Champions League

Keine Lücke in Chelseas Mauer: Engländer erschuften sich in Madrid ein 0:0

Chelsea hat sein Primärziel in Madrid erreicht. Im Halbfinal-Hinspiel der Königsklasse ermauerten sich die Engländer bei Atletico Madrid ein 0:0. Ein Ergebnis, dass alle Optionen für das Rückspiel in acht Tagen an der Stamford Bridge offen lässt.

Das erste Halbfinal-Spiel binnen 24 Stunden in Madrid (heute steigt der Klassiker zwischen Real Madrid und Bayern München) war taktisches Rasenschach. Viele Fouls, zahlreiche Nicklichkeiten, wenig Torchancen. Man schenkte sich gegenseitig nichts. Vor allem Atletico biss sich an Chelseas Abwehrmauer trotz Ballbesitz von 62 Prozent die Zähne aus.

Beide Trainer nominierten äusserst defensive Formationen. Sowohl Atleticos Diego Simeone als auch Chelseas José Mourinho, deren Teams die besten Abwehrreihen Europas stellen, setzten vorerst auf Sicherheit und defensive Stabilität. Deshalb musste beim Leader der Primera Division David Villa bis zur 85. Minute auf der Ersatzbank Platz nehmen, und auch Mourinho verzichtete trotz der verletzungsbedingten Absenzen von Stürmerstar Samuel Eto'o und Eden Hazard vorerst auf den Deutschen André Schürrle und auf den Senegalesen Demba Ba, die beiden Torschützen zum 2:0 im Viertelfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain.

Der erste Höhepunkt im Estadio Vicente Calderon war ein Tiefschlag. Nach dem ersten Corner der Spanier durch Koke prallten Torhüter Peter Cech und Raul Garcia zusammen. Cech fiel unglücklich auf Oberarm und Schulter, blieb liegen und gab sofort Zeichen, dass er ausgewechselt werden musste. Der 41-jährige Australier Mark Schwarzer übernahm. Die ganz in schwarz antretenden Blues waren aber keineswegs geschockt, sondern zogen beharrlich ihr defensives Konzept durch, das ihnen ihr schlauer Taktik-Fuchs José Mourinho verordnet hatte. Wohl führte Atletico technisch die feinere Klinge, war häufiger in Ballbesitz, doch vor der Pause brachten lediglich ein Kopfball von Raul Garcia und ein Weitschuss von Mario Suarez, der nur knapp am linken Torpfosten vorbeiflitzte, so etwas wie Torgefahr.

Der zweite Schock für die dezimierten Engländer kam eine Viertelstunde vor Schluss. Captain John Terry verletzte sich ohne Kontakt mit dem Gegner und musste den Platz ebenfalls vorzeitig verlassen. Die Dominanz der Madrilenen, die erstmals seit 40 Jahren wieder das Endspiel erreichen wollen, wurde grösser. Da musste sich Schwarzer nach einem Freistoss von Gabi mächtig strecken, ein Kopfball des eingewechselten Türken Arda Turan und zwei starke Abschlussversuche des eingebürgerten spanischen Goalgetters Diego Costa (34 Saisontore in 46 Pflichtspielen) verfehlten das Ziel knapp. Die Chelsea-Abwehrmauer hielt dicht.

Die Engländer, 2012 unter Trainer Roberto di Matteo, Champions-League-Sieger, waren defensiv top, offensiv aber inexistent. Die spielerischen Defizite waren ersichtlich. Ein einziger harmloser Torschuss wurde registriert. Priorität hatten eben Ballsicherheit, Räume schliessen, sich dem aggressiven Gegner aufsässig entgegen zu stemmen. Die Rechnung von José Mourinho ist aufgegangen. Die Chance des Portugiesen, zum fünften Mal als Trainer in Serie die Halbfinals der Königsklasse zu erreichen, bleibt intakt. (sda)

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