FC Basel

«Man fragt sich: Wann hört es endlich auf?» - Fabian Frei im grossen Interview vor dem ersten Spiel nach der Coronapause

Es dürfe mit seiner Form gerne weiter gehen wie vor dem Unterbruch, sagt Frei. Hier trifft er in der letzten Cup-Runde zum 1:1 gegen Lausanne-Ouchy.

Es dürfe mit seiner Form gerne weiter gehen wie vor dem Unterbruch, sagt Frei. Hier trifft er in der letzten Cup-Runde zum 1:1 gegen Lausanne-Ouchy.

Bevor der FC Basel am Sonntag den Spielbetrieb mit dem Cup-Viertelfianl bei Lausanne wieder aufnimmt, spricht Mittelfeldspieler Fabian Frei über falsche Aussenwahrnehmungen und mentale Herausforderungen.

Vor der Pause hatte er einen Lauf. Und ein beneidenswerte Form: Fabian Frei. Er traf in allen drei Partien vor dem Unterbruch je einmal - zwei Mal in der Europa League und im letzten Liga-Spiel gegen Servette eben so. Jetzt geht es am Sonntag endlich wieder los, mit einer Partie im Cup bei Lausanne-Sport. Auch dort traf der 31-Jährige in den beiden vergangenen Runden. Vor dem Re-Start spricht der Mann der Stunde der Prä-Coronazeit über den Lockdown, Kommunikationsschwierigkeiten und sein ganz persönliches Fitnessprogramm.

Fabian Frei, sind Sie in der neuen Normalität angekommen?

Fabian Frei: Sagen wir es so: Es ist okay. Es ist ja noch nicht wieder alles normal oder wie es vorher war. Das Virus ist immer noch präsent. Aber es lässt sich gut leben, so wie es jetzt ist. Wir haben nebst den BAG-Richtlinien auch keine zusätzlichen Auflagen bekommen, die wir in der Freizeit befolgen müssten. Wir haben zwar Masken gekriegt vom Verein, die ich aber ehrlich gesagt noch nie gebraucht habe – Abstand halten hat bisher immer geklappt.

Fühlen Sie sich noch eingeschränkt in gewissen Dingen?

Nein, eigentlich nicht. Dass die Kinder wieder in die Kita können, war das Wichtigste. Ansonsten ist mein Alltag ziemlich normal. Aber klar, man überlegt sich vielleicht zwei Mal, ob man irgendwo hingeht.

Wie normal ist denn der Alltag hier beim FCB? Der Klub muss extrem viele Auflagen befolgen, damit trainiert werden darf.

Ja, dass wir zum Beispiel vier Kabinen brauchen für alle unsere Spieler, ist tatsächlich sehr ungewöhnlich. In jeder sind dann sechs Spieler, immer die gleichen natürlich.

Das klingt nach etwas Unverständnis für gewisse Dinge.

Ich verstehe, dass wir die Hände desinfizieren müssen und dass die Temperatur jeden Morgen gemessen wird. Das ist absolut okay. Aber dass wir uns nicht alle zusammen eine Kabine teilen können, aber zwei Minuten später verschwitzt in Zweikämpfe gehen, ist schon etwas speziell.

Es gibt auch für den Spielbetrieb, der am Sonntag wieder beginnt, extrem viele Auflagen. Glauben Sie, Sie werden alle diese Regeln im Hinterkopf haben, wenn Sie auf den Platz laufen?

Das kann ich jetzt noch nicht genau sagen, ich hoffe es natürlich. Aber wenn du in der 119. Minute das entscheidende Tor schiesst, denkst du mit Sicherheit nicht gerade als erstes dran. Wir kennen aber natürlich alle Regeln und wissen auch, dass es darum geht, keine falschen Signale zu senden. Mal abklatschen ist aber sicher okay, auch in der Bundesliga wird es mittlerweile nicht mehr ganz so eng gesehen.

Der Cup-Viertelfinal wird das erste Spiel nach 94 Tagen sein. Solch lange Pausen gibt es sonst nie. Gehen Sie dennoch wie nach einer normalen Vorbereitung in diese Partie gegen Lausanne?

Ich schon, ja. Es fällt mir auch einfacher als anderen, den Schalter umzulegen. Sicher auch, weil ich schon ein Weilchen mit dabei bin. Ich versuche es einfach als normale Vorbereitung anzuschauen. Es waren wie sonst auch drei, vier Wochen, in denen du mehr gerannt bist als sonst. Daher macht mich das jetzt nicht närrisch.

