Fussball

Ein Spieler mit zwei Gesichtern – der FCB übernimmt Dimitri Oberlin definitiv

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Der FC Basel bindet Dimitri Oberlin an sich. Der Verein übernimmt den Stürmer definitiv vom FC Red Bull Salzburg. Damit zieht der FCB die Kaufoption, welche im Leihvertrag vom Juli 2017 mit dem österreichischen Meister vereinbart wurde.

Diese zwölf Sekunden werden wohl bis zu seinem Karriereende mit ihm Verbindung gebracht werden. Zwölf Sekunden, in denen Dimitri Oberlin 90 Meter auf einem Fussballfeld hinter sich lässt – mit einer Geschwindigkeit von 38 km/h – und vom Retter in der Defensive zum Skorer in der Offensive wird. 

Abgespielt hat sich diese Szene am 27. September im Spiel des FC Basel gegen Benfica Lissabon, das in einem sensationellen 5:0 endete. Es ist der grösste Abend «eines der grössten Talente Europas», wie FCB-Sportchef Marco Streller Dimitri Oberlin nach dessen Verpflichtung angepriesen hatte. 

Wie talentiert dieser erst 20-jährige Schweizer Nationalspieler mit kamerunischen Wurzeln tatsächlich ist, hat man nicht nur in dieser Szene gesehen. In der Champions-League-Kampagne glänzte er mit starken Auftritten und vier Toren in acht Spielen. Die grosse Bühne behagt ihm, wie es scheint. 

Dimitri Oberlin rennt gegen Benfica alles in Grund und Boden.

Dimitri Oberlin rennt gegen Benfica alles in Grund und Boden.

In der Liga aber zeigt Oberlin jeweils sein anderes Gesicht. Jenes, das bei der Frage nach dem Sinn einer fixen Verpflichtung stets eine grosse Rolle gespielt hat. Bislang war Oberlin nämlich nur von RB Salzburg ausgeliehen, am Dienstag hat der FCB die definitive Übernahme verkündet. Bis 2022 hat man ihn vertraglich an Basel gebunden. 

Die Frage, ob der FCB ihn behalten will, ist also geklärt. Die Sinnfrage, die bleibt aber weiter offen. Denn Dimitri Oberlins Super-League-Gesicht ist eines, das nicht überzeugt. Zu wirr, zu unklar, zu technisch unsicher wirkt er meist. Es ist keine Seltenheit, wenn er den Ball in der Vorwärtsbewegung vergisst oder im entscheidenden Moment die falsche Entscheidung vor dem Tor trifft. Das streitet auch sein Trainer nicht ab, sagt, man müsse genau daran noch mit ihm arbeiten. 

Noch keine Angebote anderer Klubs 

Entscheidend verbessern konnte sich Oberlin seit seiner Ankunft in Basel aber noch nicht. Auch deshalb hat er zuletzt weniger Einsatzzeiten aufzuweisen. Seit der Nati-Pause im März ist er gar etwas zur Randfigur verkommen, sein längster Einsatz dauerte gerade mal 36 Minuten. Drei Mal schmorte er gar 90 Minuten auf der Bank. 

Betrachtet man diese Statistiken und die letzten Auftritte – Tor gegen YB hin oder her – ist der Transfer unverständlich und riskant. Es ist aber auch ein Risiko, das sich auszahlen kann. Denn Oberlin soll dereinst für mehr als die investierten kolportierten 5,4 Millionen Euro weiterkauft werden.

Das könnte gar schon diesen Sommer passieren. Stand Dienstagnachmittag hatte der FCB zwar noch kein Angebot für ihn auf dem Tisch liegen, wie auf Anfrage erklärt wird. Man geht also davon aus, dass er nicht gleich wieder weg ist, kaum ist er definitiv verpflichtet. Nur: Das Transferfenster öffnet erst morgen. Und erst dann kommt wirklich Bewegung in den Markt. Dass jetzt noch nichts vorliegt, heisst gar nichts.

Rund um seine starken Champions-League-Auftritte wurde er mit diversen Klubs in den führenden Ligen in Verbindung gebracht. Und für FCB-Präsident Bernhard Burgener ist sowieso klar, wo Oberlins Entwicklung hinführt, schliesslich zog er zuletzt einen Vergleich zu Mohamed Salah. Wie realistischer dieser ist, sei dahin gestellt.

Oberlin ist mit Sicherheit auch ein Spektakel-Spieler. Das hat er bewiesen – leider nur zu selten. Will er sich beim FCB wieder in die Stammelf und auf den Radar grosser Klubs spielen, muss er zwingend konstanter und klarer werden. Dann ist er entweder auf dem Platz wieder jener Gewinn, der er sein soll. Oder er sorgt für einen finanziellen Gewinn. Gelingt ihm das nicht, ist er ein für FCB-Verhältnisse teures Missverständnis. 

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