Fussball

Ja oder Nein zum Videobeweis? Das sagen Trainer und Sportchefs

Alle sehen das Foul. Nur der Schiedsrichter nicht. Nach dem Cupfinal ist die Diskussion dringender denn je: Sollen die Schiedsrichter auch im Fussball auf technische Hilfsmittel zurückgreifen können, um ihre Entscheidungen zu überprüfen?

Grundsätzlich gilt: Die Fussballverbände können nur tun, was das International Football Association Board (Ifab) erlaubt. Das Ifab besteht aus acht Männern fortgeschrittenen Alters. Vier Mitglieder gehören der Fifa an, je eines dem englischen, schottischen, walisischen und nordirischen Verband. Einmal im Jahr trifft sich das Ifab, um über Änderungen der Spielregeln zu beraten.

Seit Sommer 2012 ist die Torlinientechnologie erlaubt, mittlerweile kommt sie in England und auch bald an der WM zum Einsatz. In der Schweiz hat die Neuerung einen schweren Stand. Was an den hohen Kosten liegt: Auf rund 200 000 Franken werden die Kosten pro Stadion beziffert, um das Hightech-System zu installieren. «Ob und wann die Torlinientechnologie in der Schweiz eingeführt wird, ist nicht abzuschätzen», sagt Philippe Guggisberg, Sprecher der Swiss Football League.

Die Torlinientechnologie klärt indes nur die Frage: Ist der Ball hinter der Linie oder nicht? Was ist aber mit Situationen wie: Penalty oder nicht? Offside oder nicht? Rote Karte oder nicht? «Die Nordwestschweiz» hat bei Sportchefs und Trainern der Super League nachgefragt.

Jeff Saibene, Trainer FC St. Gallen

Jeff Saibene, Trainer FC St. Gallen

Jeff Saibene

«Ich bin für den Videobeweis. Aber nur bei der Frage: Tor oder kein Tor? Dann sollte der Schiedsrichter die Chance haben, die Situation zu klären. Bei Offside oder Fouls, also bei Szenen mit Interpretationsspielraum, verkäme der Videobeweis zu einer Farce. Jede Argumentation hätte irgendwo ihre Richtigkeit, der Spielunterbruch wäre viel zu lang. Der Fussball lebt zum Teil von den Fehlern der Akteure.»

Urs Fischer, Trainer FC Thun

Urs Fischer, Trainer FC Thun

Urs Fischer

«Wenn wir Möglichkeiten haben, warum wehren wir uns dagegen? Es wäre eine Hilfe für die Schiedsrichter. Es sollte aber nicht sein, dass am Ende nur noch Video geschaut wird. Warum nicht ähnlich wie beim Tennis? Zweimal oder besser: einmal, pro Match darf ein Team Einspruch einlegen. Aber nur bei Szenen, die direkt zu Toren führen. Es gibt Entscheide, die man auch akzeptieren muss.»

Raimondo Ponte, Trainer FC Sion

Raimondo Ponte, Trainer FC Sion

Raimondo Ponte

«Schon komisch, dass Sie mich das jetzt fragen, wo der FC Basel zum ersten Mal benachteiligt wird und nicht vom Schiri profitiert. Der FC Sion wird dauernd benachteiligt. Aber ja, ich bin für den Videobeweis: bei der Frage, ob der Ball wirklich im Tor war und bei strittigen Szenen, die eine klare Torchance zur Folge haben oder verhindern. Nur der Schiri sollte die Macht haben, den Videobeweis zu fordern.»

Michael Skibbe, Trainer Grasshoppers

Michael Skibbe, Trainer Grasshoppers

Michael Skibbe

«Ich bin gegen einen Videobeweis, aber für eine Torlinientechnologie. Es ist schwer einzuschätzen, welche Situation spielentscheidend ist: ein Foul im Strafraum? Oder ein Ellbogenschlag im Mittelfeld wie kürzlich beim Duell Sanogo gegen Abrashi? Im Tennis ist ein Ball immer drin oder out. Im Fussball gibt es mehr Bewegungsfelder, mehr Zweikämpfe - und zu viel Ermessensspielraum.»

