Die WM ist die Bühne der grossen Träume. Die Bühne der weltbesten Fussballer, die geeint sind von einem grossen Ziel: ihr Land in kollektiven Freudentaumel zu versetzen. Einen Monat lang wird die Welt über Fussball diskutieren. Jubel hier, Enttäuschung da. Kalt lässt der grösste Sportanlass der Welt kaum jemanden. Russland und Saudi-Arabien eröffnen ihn heute um 17 Uhr.

Dass die WM in Russland stattfindet, einem Land also, dessen Präsident Krieg führt, die Krim annektiert, Kritiker einsperrt und sich nicht allzu sehr um Menschenrechte schert, bietet Anlass zu Kritik. Zu Recht.

Die WM ist das Propaganda-Vehikel von Wladimir Putin, das Russland glänzen lassen soll – und bestenfalls das Image des Bösewichts aufpoliert. Es ist nur das jüngste Beispiel, wie wichtig der Sport für die Politik geworden ist. Auch wenn es den allermeisten Fans egal ist, wo ihre Helden siegen. Weil der Rasen überall grün ist.

2014 in Brasilien war das Turnier des spektakulären, ja geradezu euphorischen Fussballs. Trotz des tropischen Klimas. Die Hoffnung ist, dass die Favoriten auch in Russland ihr Glück im Angriff suchen. Die WM 2018 wird wohl auch von Diskussionen um den Videobeweis geprägt. Das technische Hilfsmittel wird erstmals an einer WM umfassend eingesetzt. Dass der Fussball damit gerechter wird, daran zweifelt kaum jemand. Aber noch herrscht zu oft Verwirrung.

Auf der Suche nach sich selbst

Wer beerbt Deutschland als Weltmeister? Brasilien und Spanien sind die grössten Favoriten. Die Südamerikaner warten seit 2002 auf den nächsten WM-Titel. Und wollen sich rehabilitieren für die Schmach am Heimturnier, für dieses 1:7 im Halbfinal gegen Deutschland. Spanien ist seit der EM 2016 unbesiegt.

Den Iberern ist zuzutrauen, dass sie auch die Wirren um ihren gestern (!) entlassenen Trainer überstehen. Titelverteidiger Deutschland scheint nicht ganz so gefestigt wie vor vier Jahren. Frankreich, Belgien und Argentinien dürfen immerhin zum erweiterten Favoritenkreis zählen.

Und die Schweiz? Wozu ist das Team von Vladimir Petkovic fähig? Folgt der lange ersehnte grosse Coup? Oder bleibt am Ende des Turniers nur die Erkenntnis, dass diese Generation doch nicht mehr ist als ein grosses Versprechen? Droht vielleicht gar die totale Enttäuschung? Es ist vieles vorstellbar rund um die Ausgabe 2018 der Schweizer Equipe.

«Wir wollen uns keine Grenzen setzen», sagt Petkovic. Sagen auch seine Spieler. Gleichzeitig vermeiden es alle, die Qualifikation für den Achtelfinal unmissverständlich als Ziel zu definieren. Es ist auch ein Zeichen dafür, dass die Schweizer auf der Suche nach sich selbst sind.

Träume sind erlaubt

Wenn alles perfekt aufgeht, wenn etwas Glück dazukommt, kann die Schweiz auch in einem Achtelfinal gegen Deutschland bestehen. Zwei durchschnittliche Tage aber reichen – und die Schweiz scheidet schon in der Vorrunde aus. Brasilien, Serbien und Costa Rica heissen die ersten Gegner. Die Aufgabe ist unbequem.

Die Qualifikation für den Achtelfinal ist trotzdem realistisch. Alles Weitere wäre eine Zugabe, die niemand erwarten darf. Aber träumen darf man ja. Das zeigte nicht zuletzt Gruppengegner Costa Rica, das 2014 völlig überraschend in den Viertelfinal stürmte.