Super League

Der Aufstand in der Abstiegszone

Leonardo Bertone (rechts, Nummer 16) trifft gegen den St. Galler Goalie Lawrence Ati Zigi zu Thuns 1:0. Links der zweite Thuner Torschütze Ridge Munsy

Leonardo Bertone (rechts, Nummer 16) trifft gegen den St. Galler Goalie Lawrence Ati Zigi zu Thuns 1:0. Links der zweite Thuner Torschütze Ridge Munsy

Es ist der Sonntagnachmittag der Habenichtse. Thun, Neuchâtel Xamax und der FC Sion ergattern in der 32. Runde der Super League zusammen sieben Punkte.

Es ist möglich, dass der Kampf gegen den 10. und gegen den 9. Platz gegen Ende der Schweizer Fussballmeisterschaft 2019/20 mehr Spannung bringen wird als der Kampf um den Titel. Die Young Boys haben jetzt zwei Punkte Vorsprung und eine exzellente Tordifferenz. Und ihr Restprogramm (auswärts gegen Xamax und Sion, daheim gegen Luzern und St. Gallen) dürfte humaner sein als das der Ostschweizer, die nach Zürich und Bern reisen müssen und daheim gegen Basel und Xamax antreten.

Im hintersten Teil der Rangliste kämpfen Thun, Sion und Neuchâtel Xamax gegen zwei Plätze. Alle drei haben am Sonntag gezeigt, dass sie noch leben und sich auf keinen Fall aufgeben. Wer hätte mit Thuns Heimsieg gegen den entthronten Leader St. Gallen gerechnet? Wer mit Xamax' Sieg in Luzern? Sion zeigte im Heimspiel gegen Lugano die Zähne und holte nach einem Rückstand einen Punkt. Eine kleine Bestandesaufnahme zeigt, dass in den nächsten zwei Wochen vieles möglich sein wird.

Zieht man die Rangliste der Rückrunde heran, erblickt man den Saison für Saison von den verschiedensten Experten als Abstiegskandidaten gehandelten FC Thun auf dem 4. Platz. In den 14 Spielen des Kalenderjahrs 2020 haben die Thuner 23 Punkte gesammelt, nicht viel weniger als St. Gallen (27), YB (26) und der derzeit hinkende FC Luzern, aber beispielsweise drei Punkte mehr als Basel. Den Berner Oberländern hätten solches nach dem desolaten Abschneiden im Herbst (9 Punkte aus 18 Spielen) nicht alle zugetraut. In der Stockhorn Arena sind sie in diesem Jahr eine Macht. Nacheinander Sion, Lugano, YB, Zürich, Xamax und St. Gallen fuhren geschlagen zurück, nur im Heimspiel gegen Luzern (1:1) gaben sie Punkte ab. Dafür wiederum siegten sie in Basel.

Trainer Marc Schneider hat in der Winterpause gefeilt. Mit grossem Erfolg funktionierte er Basil Stillhart vom Mittelfeldmann zum Innenverteidiger um. Der Zuzug des YB-Meisterspielers Leonardo Bertone gab der ganzen Mannschaft jene Stabilität, die im Herbst fast vollständig gefehlt hatte. Bertone ist nicht ganz der gleiche Spielertyp wir der lange vermisste, jetzt als Dauerverletzter zurückgetretene Dennis Hediger, und dennoch schliesst er genau die Lücke, die Hedigers Fehlen aufgerissen hatte. Ja, Thun scheint die besten Aussichten zu haben, ohne Umweg über die Barrage oben zu bleiben. Auch die Reserve von drei Punkten auf Sion und von fünf Punkten auf Xamax spricht dafür. Und die Treffsicherheit des nach seiner Rückkehr nach Thun wiedererstarkten Ridge Munsy tut es. Der Krienser trifft fast in jedem Match.

Der FC Sion ist gerade dabei, sich zu berappeln. Der historische 1:0-Heimsieg gegen Basel war ein grosser Schritt, die Unentschieden in Neuenburg und gegen Lugano zwei kleinere. Im Unterschied zu Thun und Xamax können die Sittener noch fünfmal spielen. Sie werden die wegen des Coronavirus-Zwischenfalls verschobene Partie beim FC Zürich nachholen. Schon im nächsten Match, am Mittwoch in Luzern, könnten Punkte hinzukommen, denn die Luzerner spielten zuletzt sowohl in St. Gallen (1:4) als auch gegen Xamax (1:2) schwach. Trotzdem wird Sion kaum darum herumkommen, in den verbleibenden vier Spielen mehr Tore zu schiessen. Seit dem 2:1-Sieg gegen Thun von Ende November erzielten sie in keinem Match mehr als ein Tor: neunmal eines, sechsmal keines.

Wer die Neuenburger unlängst bei ihrem 0:0 auf der Maladière gegen Sion gesehen hatte, hätte vielleicht auf die Neuenburger als sicheren Direktabsteiger getippt. Im eigenen Stadion gelang ihnen kaum ein Angriff. Aber vielleicht stellt sich die Wirkung der Rückkehr von Trainer Stéphane Henchoz nur mit etwas Verzögerung ein. Jedenfalls gibt der 2:1-Sieg in Luzern den Xamaxiens nicht nur mit dem Resultat Mut, sondern auch mit der Art, wie er zustande kam: Xamax dominierte, und Xamax erspielte sich Chancen, die zu mehr als zu zwei Toren hätten reichen müssen.

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