt Dominique Blanc in einem Monat die Nachfolge des scheidenden SFV-Präsidenten Peter Gilliéron an; am Final Four sind beide.

Hochkarätige Gegner

In Portugal stehen neben der Schweiz drei aktuelle Hochkaräter des europäischen Fussballs im Einsatz. Am Mittwoch (Anpfiff: 20.45 Uhr/live SRF 2) trifft die Schweiz in Porto auf das Portugal von und mit Cristiano Ronaldo, am Donnerstag messen sich die Engländer um Harry Kane mit den Niederländern um die Amsterdamer Champions-League-Helden im nicht ganz eine Stunde entfernten Guimarães.

Das Schweizer Nationalteam schlägt seine Basis in Porto auf und bleibt auch dort, falls es am Sonntag dann zum Aufeinandertreffen der Verlierer in Guimarães käme.

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