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Lucien Favres Rückkehr aus der Anonymität

Plötzlich taucht Lucien Favre im Kreis der Schweizer Nationalmannschaft auf. Und der neue Trainer von OGC Nizza prognostiziert für die EM in Frankreich: «Es kommt gut!»

Etienne Wuillemin
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Lucien Favre ist neuer Trainer in Nizza.

Lucien Favre ist neuer Trainer in Nizza.

KEYSTONE/EPA DPA/ROLAND WEIHRAUCH

Der malerische Nachmittag in Genf neigt sich dem Ende zu. Drinnen im Bauch des Stade de Genève versucht Haris Seferovic gerade, irgendwie eine plausible Erklärung zu finden für die dämliche rote Karte, die den beschwingten Schweizer Auftritt gegen Belgien etwas trübt. Da taucht er plötzlich auf: Lucien Favre.
Favre hat so etwas wie ein doppeltes Heimspiel. Als Servette-Legende. Und als ehemaliger Trainer ziemlich vieler Schweizer Nationalspieler zu ganz verschiedenen Zeiten. Frisch sieht er aus. Und immer trägt er ein Lächeln auf dem Gesicht. Mal eine Umarmung hier, dann ein kleiner Schwatz da. «Lulu» ist wieder da. Aufgetaucht aus der Anonymität. Am letzten Dienstag hat ihn der französische Klub OGC Nizza als neuen Trainer vorgestellt.
Es hat manch einen gegeben, nicht nur in der Romandie, der das Projekt «Favre und die Nationalmannschaft» noch so gerne erkundet hätte. Und wenn man Favre zuhört, wie er über das Schweizer Team spricht, so könnte das ja tatsächlich sehr spannend sein. Irgendwann einmal.

Der belgische Superstar Kevin De Bruyne feiert seinen Treffer zum 2:1
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Der Schweizer Torhüter Yann Sommer gibt Anweisungen
Die schönsten Fotos vom Testspiel zwischen der Schweiz und Belgien
Ricardo Rodriguez (r.) wehrt sich erfolgreich gegen Belgiens Eden Hazard
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Blerim Dzemailis Tor-Jubel nach dem 1:0
Blerim Dzemaili (l.) jubelt über seinen Treffer, Belgiens Torhüter Thibault Courtois sitzt geschlagen am Boden
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In der 84. Minute erhält Seferovic die rote Karte! Offenbar hat er den Schiedsrichter beleidigt.
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Der Schweizer Nationaltrainer Vladimir Petkovic saugt die Atmosphäre im Stade de Geneve auf
Xherdan Shaqiri (l.) im Zweikampf mit dem Belgier Thomas Vermaelen
Die Schweizer Fans im Stade de Geneve sorgen für eine schöne Kulisse

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Keystone

Der Präsident schwärmt

Auch für ihn selbst, ab Sommer in Nizza? Das Projekt hat ihn gereizt. Nizza, in der abgelaufenen Saison Vierter der häufig unterschätzten Ligue 1 (und damit für die Europa League qualifiziert), ist eine Mannschaft mit Perspektiven. Die allermeisten Spieler sind Franzosen. Zwölf Profis sind 24-jährig oder jünger. Nizza ist eines der jüngsten Spitzenteams ganz Europas. «Ich sehe hier die Möglichkeit, etwas zu entwickeln», sagt Favre.
Der Verein ist strukturell gut aufgestellt, verfügt über ein neues Stadion und wird bald über eine moderne Nachwuchs-Akademie verfügen. All das – und nicht etwa die Côte d’Azur – haben Favre überzeugt, wieder als Trainer einzusteigen. Und vielleicht gelingt es Favre ja doch noch, den manchmal etwas exzentrischen Star des Teams, Hatem Ben Arfa, vom Verbleib in Nizza zu überzeugen.
Was der Verein in Favre sieht, hat der Chef des Klubs bei der Verpflichtung treffend beschrieben. Einen «anspruchsvollen, sorgfältigen und leidenschaftlichen» Trainer. Der Präsident Jean-Pierre Rivère, der sein Vermögen mit Immobilien gemacht hat, kam bei Favres Präsentation nicht mehr aus dem Schwärmen heraus. Es ist trotzdem nicht auszuschliessen, dass der Verein Favres Akribie – und manchmal auch die Zweifel, die er ja stets irgendwie hegt – kennen lernen muss.

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