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In Spanien gibt der FC Valencia mehr Geld aus als Real und Barca zusammen

Anfang des Jahrtausends zählte der FC Valencia zu den besten Klubs Europas. Nach der Fast-Insolvenz wird jetzt wieder kräftig investiert. Dank einem reichen Unternehmer mit nebulösen Absichten.

Michael Meier
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Die Zukunft des FC Valencia steht in den Sternen.

Die Zukunft des FC Valencia steht in den Sternen.

Keystone

Zweifacher Champions-League-Finalist und spanischer Meister in den Jahren 2000 bis 2004. Der FC Valencia gehörte zu den besten Klubs Europas. Doch dann kam der Absturz. Schulden von bis zu 550 Millionen Euro. «Der FC Valencia kann zum jetzigen Stand keinen einzigen Euro mehr bezahlen», musste der damalige Präsident Amadeo Salvio am 24. Januar 2014 verkünden. Der einst stolze FC Valencia stand vor dem Abgrund.

Anderthalb Jahre später hat Valencia bereits über 100 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, mehr als Real und Barcelona zusammen. Was ist in diesen 18 Monaten passiert?

Am Tag seines verzweifelten Hilferufs startete Salvio die Suche nach Geldgebern, die den Verein vor der Insolvenz retten sollten. Auftritt Peter Lim: ein 60 Jahre alter Börseninvestor aus Singapur, mit einem Vermögen von rund 1,7 Milliarden Euro. Der Spielerberater Jorge Mendes knüpfte die Kontakte, und bald war alles klar: Lim war bereit, 100 Millionen Euro für die Übernahme zu bezahlen und mindestens 300 Millionen Euro in den Fussballverein zu investieren.

Es wurde viel in Spieler investiert

In diesem Sommer wurde richtig geklotzt. Unter anderem wurden für Rodrigo, André Gomes und Joao Cancelo 60 Millionen Euro an Benfica Lissabon überwiesen. Dazu kam Alvaro Negredo für 30 Millionen von Manchester City.

Der öffentlichkeitsscheue Lim brachte die Hoffnungen auf eine Renaissance alter Erfolge zurück. Doch es gibt Schattenseiten, denn Lim gilt als skrupelloser Geschäftsmann. Er ist Besitzer von Spielerrechten. Diese als «Third Party Ownership» bezeichnete Praxis wurde kürzlich von der Fifa verboten. Dabei investieren private Unternehmen in junge Spieler, um später von den Ablösesummen profitieren zu können.

Kritiker werfen Lim vor, mit dem Kauf von Valencia das Verbot der Fifa umgehen zu wollen, um mit seiner Firma die Geschäfte über den Klub laufen zu lassen. Denkbar ist, dass Lim darauf setzt, Spieler, deren Rechte er hält, bei Valencia unterzubringen und diese später gewinnbringend zu verkaufen.

Ein Indiz dafür ist, dass Lim sogleich die Rechte an den erwähnten Gomes, Rodrigo und Cancelo erwarb. Geholfen hat ihm dabei erneut Jorge Mendes, der zahlreiche Spieler bei Benfica betreut.

Der FC Valencia droht eine Profitmaschine für Peter Lim zu werden. Dafür sprechen auch die Differenzen mit Ex-Präsident Salvio über die sportliche Ausrichtung des Vereins, welche in der Demission Salvios in diesem Frühling gipfelten. Darauf setzte Lim seine Finanzleiterin Layhoon Chan mit sofortiger Wirkung als Nachfolgerin ein. Chan wurde somit zur ersten Präsidentin eines spanischen Erstliga-Vereins. Als erste Amtshandlung gab die neue Präsidentin die Trennung von Sportdirektor Rufete sowie von drei weiteren Direktoren bekannt.

Die Hoffnung auf sportlichen Erfolg macht die Nebengeräusche erträglich, doch der FC Valencia muss aufpassen, nicht nur als Schaufenster für die Spieler von Lim und Mendes benutzt zu werden.

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