Marco Bernet, Sportdirektor FC Zürich

Marco Bernet, Sportdirektor FC Zürich

Marco Bernet

«Der Fussball lebt nicht nur von der Perfektion. Weder beim Tore-Schiessen noch beim Schiedsrichter. Ich denke, man sollte sehr vorsichtig sein, wenn man diese Fehler beim Schiedsrichter ausmerzen will. Ich plädiere für mehr Respekt, Akzeptanz und Toleranz. Was ich gut finde, und teilweise schon angewendet wird, ist eine nachträgliche Sperre per Video nach einer ungesehenen Tätlichkeit.»

Uli Forte, Trainer Young Boys.

Uli Forte, Trainer Young Boys.

Uli Forte

«Videobeweis umfassend einführen! Es geht um zu viel. Das Paradebeispiel ist Henrys Hands in der WM-Barrage Frankreich - Irland; ein ganzes Land war betroffen. Die Torkamera ist ein Muss. Den Rest würde ich in ein Paket nehmen. Der Trainer ruft beim 4. Offiziellen ‹Challenge!›, wie häufig pro Match muss besprochen werden. Dann wird überprüft, egal, ob Einwurf, Offside oder Foul.»

Réne Weiler, Trainer FC Aarau

Réne Weiler, Trainer FC Aarau

René Weiler

«Anstatt jede Regung der Trainer zu kommentieren, sollte der Vierte Offizielle an der Seitenlinie das Spiel auf einem Bildschirm verfolgen und allenfalls beim Hauptschiedsrichter intervenieren. In welchen Situationen, das müsste man im Plenum diskutieren. Ich plädiere zudem schon lange für Profischiedsrichter: Es kann nicht sein, dass im hoch professionellen Fussball der Spielleiter ein Amateur ist.»

Georg Heitz, Sportchef FC Basel

Georg Heitz, Sportchef FC Basel

Georg Heitz

«Der Fussball lebt von Diskussionen! Deshalb: Videobeweis nein, Torlinientechnologie ja. Aber: Selbst die Mehrheit der Bundesliga-Klubs sagte aus Kostengründen «Nein» dazu - und die sind finanziell ja noch etwas besser aufgestellt. Trotzdem fände ich es gut, wenn die Fifa eine Expertengruppe einsetzen würde, um zu eruieren, welche technische Hilfsmittel in Zukunft praktikabel wären.»

«Der Videobeweis – nur die Frage Tor oder nicht Tor – darf kommen, wenn er finanziell für alle machbar ist, das ist aber noch nicht der Fall. Fussball ist ein Spiel von Fehlern, ich mache als Trainer auch welche. Schiedsrichterentscheide führen zu Emotionen, das tut den Spielen gut. Gut finde ich die zusätzlichen Torrichter bei Champions-League-Spielen, sie sollten noch mehr Einfluss nehmen.»

Carlos Bernegger, Trainer FC Luzern

«Der Videobeweis – nur die Frage Tor oder nicht Tor – darf kommen, wenn er finanziell für alle machbar ist, das ist aber noch nicht der Fall. Fussball ist ein Spiel von Fehlern, ich mache als Trainer auch welche. Schiedsrichterentscheide führen zu Emotionen, das tut den Spielen gut. Gut finde ich die zusätzlichen Torrichter bei Champions-League-Spielen, sie sollten noch mehr Einfluss nehmen.»

Carlos Bernegger

«Der Videobeweis - nur die Frage Tor oder nicht Tor - darf kommen, wenn er finanziell für alle machbar ist, das ist aber noch nicht der Fall. Fussball ist ein Spiel von Fehlern, ich mache als Trainer auch welche. Schiedsrichterentscheide führen zu Emotionen, das tut den Spielen gut. Gut finde ich die zusätzlichen Torrichter bei Champions-League-Spielen, sie sollten noch mehr Einfluss nehmen.»

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