Der vierte Sieg im sechsten Gruppenspiel liess die Berner an den Pragern vorbei auf den zweiten Rang ziehen, einen Punkt hinter Napoli.

Der siebte Pflichtspielsieg in einer Folge von YB war am Ende ein Zittersieg. Weil aber Mario Holek drei Minuten vor Schluss eine hundertprozentige Chance verpasste und kurz zuvor YB-Goalie Yvon Mvogo einen Kopfball von Josef Husbauer mirakulös abgewehrt hatte, mussten die Tschechen geschlagen abziehen. Dies, nachdem Renato Steffen in der Nachspielzeit nach einem Konter mit dem 2:0 alles klar gemacht hatte.

Die Schlüsselszene des Spiels hatte sich eine Viertelstunde vor Schluss ereignet, als Milan Vilotic im Strafraum von Pavel Kaderabek zurückgehalten wurde und der türkische Schiedsrichter Hüseyin Göcek auf Penalty entschied. Guillaume Hoarau liess sich die Chance nicht entgehen und erzielte im sechsten Gruppenspiel sein fünftes Tor. «Wir haben viel Geduld gezeigt, und sind dafür belohnt worden», sagte hinterher Captain Steve von Bergen. Die Berner hatten endlich einmal bewiesen, dass auch sie über eine Winnermentalität verfügen und ein entscheidendes Spiel gewinnen können. Sie schlugen vor nur 15 000 Zuschauern einen 36-fachen tschechischen Meister, der an diesem kalten Dezemberabend zwar mindestens ebenbürtig gewesen war, schliesslich aber das schlechtere Ende hatte.

Späte Erlösung

Nachdem Steffen schon 49 Sekunden nach dem Anpfiff mit dem Kopf eine hochkarätige Chance vergeben und damit die Hoffnung auf einen Sturmlauf der Young Boys geweckt hatte, zeigte sich jedoch sehr bald, welch grosser Brocken Sparta Prag an diesem Abend darstellen würde. Wer erwartet hatte, die äusserst abwehrstarken Tschechen ¬– in der Liga kassierten sie in 16 Partien nur sieben, in der Europa League in fünf Spielen lediglich vier Gegentore – wären nur darauf aus, das ihnen für die Sechzehntelfinals genügende Unentschieden zu erreichen, sah sich getäuscht. Die Prager spielten selbstbewusst nach vorne und kamen durch Ladislav Krejci und Borek Dockal zu guten Tormöglichkeiten. Bei der ersten brauchte es eine Glanztat von Mvogo, damit die Berner nicht in Rückstand gerieten. Auf der linken Abwehrseite von YB war Jan Lecjaks so indisponiert, dass man fast den Verdacht haben musste, er habe seinem Trauzeugen Marek Stech im Sparta-Tor ein guter Gastgeber sein wollen. Obwohl sie mit den reifen, nur mit einem einzigen Ausländer, dem Zimbabwer Costa Nhamoinesu, angetretenen Pragern ihre liebe Mühe hatten, war YB aber zu den noch besseren Chancen gekommen. Doch Yuya Kubo hatte die Kugel jeweils allein vor Stech nicht ins Tor gebracht. Am Schluss konnte aber auch der Japaner strahlen, seine Nervenschwäche hatte sich nicht gerächt.