Super League

Ein Spektakel im Schatten vieler Fragen: Der FCB siegt mit 3:2 gegen YB

Wer denn auch sonst? Arthur Cabral trifft doppelt gegen YB - und erzielt damit seine Liga-Tore 12 und 13.

Wer denn auch sonst? Arthur Cabral trifft doppelt gegen YB - und erzielt damit seine Liga-Tore 12 und 13.

Der FC Basel zaubert beim 3:2-Sieg gegen die Berner Young Boys - und zaudert mit sich selbst. Und der Unklarheit, was mit der Liga passiert.

94 Minuten und 18 Sekunden sind gespielt, als alle Bänne brechen. Von allen Seiten wird Jonas Omlin angesprungen, abgeklatscht, gefeiert. In der letzten Aktion eines Spiels, welches den Übernamen «Spektakel» mehr als verdient, hält er einen Penalty von Miralem Sulejmani. Omlins starke Parade gegen einen eben so schwachen Schuss ist der Schlusspunkt der Partie FC Basel gegen YB. Sie endet mit 3:2 für den FCB, nach 94 berauschenden, intensiven, emotionalen Minuten, welche problemlos als Werbematerial für die Super League dienen können.

Es ist eine dieser Partien, die alles beinhaltet, was ein Fussballspiel bieten kann: Ein 3:0-Vorsprung, welcher am Ende beinahe noch verspielt wird. Eine Führung, die durch ein Traumtor Samuele Campos eingeleitet, von der Eleganz eines Hacken-Tors von Arthur Cabrals erhöht, und schliesslich von einem Wucht-Kopfball des Brasilianers noch deutlicher wird. Eine Stunde ist da im Joggeli gespielt.

Das Resultat ist verdient, weil die Basler plötzlich wieder zaubern können. Weil sie variantenreich, ideenvoll und vor allem auch zielstrebig und effizient in der Vorwärtsbewegung agieren. Aber auch, weil Christian Fassnacht nach nur 38 Sekunden die erste Grosschances YB nicht nutzt und sein Team in der Folge nie jenen Zugriff bekommt, den es in einem solchen Spitzenspiel zwingend bräuchte. Dass die Berner dennoch noch einmal aufkommen, ist der Basler Genügsamkeit und der Berner Frische von der Bank zu verdanken.

Innerhalb von nur vier Minuten kommt YB ran - und nach vier Minuten in der Nachspielzeit wäre gar die Chance zum Ausgleich da. Sie bleibt ungenutzt, wie so viele Möglichkeiten in diesem Offensivfeuerwerk zu St. Jakob. Es ist ein Leckerbissen eines Fussballspiels, der Lust auf mehr macht. Der begeistert, euphorisiert. Und der den ein oder anderen Basler vielleicht für ein Momentchen doch noch ein bisschen träumen lässt.

Absage, Verschiebung oder gegen die U21 des FCZ?

Nach dem Spiel aber kommt schnell eine andere Stimmung auf. Es legt sich ein Schatten über dieses Glanzlicht des Schweizer Fussballs. Zum einen, weil man sich fragen muss, wieso die Basler nicht immer so spielen. Es ist eine Frage, die beim Basler Captain Valentin Stocker gar so auf die Stimmung drückt, dass er nach dem Spiel sagt: «Ich verspüre ein bisschen Enttäuschung, wenn ich sehe, dass wir gegen den Ersten gewinnen können aber an anderen Orten immer Punkte liegen lassen. Daher bin ich nicht mega happy.»

Wie das möglich ist, dafür hat er eine bezeichnende Erklärung: «Gegen YB wollten wir einfach gewinnen, gegen die anderen einfach nicht verlieren.» So er diese Worte spricht, klingt er gleich ernüchtert wie drei Tage zuvor in Sion, als man 0:1 verlor. Oder nach den Pleiten gegen Lugano oder Luzern. Und wirft der 31-Jährige weitere Fragen auf. Jene nach der Einstellung eines eigentlichen Meisterkandidaten.

Doch weil es an diesem Abend nicht die dunkelste Wolke ist, die über dem Joggeli schwebt, wird das Fass, das Stocker öffnet, schnell wieder geschlossen. Denn die ganz grosse Frage nach diesem Spitzenspiel ist, ob es das letzte Meisterschaftsspiel war für die Basler. Am Dienstag käme der FC Zürich ins Joggeli. Das Team, welches neun Coronafälle hat. Am Freitagabend meldete die Liga die Partie als verschoben. Selbiges tat der FCB auf seiner Homepage.

Keine 24 Stunden später sind beide Einträge verschwunden, die Basler Spieler wissen nichts von einer Absage. Man geht davon aus, dass am Dienstag gespielt wird. «Eine Absage ist Spekulation. Würden wir so denken, würde uns die Spannung fehlen», sagt FCB-Trainer Marcel Koller. Auch die Liga rechnet mit einer Durchführung - notfalls gegen die U21 des FCZ. Verschiebungen sind kaum möglich, der Zeitplan weist keine Lücken auf. Mit einer Entscheidung zum weiteren Verfahren der Liga ist am Montag zu rechnen. Und obschon dieses 3:2 zwischen Basel und YB ein würdiges Ende einer Saison wäre, wäre es eine noch grössere Schande. Und würden nur noch viel grössere Schatten und Fragen über dem Schweizer Fussballhimmel schweben.

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