Trikotgate
Puma startet Untersuchung wegen zerrissenen Trikots: «Dieses Problem ist noch nie aufgetreten»

Nati-Ausrüster Puma reagiert auf die zerrissenen Trikots der Schweizer Spieler im EM-Match gegen Frankreich. Der Konzern startet eine Untersuchung nach den Gründen. Gut möglich, dass der Hersteller gar nicht schuldig ist.

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EM-Spiel Schweiz – Frankreich: Die Schweizer Trikots reissen im Akkord. Im Bild Granit Xhaka.
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Auffällig oft reisst das Trikot bei der Nummer.
Die Schweizer Trikots reissen im Akkord

EM-Spiel Schweiz – Frankreich: Die Schweizer Trikots reissen im Akkord. Im Bild Granit Xhaka.

Keystone

Fussball gilt als die schönste Nebensache der Welt. Wenn bei dieser Nebensache eine Nebensache zur Hauptsache wird, dann wird es besonders unterhaltsam. Deshalb reden wir heute nur über die zerrissenen Trikots unserer Nati-Helden und nicht über ihre Leistung oder die Achtelfinalqualifikation.

Die grosse Frage bei den Fussballfans: Wie ist es möglich, dass in einem einzigen Match Mehmedi, Dzemaili, Embolo und Xhaka das Shirt reisst?

Sportartikelhersteller Puma wird am Montag überrannt mit Medienanfragen. Eine Puma-Sprecherin sagt gegenüber dem Schweizer Fernsehen: «Unsere Produktexperten untersuchen derzeit das Trikotmaterial. Sobald wir die Ursache wissen, werden wir darüber informieren.» Sie betonte ausserdem, dass in den 10 EM-Spielen der fünf von Puma ausgerüsteten Teams zuvor «dieses Problem» nicht aufgetreten sei.

Johannes Hackstette von der Kommunikationsabteilung in Deutschland, sagt gegenüber watson, dass die Firma noch am Montag weitere Informationen bekannt geben möchte. «Wir arbeiten mit Hochdruck an der Ursachen-Forschung.»

Nati nur mit Reissen zu bremsen

Marco von Ah, Leiter Kommunikation des Schweizerischen Fussballverbandes, meldet sich aus der Planungssitzung in Montpellier und sagt zu watson: «Das ist ein absoluter Einzelfall. Die anderen Puma-Trikots bei uns und anderen Teams hielten ja gut durch.»

Augenzwinkernd fügt er an: «Gestern waren wir offensichtlich nur mit Trikot-Reissen zu bremsen.» Er versichert, die Nati müsse keine Trikots nachbestellen. Übrigens nehmen die Teams normalerweise immer drei Dress-Sätze pro Spieler mit für einen Match.

Fehler beim Aufbügeln der Nummer?

Ralph Greile, Inhaber des «Fussball Corner Oechslin», hat weit über 100 Stück des aktuellen Trikots «Authentic» der Schweizer Nati verkauft. Bisher gab es noch keine einzige Reklamation.

Er hat die in der Türkei hergestellten Shirts heute noch einmal getestet: «Die sind sehr elastisch. Auch wenn ich stark daran reisse, da passiert nichts.»

Für ihn ist schwer verständlich, warum die Trikots plötzlich nicht mehr halten. Etwas vergleichbares habe er noch nie erlebt.

Greile hat eine Vermutung: «Ich kann mir vorstellen, dass beim Anbringen der Trikot-Nummern etwas geschehen ist; sie zu heiss aufgebügelt wurden, es eine chemische Reaktion gab.»

Unwahrscheinlich scheint diese These nicht. Die Trikots rissen tatsächlich auffällig oft bei den Nummern oder in der Nähe. Greile hat noch eine weitere Theorie, eine weniger ernste: «Vielleicht habe sie neue, rascher reissende Trikots eingesetzt, um schneller einen Penalty zu bekommen.»

Auch Andrea Hagmann, Lehrbeauftragt der Schweizerischen Textilfachschule, kann sich nicht erklären, wie so etwas passieren kann. Shirts aus Chemie-Fasern seien reissfest, ausserdem mache man für Fussball-Trikots stets Tests. Die von Puma eingesetzte ACTV-Technologie kennt sie. Sie denkt nicht, das die einen Zusammenhang damit hat: «Diese Technologie ist nicht neu und steckt mittlerweile in jedem Thermo-Shirt.» Die Technologie soll mit Mikro-Massagen auf der Haut für effektivere Energiezufuhr der Muskulatur sorgen.

Update folgt...

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