EM-Qualifiaktion

Shaqiris Betragen ist einfach ungenügend

Lustlos beim 1:0-Sieg gegen Estland: Für Xherdan Shaqiri ist es Zeit, sich zu hintersinnen.Freshfocus

Lustlos beim 1:0-Sieg gegen Estland: Für Xherdan Shaqiri ist es Zeit, sich zu hintersinnen.Freshfocus

Mit lustlosen, pomadigen Auftritten wie in Estland wird Xherdan Shaqiri fürs Nationalteam zum Problem. In Tallinn wurde er nach einer sehr schwachen Vorstellung zur Pause vom Feld genommen.

Wenn in der Schule die Zeugnisse verteilt werden, gibt es eine Sparte, die bei den Kindern nicht so sehr auf Interesse stösst: Fleiss und Betragen. Sie werden nebenbei zur Kenntnis genommen. Im Vordergrund stehen aber die Zahlen nebenan. Und abends zu Hause, wenn die Kinder ihre Zeugnisse zeigen, dann sind sie etwas verwirrt, wenn die Eltern sagen: «Weisst du, es ist nicht elementar, ob du in Mathematik eine 4,5 oder eine 4 erhältst – aber wenn dein Betragen ungenügend ist, klingeln die Alarmglocken.»

Womit wir beim Schweizer Nationalteam wären und seinem über weite Strecken lamentablen Auftritt in Estland. Es kann tatsächlich vorkommen, dass ein Grossteil eines Teams an einem Abend nicht die beste Leistung abliefert, zumal dann, wenn es sportlich um nichts mehr geht. «Menschlich», findet das Admir Mehmedi und hat recht damit.

Was aber Xherdan Shaqiri in den 45 Minuten vor seiner Auswechslung ablieferte, grenzte an Frechheit. Mit seiner Lustlosigkeit und seiner arroganten Art, mit gewissen Mitspielern umzugehen, diskreditiert er sich selbst – und wird zum Problem für die Mannschaft. Sogar einige Esten erkundigten sich hinterher nach Shaqiris Verhalten.

Gefordert: Captain und Trainer

Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat Shaqiris Auftritt zu denken gegeben. Er gab sich gar nicht erst die Mühe, seine Enttäuschung zu verbergen. Auf die Frage, ob eventuell auch muskuläre Probleme dafür verantwortlich seien, sagte Petkovic am Tag danach dezidiert:«Nein. Er wird am Wochenende spielen.» Und nach einer kleinen Kunstpause fügte er an: «Falls denn der Trainer von Stoke City zur Erkenntnis gelangt, er tue genug dafür.»

Solche Episoden wie in Tallinn bergen die Gefahr, tiefe Gräben in ein Team zu reissen. Zumal sich die Stimmen im Schweizer Nationalteam mehren, die das Gebaren von Shaqiri nicht mehr länger dulden mögen. Gefordert ist einerseits Petkovic, der Shaqiri ziemlich rasch ziemlich deutlich sagen sollte, dass er eine solche Einstellung nicht weiter akzeptiert.

Wahrscheinlich wäre sogar ein Denkzettel in Form einer Auswechslung nach 20 Minuten kombiniert mit öffentlicher Massregelung angebracht gewesen. Andererseits ist es auch die Aufgabe des Captains, die Strömungen im Team zu spüren. Und Shaqiri auf seine Verfehlungen aufmerksam zu machen.

Doch es ist fraglich, ob Inler das tut. Und genauso fraglich ist es, ob sich Shaqiri überhaupt von irgendjemandem etwas sagen lässt in diesem Schweizer Nationalteam. Seine Körpersprache drückt eher aus: «Ich verdiene in der Premier League acht Millionen im Jahr – was wollt ihr mir schon erzählen?» Am ehesten könnten ihn Valon Behrami und Stephan Lichtsteiner zur Räson bringen. Es ist wohl kein Zufall, dass genau die zwei Wortführer des Teams in Tallinn gefehlt haben.

Zwischen Scheitern und Medientrubel

Shaqiri ist auf einen ziemlich gefährlichen Weg eingebogen. Kritischen Fragen begegnet er mit Unverständnis, natürlich auch, wenn sie sich um seine Karriereplanung drehen, die ihn nach dem Scheitern bei Bayern München und Inter Mailand in die Niederungen der Premier League zu Stoke City gebracht hat.

Gleichzeitig sieht er sich immer und überall mit Rummel um seine Person konfrontiert. Hier ein Selfie, da eine Unterschrift. Zudem schützt ihn der Boulevard über Gebühr – vielleicht, um zu gewährleisten, dass Shaqiri auch künftig an Aktionen teilnimmt wie kürzlich, als er sich für Ringier als alten Mann verkleidete, um Kinder im Training zu überraschen.

Das 49. Länderspiel von Shaqiri war der bisherige Tiefpunkt. Aber natürlich bleibt bis zur EM genügend Zeit zur Korrektur. Denn Fakt ist eben auch, dass Shaqiri in dieser EM-Qualifikation mit neun Skorerpunkten mit Abstand am meisten Zählbares realisierte. Aber er muss seinen Blick im Zeugnis dringend auf die weichen Faktoren wie Fleiss und Betragen richten.

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