Ohne Testspiele und nach so langer Zeit ist es aber schwieriger als sonst einzuschätzen, wie weit man ist, oder?

Das ist schon so, aber die anderen wissen genau gleich viel wie wir. Auf ein Testspiel mehr oder weniger kommt es da nicht an.

Fühlen Sie sich denn bei 100 Prozent?

Man kann meines Erachtens gar nicht bei 100 Prozent sein, wenn das erste Spiel erst noch kommt. Von der Ausdauer und dem Physischen her natürlich schon, aber nicht im spielerischen Bereich. Aber ich fühle mich was den Formstand angeht auf dem gleichen Level wie vor der Pause. Und das war ja nicht so schlecht. Es kann also losgehen.

Mussten Sie das Ballgefühl wieder bekommen?

Die Technik verliert man nie (lacht)! Nein, klar musstest du wieder rein kommen und der eine oder andere Schuss ging anfangs noch daneben. Da musste ich das Visier wieder neu einstellen. Aber die letzten 20 Jahre sind ja nicht einfach verloren gegangen. Das behältst du in dir.

Konnten Sie in diesen zwei Monaten auch mal komplett abschalten, physisch aber auch mental, wie das in einer normalen Pause möglich ist?

Das ist eben genau das Problem. Denn nein, das konnten wir nicht. Und deshalb wehre ich mich auch sehr dagegen, wenn die Leute sagen, dass wir acht Wochen Ferien hatten. Das stimmt auf keinen Fall. Es gab keine zwei, drei Tage am Stück, an denen wir nichts machen konnten. Es hätte ja immer losgehen können. Es ist vielleicht übertrieben zu sagen, wir hätten unseren Job ausgeführt. Aber wir haben wie sonst auch einmal am Tag trainiert, halt einfach alleine und zu Hause.

Wie anspruchsvoll ist das mental?

Es gab Tage, an denen man motivierter war und Tage, an denen man sich fragte: Wann hört das endlich auf? Daher war es mental sicher eine Erfahrung. Das ging ja aber nicht nur uns Fussballern so, sondern allen anderen auch. Ich habe aber sicher über mich gelernt, dass dieses eingeengte Leben, in dem man sich nicht frei bewegen kann, nichts für mich ist. Im Vergleich zu anderen Ländern, die den kompletten Lockdown hatten, sind wir Schweizer immerhin noch okay weg gekommen. Aber man schätzt jetzt sicher wieder mehr, was man hat.

Sie haben für die Zeit zu Hause ein klares Programm bekommen, um sich fit zu halten. Haben Sie noch zu anderen Sportarten gegriffen in dieser Pause?

Kinder hüten, bespassen und müde machen. Das hat mich fit gehalten. Die stehen am Morgen auf und du musst sie irgendwie zum Schlafen bringen am Abend. Ich bin Trampolin gesprungen bis zum Umfallen. Und spaziert bin ich auch so viel wie noch nie.

Also wurde Ihnen auch nie langweilig?

Nein. Ich habe meiner Frau oft gesagt, dass diese Coronazeit auch auf meine Zeit in Mainz hätte fallen können, als wir noch nur zu zweit waren. Das wäre einfacher gewesen. Denn wir haben beispielsweise gemerkt, wie sehr die Grosseltern einen entlasten.

Nehmen Sie auch etwas Positives aus dieser Coronazeit mit?

Auch wenn es anstrengend war: Das Schönste war sicher, dass man viel Zeit mit der Familie verbringen konnte. Diese Möglichkeit hat man sonst nicht, das kommt eher zu kurz.

Hatten Sie auch mehr Zeit, um nachzudenken?

Leider, ja.

Leider?

Man liest halt alles, hat das Handy schnell in der Hand. Dann schicken dir Leute auch noch Artikel, die du lesen sollst. Das Handy ist oft Fluch und Segen zugleich.

Also haben Sie auch verfolgt, was rund um den FCB geschrieben wurde? Mit dem Lohnzoff und dem Millionenloch gab es ja genug Stoff.

Natürlich. Denn auch wenn du es nicht lesen willst, bekommst du es mit. Es wird von allen Seiten an dich herangetragen, sei es nur schon von Freunden, die es dir schicken. Und weil alle mehr Zeit hatten zu lesen, war es umso schwieriger, es nicht mitzubekommen. Mit Social Media umso mehr, da schlägt es einem diese Artikel auch noch vor. Da kommst du nicht mehr drum herum.

