Gewalt im Sport

Fast die Hälfte der Fussballspiele sind von Gewalt begleitet

Gewalt und Chaos nach dem Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich am 13. Mai 2006 im Basler St. Jakob Park.

Gewalt und Chaos nach dem Spiel zwischen dem FC Basel und dem FC Zürich am 13. Mai 2006 im Basler St. Jakob Park.

46 Prozent der Fussballspiele in der Super League sind von Gewalt begleitet. Dies geht aus einem am Freitag in Bern vorgestellten Bericht der Polizeilichen Koordinationsplattform Sport hervor.

"Es gibt nichts zu beschönigen: 46 Prozent sind ganz einfach zu viel", sagte Paul Winiker, Justiz- und Sicherheitsdirektor des Kantons Luzern, an einem Medienanlass der Swiss Football League und der Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD).

Die Polizeiliche Koordinationsplattform Sport hat zum ersten Mal ein umfassendes Reporting erstellt, das aufzeigt, wo und in welcher Form Gewalt an Sportveranstaltungen zu verzeichnen war. Für die Saison 2018/19 wurden erstmals alle Matches berücksichtigt, total deren 457.

Ende Juni waren in der Hooligan-Datenbank 1579 Personen registriert. Die Zahl stagniere auf hohem Niveau, sagt die KKJPD dazu. Es wurden 573 Stadionverbote ausgesprochen und 371 Rayonverbote.

Hauptprobleme nicht in den Stadien

Die Statistiken zeigen, dass die Hauptprobleme nicht in den Stadien liegen, sondern auf den Reisewegen, auf den Fanmärschen zwischen den Bahnhöfen und den Stadien oder sogar abseits der Fussballspiele. Meist sind dabei gewaltbereite Gästefans die Ursache.

Auf den Extrazügen, mit denen die Gästefans anreisen, gibt es Probleme mit Sachbeschädigungen und mit Pyros, Bierflaschen und Knallkörpern, die aus fahrenden Zügen auf die Perrons geworfen werden. Und es wird immer wieder die Notbremse gezogen. Die stehenden Züge blockieren dann die Zugstrecken und verursachen massive Verspätungen im übrigen Zugverkehr.

Auch Angriffe auf Polizistinnen und Polizisten oder auf das Personal der Transportpolizei oder gegenseitige Angriffe von Fangruppen kommen vor. Und ein neues Phänomen ist, dass sich Fangruppen in Zürich auch abseits der Spiele zeitweise eine Art Bandenkrieg liefern.

"Wir schauen dieser Entwicklung nicht tatenlos zu", sagte Winiker. Die Kantone und die Klubs setzten jedes Wochenende hunderte von Polizistinnen und Polizisten und Stewards für die Sicherheit ein. Der Erfolg ihrer Einsätze lasse sich unter anderem daran messen, wie oft es gelungen ist, Konfrontationen zwischen Fangruppen zu verhindern.

Hooligan-Konkordat wird untersucht

Die rechtlichen Möglichkeiten des Hooligan-Konkordats würden weiterhin zu wenig und zu uneinheitlich ausgeschöpft, finden die KKJPD und die Swiss Football League. Sie wollen nun herausfinden, warum dem so ist. Die KKJPD beschloss deshalb zusammen mit dem Fussballverband, der Swiss Football League, dem Bund und den SBB, eine eingehende Evaluation der Wirkung des Hooligan-Konkordats vorzunehmen.

Der Auftrag ging an die Universität Bern. Namentlich will man herausfinden, ob es beim Hooligan-Konkordat oder bei seiner Umsetzung Anpassungen braucht. Die Arbeiten starten in diesen Tagen und sollen mit einem Bericht samt Handlungsempfehlungen im 1. Quartal 2020 abgeschlossen werden.

Sechs Schwerpunkte ab sofort

Man will aber mit Massnahmen bei der Bekämpfung der Gewalt im Umfeld des Sports nicht bis im Frühjahr 2020 zuwarten. Es werden sechs Schwerpunkte gesetzt, namentlich die Schaffung einer Konferenz der Sicherheitspolizeichefs zur Koordination der Einsätze der polizeilichen Ordnungsdienste sowie ein rasches und konsequentes Aussprechen von Stadionverboten durch die Klubs und die Swiss Football League.

Weitere Punkte sind Intensivierung und Standardisierung der Prozesse zur Identifizierung und Sanktionierung von Gewalttätern auf der Prozesskette Klub-Polizei-Staatsanwaltschaft-Gericht und das Auslösen des sogenannten Hooli-Alarms bei schwerwiegenden Ereignissen.

Schliesslich soll die Möglichkeit evaluiert werden, Matchbesucher an den Stadioneingängen zu identifizieren, personalisierte Tickets einzuführen oder einen Abgleich zwischen Identitätsausweis und Hooligan-Datenbank vorzunehmen.

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