Es dauerte nach Spielschluss eine ganze Weile, bis Milan Borjan den Rasen des Stade de Suisse in Bern verlassen konnte. Aufgehalten wurde der 31-jährige Goalie von Roter Stern Belgrad von den eigenen Fans, die ihn für seine erbrachte Leistung feierten. Sie jubelten dem Keeper zurecht zu. Borjan, der auch das Tor des kanadischen Nationalteams hütet, war der Hauptgrund dafür, dass die Young Boys trotz guter Leistung eben "doch nicht zufrieden sein konnten", wie es YB-Coach Gerardo Seoane später formulierte.

"Das Resultat widerspiegelt sicher nicht die Leistung", ergänzte der 40-Jährige, nahm dafür allerdings auch seine eigenen Leute in die Pflicht. "Wir konnten vieles umsetzen, aber nicht alles", sagte Seoane, um anschliessend zu erläutern, was es im Rückspiel genau besser zu machen gelte. Die Effizienz sei etwa zu verbessern. In Belgrad werde seine Equipe zwar sicher wieder zu Chancen kommen, allerdings kaum in der Häufigkeit, wie dies in Bern der Fall gewesen ist. Zudem sei seine Mannschaft zweimal "erwischt" worden. Sowohl beim 1:1 wie auch beim 2:1 kurz nach der Pause hinterliess das YB-Kollektiv nicht den konsequentesten Eindruck, Offensivspieler Christian Fassnacht sprach hinterher von "geschenkten Toren". "Da müssen wir uns an der Nase nehmen."

Erinnerungen an 2018

Dass Roter Stern, das zuhause im Marakana-Stadion zuletzt auch Grössen wie Champions-League-Sieger Liverpool bezwingen konnte und in der Meisterschaft seit fast zweieinhalb Jahren ungeschlagen ist, die Zügel nun fest in der Hand hält, glauben sie bei den Young Boys indes nicht. "Wir haben es letztes Jahr bewiesen, wir wollen es in diesem Jahr wieder beweisen", sagte Fassnacht. Beweisen, dass YB auswärts die Differenz legen kann, trotz grosser Unterstützung für das Heimteam. Natürlich profitiere die Mannschaft nun von den Erfahrungen der letztjährigen Champions-League-Playoffs, als YB nach einem 1:1 in Bern auswärts bei Dinamo Zagreb 2:1 siegen konnte, ist sich Fassnacht sicher.

Seoane erwartet in Belgrad einen anderen Auftritt von Roter Stern. Vladan Milojevic erwartet dies auch. Dass YB im Hinspiel das bessere Team war, sah auch der Coach der Gäste so. Er machte keinen Hehl daraus, wie gut Roter Stern mit dem 2:2 leben kann. "Natürlich hätte ich es lieber gehabt, wenn mein Team unzählige Chancen gehabt hätte. Aber so war es einfach nicht", sagte Milojevic. Doch er sei zuversichtlich, dass Rot-Weiss vor heimischem Publikum zulegen könne, sagte der 49-Jährige. Klarheit hat das 2:2 im Hinspiel nicht gebracht, dafür Zuversicht. Für YB und Roter Stern.