Abstieg
FCZ wie Kaiserslautern oder River Plate: Abtauchen, um richtig Luft zu holen

Das Unmögliche ist eingetroffen: Der FC Zürich steigt in die Challenge League ab. Doch eine Saison in der zweiten Saison kann von Vorteil sein, um dann richtig durchzustarten. Beispiele von Fussballklubs gibt es genug.

Pedro Lenz
Pedro Lenz
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Die FCZ-Spieler trotten nach dem besiegelten Abstieg enttäuscht von dannen.

Die FCZ-Spieler trotten nach dem besiegelten Abstieg enttäuscht von dannen.

Am Samstag steht Atlético Madrid zum zweiten Mal innert dreier Saisons im Champions-League-Final. Die Madrilenen gewannen vor zwanzig Jahren die spanische Meisterschaft und den Cup. Nur vier Saisons nach jenem Double stieg das stolze Atlético aus der obersten Liga ab. Das Team brauchte zwei Saisons, um den Wiederaufstieg zu schaffen.

Im Sommer 2002 gelang die Rückkehr ins Oberhaus. Seither ist Atlético kontinuierlich besser und stabiler geworden. Titel in der Meisterschaft (2014), im Cup (2013) und in der Europa League (2010/2012) zeugen vom neu gewonnenen Selbstverständnis der Hauptstädter.

Einen noch deutlicheren Beweis dafür, dass ein Abstieg für einen Traditionsklub eine reinigende Wirkung haben kann, lieferte der CA River Plate in Argentinien. Der Grossklub aus Buenos Aires stieg 2011 aus der obersten Liga ab, kehrte nach nur einer Saison zurück und wurde bereits 2014 wieder argentinischer Meister.

Unübertroffen im Gebiet der sportlichen Auferstehung ist allerdings der FC Kaiserslautern. Die «Roten Teufel» stiegen 1995 in die 2. Bundesliga ab.

1996 schaffte Kaiserslautern den sofortigen Wiederaufstieg und gleich in der darauffolgenden Spielzeit folgte der deutsche Meistertitel.

Im Umfeld des FC Zürich mögen diese Beispiele zurzeit wohl niemanden trösten. Doch wenn die Tränen abgewischt sind und der FCZ die neue Saison in Angriff nimmt, kann es hilfreich sein, sich an solchen Geschichten aufzurichten.

Sobald die Spieler, Fans und Funktionäre des FCZ das Trauma des Abstiegs überwunden haben, dürfte ihnen bewusst werden, dass ein Abstieg neue Möglichkeiten bietet.

In der Challenge League trennt sich die Spreu vom Weizen. In schweren Zeiten lassen sich die treuen Fans von den Modefans unterscheiden.

Bald wird auch deutlich werden, welche Spieler den Charakter und die Kraft haben, sich gegen die Widrigkeiten holpriger Plätze, kleinerer Stadien und übermotivierter Gegner zu stemmen.

In dieser Hinsicht können sich die Zürcher an den Glasgow Rangers orientieren. Der 54-fache schottische Meister wurde 2012 aus finanziellen Gründen in die 4. Liga zwangsrelegiert.

Doch selbst zu Auswärtsspielen in die tiefste schottische Fussballprovinz unterstützten Tausende von Rangers-Fans ihre Mannschaft immer leidenschaftlich. Vier Jahre später haben die Rangers ihr Fegefeuer hinter sich gelassen.

Die kommende Saison wird für den FCZ wegweisend. Schaffen es die Stadtzürcher, die Challenge League ernst zu nehmen, sie als Abenteuer zu verstehen und auch namenlose Gegner zu respektieren, könnten auch sie sich bald neu erstarkt zurückmelden.

Fühlen sich Spieler und Fans aber zu bedeutend, um sich für Fahrten nach Wohlen, Le Mont oder Wil zu motivieren, dürfte ihr Tauchgang länger anhalten.

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