Wie bitter ist das denn! Nach neun Siegen in Serie in dieser WM-Ausscheidung verliert die Schweiz im Lissabonner Hexenkessel da Luz vor über 50 000 Zuschauern gegen Portugal mit 0:2. Zu beschönigen gibt es nichts: Der Europameister war die bessere Mannschaft, verdiente sich den Sieg und als Gruppensieger die direkte WM-Qualifikation.

Die Schweizer dagegen müssen im November in den Playoffs um die WM-Teilnahme in Russland kämpfen. Der Gegner wird am kommenden Dienstag in Zürich zugelost und heisst entweder Irland, Nordirland, Griechenland oder Schweden. Allesamt sind sie Mannschaften, die von der Schweiz eliminiert werden können.

Die Schweiz verliert wieder einmal

Zu Ende ging in Lissabon eine Folge von 15 Partien ohne Niederlage, zuletzt gab es zehn Siegen hintereinander. Verloren hatten die Schweizer letztmals am 28. Mai im EM-Testspiel gegen Belgien. Und gerissen ist auch die fast unglaubliche Serie von 27 nicht verlorenen WM-Ausscheidungspartien seit dem 8. September 2008, dem 1:2 gegen Luxemburg.

Nach der Niederlage im WM-Achtelfinal gegen Argentinien in der Verlängerung und dem EM-Out gegen Polen im Penaltyschiessen hat diese Mannschaft, von vielen als die talentierteste aller Zeiten bezeichnet, zum dritten Mal ein Spiel mit einem Alles-oder-nichts-Charakter verloren. Das bedeutet nicht, dass man nun den Stab über ihr bricht. Aber schon, dass noch mehr Luft nach oben da ist, als erwartet. Wer es in einem entscheidenden Spiel nicht schafft, mehr als zwei Halbchancen zu kreieren, der ist noch nicht reif genug für ganz die grossen Ziele, wie eben die viel genannte Viertelfinalqualifikation an einem grossen Turnier.

Cristiano Ronaldo wenig zu sehen

Ein schwacher Trost dabei ist, dass sich die Schweizer taktisch klug auf Superstar Ronaldo eingestellt hatten und diesen nicht zur Entfaltung kommen liessen. Nur einmal, da stand es aber schon 2:0, stand CR7 allein vor dem Schweizer Goalie Sommer, verlor aber das direkte Duell und damit auch den Kampf mit Polens Robert Lewandowski (15:16) um den Torschützenkönig dieser WM-Qualifikation.

Nach dem mitreissenden Spiel beim 5:2-Sieg über Ungarn hatte Petkovic erwartungsgemäss wieder auf jene elf zurückgegriffen, die in dieser Kampagne zur Stammformation geworden war. Diese sah sich schon von der ersten Minute an einem starken Druck der Portugiesen ausgesetzt. Manchmal griffen diese gleich mit fünf Spielern an. Doch die Schweizer erweckten nicht den Eindruck, davon überrascht zu sein. Petkovic hatte sie auf dieses Szenario vorbereitet.

Portugal war bestrebt zu zeigen, wer Herr im Hause ist und André Silva übertrieb es mit einem brutalen Foul gegen Johan Djourou, ohne vom türkischen Schiedsrichter Cüneyt Çakır dafür belangt zu werden. Just in dem Moment, als man sich damit anzufreunden begann, ein «gutes» 0:0 in die Pause zu bringen, der Schock: Nach einer Hereingabe von Eliseu gingen João Mario, Goalie Yann Sommer und Djourou zum Ball, der schliesslich vom Bein des Schweizer Innenverteidigers ins Tor rollte. Eine Reaktion der Schweizer blieb aus, und als André Silva noch vor Ablauf einer Stunde zum 2:0 traf, war der Mist geführt.

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