Die Mannschaft hat die sozialen Medien aber auch selber benutzt, um sich mitzuteilen. Während den Lohndiskussionen gab das Team sein Statement auf Instagram ab.

Soziale Medien haben immer gute und schlechte Seiten.

Ist dieses Thema eigentlich komplett abgehakt, oder spürt man von diesen Differenzen noch etwas?

Das Thema ist abgeschlossen. Ich kann zwar nur für mich reden, aber ich weiss, dass alle gefragt wurden und komplett hinter dem stehen, was beschlossen wurde.

War das Problem denn wirklich nur, dass man diese Angelegenheit nicht in persönlichen Gesprächen ausdiskutieren konnte? Ihr Teamkollege Jonas Omlin macht es daran fest.

Das hat er gut gesagt und da kann ich ihm nur beipflichten. Und jeder kennt es ja: Wenn man mit der Freundin auf Whatsapp diskutiert und sie etwas falsch versteht, hat man schnell Probleme. Zusammensitzen ist immer einfacher, um Dinge zu bereden.

Wenn man rund um dieses Thema von einer Entfremdung zwischen Führung und Team sprach, kann man dann auch sagen, dass die Mannschaft durch diese Episode zusammengeschweisst worden ist?

Es zeigt einfach vor allem, dass wir eine gute Mannschaft sind. Alle Entscheide, die der Mannschaftsrat gefällt hat, wurden einstimmig unterstützt. Das soll nicht heissen, dass man keine andere Meinung haben darf, aber wir haben das als Team letztlich gut gelöst. Gemeinsam mit der Clubleitung, eine Entfremdung gab es nicht.

Wie nehmen Sie das Innenleben der Mannschaft jetzt war? Haben diese zwei Monate ohne gemeinsames Training etwas verändert?

Man merkt einfach, dass es aus jenen Spielern heraussprudelt, die im Lockdown alleine zu Hause waren. Wir haben uns aber generell mehr zu erzählen, wir geniessen es, uns wieder zu sehen und zusammen auf dem Platz zu stehen. Aber in zwei Wochen gehen wir uns dann wieder auf die Nerven (lacht).

Dann steckt die Mannschaft bereits mitten in einer intensiven Zeit. Kann man sich ob dieses pausenlosen Programms überhaupt freuen, oder tun die Knochen schon weh?

Meine Frau zumindest freut sich gar nicht (schmunzelt). Ich freue mich natürlich darauf, dass man weniger trainieren muss und mehr spielen kann. Aber es wird nicht einfach. Es wird sehr intensiv. Es gibt ja auch Gründe, warum man fünf Mal wechseln darf. Wir dürfen aber nicht mit dem Gedanken, dass es streng werden wird, in die erste Partie gehen. Daran können wir dann nach dem zehnten Spiel vielleicht mal denken. Wenn wir das aber jetzt schon tun, gibt es sehr lange zweieinhalb Monate.

Also war der Stein gross, der von Ihrem Herzen fiel, als grünes Licht für die Wiederaufnahme der Liga gegeben wurde?

Wichtig war vor allem, dass wir wieder ein Ziel hatten, auf das wir hinarbeiten konnten. Bis zu diesem Zeitpunkt sind wir gerannt, wussten aber nicht, wofür genau. Das hast du normalerweise ja nicht. Da weisst du, wann es weiter geht und das macht es einfacher.

Kommt denn jetzt langsam ein Kribbeln, da das erste Spiel nach vier Monaten ansteht?

Ich freue mich extrem, dass es jetzt weiter geht, das ist klar. Die Spannung wird vielleicht auch etwas grösser sein als wenn man sonst einfach vor einem Spiel steht. Aber es ist mehr Vorfreude als Nervosität oder Gänsehaut. Das habe ich sowieso sehr selten, dafür braucht es viel.

In diesem ersten Spiel geht es gleich um alles oder nichts. Wie geht der FCB in diesen Cup-Viertelfinal?

Es geht für uns ab jetzt in jedem Spiel um alles. Aber im Cup sind wir Titelverteidiger und wollen diesen Titel entsprechend auch verteidigen. Mit diesem Ziel gehen wir ins Spiel. Wir wissen aber auch, dass Lausanne gut drauf ist – wenn man das so sagen kann. Sie hatten bis zur Pause eine super Saison und haben eine starke Mannschaft zusammen. Es wird ein hartes Stück Arbeit.

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