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Fall Xamax: Bulat Tschagajew holt zum Gegenschlag aus

Geldwäscherei, gefälschte Bankgarantien und Drohversuche. Die Liste der Vorwürfe gegen Bulat Tschagajew ist lang. Bisher hat der Xamax-Präsident zu den Anwürfen geschwiegen - bis heute. Jetzt nimmt Tschagajew über seinen Anwalt erstmals Stellung.

Vasilije Mustur
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«Bulat Tschagajew wurde ins Gesicht gespuckt, obwohl er den grossartigen Fussballklub Neuchatel-Xamax vor dem Untergang bewahrt hat. Das ändert aber nichts daran, dass er in unserem Land, welches er liebt, bleiben will,» sagt Jacques Barillon.

Mit dieser Aussage setzt der neue Anwalt von Xamax-Besitzer Bulat Tschagajew den Spekulationen, um einen möglichen Abgang des umstrittenen, tschetschenischen Multimillionärs in Richtung Grosny oder Dubai ein Ende.

Tschagajew geht es schlecht

Zudem stellt Barillon klar, dass Bulat Tschagajew keine Lust verspüre, den Klub an eine Investorengruppe um den ehemaligen Xamax-Präsidenten Sylvio Bernasconi und Walter Gagg - ehemaliger Direktor des Weltfussballverbandes Fifa - zu verkaufen (siehe Box).

Investorengruppe um Sylvio Bernasconi will Xamax zurückkaufen

In den vergangenen Tagen wurde publik, dass eine Investorengruppe unter dem ehemaligen Xamax-Präsident Sylvio Bernasconi und dem Direktor des Weltfussballverbandes Fifa - Walter Gagg - den Klub zurückkaufen will.

Vielmehr kündigt der Advokat eine juristische und mediale Gegenoffensive an. Bulat Tschagajew werde seinen Kritikern die Stirn biete und sich verteidigen. «Ich werde seine Totengräber - welche Unrecht haben und sich für unantastbar halten - aus ihren Verstecken hervorholen», verspricht Barillon.

Die Kampfeslust des Xamax-Besitzers sei jedoch nicht selbstverständlich. «Ich würde lügen, wenn ich Ihnen sagen würde, dass sich Bulat Tschagajew in der Form seines Lebens befinden würde. Aber wie könnte das, angesichts der Versessenheit der Justiz und insbesondere der Medien, denen er seit Wochen oder Monaten ausgesetzt ist, auch anders sein.»

Barillon: Tschagajew hat Fehler gemacht

Nichtsdestotrotz räumt Jacques Barillon ein, dass sein Mandant in der Vergangenheit auch Fehler begangen habe. «Alle Menschen - ob Staatsanwälte, Politiker oder Journalisten - sind fehlbar.»

Letzte Woche bestätigte die Neuenburger Staatsanwaltschaft, dass die von Bulat Tschagajew vorgelegte Bankgarantie der «Bank of America» vom 14. September in Höhe von 35 Millionen US-Dollar nicht den Vorschriften der USA entspricht (siehe Dokument).

Zur Verfügung gestellt

Ausserdem wird die Echtheit einer zweiten Bankgarantie, welche vor wenigen Tagen aufgetaucht ist, in Zweifel gezogen. Jacques Barillon wollte auf die «Versäumnisse» seines Mandanten in der Vergangenheit indes nicht näher eingehen und wollte sich auch zu den mutmasslich, gefälschten Bankgarantien nicht äussern. Viel wichtiger sei, dass nicht gleich «der Scheiterhaufen oder das Schafott für ihn errichtet werden darf.»

Derweil muss Bulat Tschagajew der Genfer Staatsanwaltschaft diesen Donnerstag Rede und Antwort stehen. Der Grund: Der Tschetschene wird der Geldwäscherei verdächtigt. Darüber hinaus liegt der az ein Betreibungsregisterauszug vom 1. November 2011 vor (az berichtete exklusiv).

Darin steht der Fussballklub Neuchatel-Xamax mit 71 Gläubigern und über vier Millionen Franken in der Kreide. Diese Forderungen betreffen einen Zeitraum vom 7. Mai 2008 bis zum 31. Oktober 2011. Angesichts dieser Dokumente erstaunen die Aussagen des ehemaligen Xamax-Präsidenten Sylvio Bernasconi. Dieser wies im Westschweizer Fernsehen die Mitschuld an der finanziellen Misere des Klubs von sich.

Wie hat Tschagajew sein Geld verdient?

Tschagajew-Anwalt Barillon will dazu keine Stellung nehmen. Genauso wenig zum Vorwurf, der Spielerberater Ralph Isenegger sei vom Xamax- oder Tschagajew-Umfeld bedroht worden (az berichtete exklusiv). Vielmehr weicht Barillon der Frage nach der Zahlungsfähigkeit seines Mandanten aus, sondern setzt erneut zum Rundumschlag an.

«Es ist bemerkenswert: Jene, die ihn zu Beginn mit einem Lächeln auf den Lippen und offenen Armen mit seinen Millionen empfangen haben, verhindern, dass er seine finanziellen Ressourcen nutzen kann, um seine Verpflichtungen zu erfüllen.» Will heissen: Finanzinstitute sollen laut Barillon verhindern, dass Bulat Tschagajew sein Vermögen zum Wohle von Neuchatel-Xamax einsetzen kann.

Bulat Tschagajews einflussreicher Schwiegervater Doku Sawgajew
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 Doku Sawgajew: Früher war er tschetschenisches Staatsoberhaupt, heute ist er Diplomat im Dienste Russlands.
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 «The Gorb» Michail Sergejewitsch Gorbatschow begann die Öffnung der Sowjetunion und wurde später durch Boris Jelzin entmachtet.
 Während den zwei Tschetschenien-Kriegen 1994-1996 und 1999-2009 wurden zehntausende Leute ermordet.
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 Dschochar Dudajew: Der erste gewählte Präsident Tschetscheniens, wurde 1996 durch eine russische Rakete getötet.
 Ein Tschetschene schwenkt die Fahne der abtrünnigen Republik über den Trümmern der Hauptstadt Grosny.
 General Alexander Lebed bei der Unterzeichnung des ersten Waffenstillstandes 1996 mit dem militärischen Führer Tschetscheniens Aslan Alijewitsch Maschadow.

Bulat Tschagajews einflussreicher Schwiegervater Doku Sawgajew

Auch die Frage, wie Bulat Tschagajew zu seinem Privatvermögen gekommen ist, lässt Staranwalt Jacques Barillon unbeantwortet. Dies, obwohl dem Tschetschenen hinter vorgehaltener Hand Verbindungen zum internationalen Waffenhandel nachgesagt wird.

«Gerüchte verbreiten sich, wenn Sie jemanden erschiessen wollen. Ich kenne diese verheerende Musik. Aber ich habe die Gewohnheit nicht auf diese Gossengespräche zu reagieren,» sagt Barillon.

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