Manchester City ist gehörig unter Druck und befindet sich in einer wegweisenden Woche, in welcher gleich zwei Titel auf dem Spiel stehen. Im Mittelpunkt: Trainer Pep Guardiola. Einmal mehr. Pep Guardiola, sagt Kevin De Bruyne, sei «ein Meister der Taktik, da gibt es keinen Zweifel». Und doch sei sein Lehrer immer «so gestresst, die ganze Zeit».

Der Teammanager von Manchester City mache sich «doppelt so viel Druck» wie seine Schüler, schreibt De Bruyne in einem Beitrag für «The Players’ Tribune», «weil er nicht nur am Gewinnen interessiert ist. Er will Perfektion». Und dieses Streben droht Guardiola jetzt – mal wieder – zum Verhängnis zu werden.

Dass City heute Mittwoch mit einer 0:1-Hypothek ins Viertelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Tottenham Hotspur geht, da sind sich die Experten auf der Insel einig, ist Pep Guardiolas Schuld. «Er denkt zu viel nach», lautete das einhellige Urteil nach dem Hinspiel, befeuert von der Kritik von Ilkay Gündogan. «Wir versuchen, das Besondere zu machen, dabei ist weniger manchmal mehr», hatte der Nationalspieler geschimpft. Spiele wie jenes in London seien Citys «Schicksal».

Und das Schicksal des vor allem in der Königsklasse bisweilen zu verkopften Guardiola. «Er bekommt langsam den Ruf, bei seiner Champions-League-Strategie zu viel zu grübeln», schrieb die BBC über dessen seltsame Aufstellung ohne De Bruyne und Leroy Sane. Der «Telegraph» urteilte: «Es scheint, als suche Guardiola noch nach seiner Europa-Formel.» Und der «Guardian» sieht ein Muster darin, dass «eine seiner grössten Stärken, Spiele bis ins kleinste Detail vorzubereiten, sich zur Ursache für sein Scheitern verkehrt».

Beispiele dafür gibt es in Guardiolas ruhmreicher Trainerkarriere zuhauf. Etwa das Halbfinal-Rückspiel 2014 mit Bayern München gegen Real Madrid (0:4), das Hinspiel im Jahr darauf bei Barcelona (0:3) oder in der vergangenen Saison das Viertelfinale mit City gegen Jürgen Klopps Liverpool (0:3/1:2). Immer versuchte er das Besondere, wich von Bewährtem ab und wollte «zu schlau» sein, wie auch die Zeitung «Daily Mail» nach dem Duell mit Liverpool kritisierte.

Ziele, «die fast unerreichbar sind»

Und diesmal? «Ich stimme ihm nicht zu, absolut nicht», sagte Guardiola über Gündogan. Mit seiner Art habe City in den vergangenen 20 Monaten 180 Punkte in der Liga geholt und liege aktuell auf Kurs für fünf Titel, betonte er. Doch der aus Sicht der Klubbesitzer wichtigste, jener in der Champions League, blieb bisher ein Traum.

Guardiolas Anhänger halten der Kritik entgegen, diese speise sich aus dem typisch englischen «Anti-Intellektualismus» («Independent»), den schon Schriftsteller George Orwell festgestellt habe. De Bruyne gibt aber zu, dass der Lehrmeister seinen Schülern auch Ziele vorgebe, «die fast unerreichbar sind». Wenn das City-Spiel jedoch laufe, wie von Taktikfuchs Guardiola angedacht, «fühlt es sich wie das Nirwana an».

Doch diesen Zustand völliger Ruhe hat Guardiola in der Königsklasse lange nicht mehr erreicht. Sein letzter Titel liegt acht Jahre zurück, sein letzter Auswärtssieg in Viertel- oder Halbfinale ebenso lang. «Erfolg um des Erfolges willen bedeutet mir nichts», hat er mal gesagt – er will auf seine Art gewinnen. Auch jetzt gegen Tottenham.

«Ein, zwei Konter, und sie töten dich», sagt er über die Spurs, die wegen einer Knöchelverletzung auf WM-Torschützenkönig Harry Kane verzichten müssen. Klingt fast so, als wolle er sich wieder was Besonderes einfallen lassen.