WM14
Brasilien dank Neymar-Show als Gruppensieger in den Achtelfinals

Brasilien schlägt das bereits vor dem Spiel ausgeschiedene Kamerun mit 4:1. Die Südamerikaner sichern sich unter anderem dank zwei Neymar-Treffern den Gruppensieg. Im Achtelfinal kommt es zum Duell gegen Chile.

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Neymar nach seinem Treffer zum 2:1
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Brasilien-Kamerun: Die Bilder zum Spiel
Neymar lässt sich feiern
Jubel beim Ausnahmekönner
Neymar trifft zum 2:1
Der kurzzeitige Stich ins brasilianische Herz Joel Matip trifft zum 1:1

Neymar nach seinem Treffer zum 2:1

Keystone

Ganz Brasilien liegt Neymar zu Füssen. Der 22-jährige Superstar führt die Seleção in Brasilia zum 4:1-Triumph über Kamerun und zum Sieg in der Gruppe A. In den Achtelfinals kommt es somit zum Südamerika-Duell zwischen Brasilien und Chile.

Zweimal Neymar vor der Pause (17. und 35. Minute), dazwischen der überraschende, aber nicht unverdiente Ausgleich von Kamerun durch Joël Matip (26.) und Fred kurz nach dem Wechsel schossen die Treffer zum 3:1-Zwischenstand, den der für Paulinho eingewechselte Fernandinho in der 85. Minute noch zum 4:1 ausbaute. Das zwischenzeitliche 3:0 von Mexiko gegen Kroatien hatte den Titelanwärter aus seiner zeitweise Lethargie und Verwaltung des Vorsprungs wohl wachgerüttelt.

Brasilien schätzt sich glücklich, einen Neymar in seinen Reihen zu haben. Er allein setzt das fussballverrückte Land am Zuckerhut in Ekstase. In der 17. Minute bringt der Superstar des FC Barcelona den fünffachen Weltmeister in Front und löst beinahe ein landesweites Erdbeben aus. Luis Gustavo spielt dem Idol den Ball ideal in den Lauf, und der Liebling einer ganzen Nation schiesst den Favoriten mit seinem dritten WM-Tor in Führung. Es war gleichzeitig das 100. Turniertreffer der Seleção. Doch Kamerun reagiert und ist bestrebt, sich würdig von der WM zu verabschieden. Und siehe da: Das Team von Volker Finke reisst mit behenden Tempoläufen und stupender Technik Löcher in Brasiliens Abwehr. Diese ist mehrmals unsortiert. Und das nutzt Kamerun aus. In der 26. Minute köpfelt Joël Matip von Schalke an die Latte und schiesst Sekunden später auf einen feinen Pass von Allan Nyom den 1:1-Ausgleich.

Das erste Tor von Kamerun an der WM lähmt die Massen kurzfristig auf den vollbesetzten Rängen in Brasilia. Doch die Begeisterung kehrt dank Neymar zurück. Die 35. Minute: Neymar erläuft sich einen Pass von Marcelo, nimmt volle Fahrt auf und schliesst am Strafraum erfolgreich ab. Neymar hat mit seinem vierten WM-Treffer die Führung in der Torschützen-Rangliste übernommen. Die zeitweise Unordnung in der eigenen Verteidigung macht er allein mehr als wett. Er schiesst aus allen Lagen, versprüht Ballzauber und spielt auch Zuckerpässe auf seine Mitspieler.

Neymar vorzeitig ausgewechselt

Unmittelbar nach Wiederanpfiff sucht Brasilien die Entscheidung und setzt wie zu Beginn der ersten Halbzeit zu einem Sturmlauf an. Die Belohnung: Das 3:1 durch Fred in der 49. Minute. Der Stürmer von Fluminense, hart kritisiert nach den ersten zwei Spielen, schliesst die Vorarbeit von David Luiz erfolgreich ab. Zeitlupenaufnahmen bestätigten, dass Fred bei seinem ersten WM-Tor nicht im Abseits, sondern auf gleicher Höhe mit dem letzten kamerunischen Abwehrspieler stand. Die Partie war entschieden. Brasilien hat sich des enormen Erwartungsdrucks entledigt, die Erwartungen - trotz defensiven Abstrichen - erfüllt.

Als der leicht hinkende Neymar, der enorm viel lief, in der 72. Minute durch Willian ersetzt wurde, brandete ein Beifallsorkan durchs Stadion. Neymar, der mit gelben Karte vorbelastet ist, wurde offensichtlich geschont. Brasilien benötigt den überragenden Fussballer noch dringend.

Volker Finkes Mission beendet

Kamerun hat die WM-ohne Punkte, wie vor vier Jahren in Südafrika, verlassen. Die Afrikaner sind aber mit fliegenden Fahnen gegen das vor allem im Angriff übermächtige Brasilien untergegangen. Es hat sich aber würdig und ehrenhaft verabschiedet. Es darf dennoch mit grosser Bestimmtheit behauptet werden, dass die Mission von Volker Finke als Teamchef der Zentralafrikaner beendet ist. Seit 2013 betreute der deutsche Fussball-Professor mit nachhaltiger Trainervergangenheit in Freiburg, den siebenfachen WM-Endrunden-Teilnehmer. Aber die Zeiten eines Roger Milla, mit dem Kamerun 1990 bis in die Viertelfinals vorgestossen war, sind vorbei. Interne Querelen und Streitigkeiten, sogar offensichtlich in Brasilien auf dem Platz, behindern jeden Trainers Einfluss. Das ist angesichts der durchaus vorhandenen Qualitäten schade.

Kamerun - Brasilien 1:4 (1:2)

Nacional, Brasilia. - 69'349 Zuschauer (ausverkauft). - SR Eriksson (Sd). - Tore: 7. Neymar 0:1. 26. Matip 1:1. 35. Neymar 1:2. 49. Fred 1:3. 85. Fernandinho 1:4.

Kamerun: Itandje; Nyom, N'Koulou, Matip, Bedimo; Nguemo; Mbia, Enoh; Choupa-Moting (81. Makoun), Moukandjo (59. Salli); Aboubakar (72. Webo).

Brasilien: Julio Cesar; Dani Alves, Thiago Silva, David Luiz, Marcelo; Paulinho (46. Fernandinho), Luiz Gustavo; Hulk (63. Ramires), Neymar (72. Willian), Oscar; Fred.

Bemerkungen: Kamerun ohne Song (gesperrt) und Eto'o (verletzt). 100. WM-Spiel von Brasilien. 26. Kopfball von Matip an die Latte. Verwarnungen: 11. Enoh. 75. Salli. 80. Mbia (alle Foul).

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