Super League
St. Gallen sieht sich nach dem 0:0 im Vorteil: Ist der FCB gar nicht so gut, wie er meint?

Nach dem Schock wegen der Nacken-Verletzung von Raoul Petretta spielen der FC Basel und der FC St. Gallen weiter. Die Partie endet 0:0, obwohl das hochklassige Spiel eigentlich Tore verdient hätte. Nach dem Spiel gehen die Meinungen auseinander, wer den Sieg mehr verdient hätte.

Jakob Weber
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Fabian Frei zielt einen Freistoss aufs Tor.
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Mit vereinten Kräften klären die Basler.
Yannick Marchand liegt auf dem Boden.
Das Spiel zwischen St. Gallen und Basel ist umkämpft.
Heinz Lindner hält den Punkt fest.
Jasper van der Werff setzt seinen Körper ein.
Ricky van Wolfswinkel verpasst die Führung.
Raoul Petretta verletzt sich in der ersten Halbzeit.
Van Wolfswinkel scheitert auch per Volley.
Die Luftduelle sind intensiv.
Arthur Cabral nervt sich nach einer Chance.
Pajtim Kasami kann dem Spiel nicht den Stempel aufrücken.
Timm Klose zeigt sein Zweikampfverhalten.
Edon Zhegrova dribbelt am Gegenspieler vorbei.

Fabian Frei zielt einen Freistoss aufs Tor.

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Es läuft die 37. Minute, als sich Raoul Petretta nach einem eigentlich harmlosen, unbedrängten Kopfball an den Hals greift. Weil der Angriff der St. Galler läuft, bleibt er zunächst stehen. Doch dann geht es nicht mehr. Petretta sinkt zu Boden und schon bald ist der Linksverteidiger von einer Traube aus Mitspielern und Samaritern umringt. Zehn Minuten dauert die Behandlung auf dem Platz, ehe der offenbar am Nacken verletzte Petretta auf einer Bahre mit Halskrause abtransportiert wird. Petretta ist jederzeit ansprechbar, doch er kann seinen Kopf nicht mehr bewegen und wird direkt in den Notfall des Unispitals Basel gebracht. Erst am Sonntagabend kommt eine leichte Entwarnung. Petretta habe eine Erschütterung des oberen Rückenmarks erlitten, das sei vergleichbar mit einer Hirnerschütterung, teilt der FCB mit.

Das Verfolgerduell zwischen den punktgleichen FCB und FCSG wird nach diesem Schock wieder angepfiffen. Die Spieler müssen funktionieren und sie funktionieren überraschend auch. Das Spiel war vor dem Unterbruch schon hochklassig und es bleibt es auch anschliessend. Ein Blick auf die Statistik bestätigt das: 11 gute Torchancen, 14 Paraden der beiden starken Torhüter, viele bissige Zweikämpfe, von denen St. Gallen allerdings 57 Prozent gewinnt.

Linder hält zum dritten Mal die Null

Einer, der sich mit acht Paraden wieder in den Fokus gehext hat, ist FCB-Goalie Heinz Lindner. Die St. Galler Abschlüsse sind zwar keine hundertprozentigen Chancen. Dennoch sichern Lindners Interventionen den Punkt, weil der FCB erst zum dritten Mal in dieser Saison ohne Gegentor bleibt. Der Österreicher bedient sich anschliessend im Floskelregal. Erst sagt er: «Ich bin froh, dass ich der Mannschaft helfen konnte.» Dann sagt er: «Wenn man das Spiel nicht gewinnen kann, sollte man es auf gar keinen Fall verlieren.»

Anders als noch vor drei Wochen in Lugano ist das dem FCB diesmal gelungen. Bei FCB-Trainer Ciriaco Sforza führt das zum fast schon gewohnt positiven Feedback. Er sagt: «Heute haben beide Teams sehr guten Fussball gespielt. Das Spiel hätte auch 3:3 ausgehen können. Wir waren mutig und aggressiv, aber wir haben leider die Chancen nicht gemacht.» Tatsächlich hat der FCB die etwas zwingenderen Torgelegenheiten. Doch weil Pajtim Kasami freistehen vergibt und Jasper van der Werff kurz vor Schluss nur an den Pfosten köpft, steht auch bei Rotblau die Null.

Doch Ciriaco Sforza sieht sein Team auch nach dem zweiten nicht gewonnen Spiel in dieser Woche «auf dem richtigen Weg». Auch Timm Klose pflichtet ihm bei: «Das war ein Schritt in die richtige Richtung.» Zumindest auf die persönliche Leistung des Innenverteidigers trifft das zu. Klose ist nach seinem Lapsus gegen YB am Samstagabend der zweikampfstärkste Basler.

Die Analyse der St. Galler lässt aber darauf schliessen, dass die Ostschweizer dem FC Basel zumindest spielerisch den Rang abgelaufen haben und sich deshalb – auch wegen dem einen Spiel weniger – erster YB-Verfolger nennen dürfen. So sagt beispielsweise Lukas Görtler: «Wir hatten mehr Spielkontrolle und waren besser in den Zweikämpfen. Es ist ein gutes Zeichen, wenn man in Basel 0:0 spielt und unzufrieden ist.» Sein Trainer Peter Zeidler setzt in den Emotionen direkt nach dem Spiel noch einen drauf. Er sagt: «Wir waren phasenweise sehr gut und haben Basel dominiert.» Auf das kommende Spiel gegen YB angesprochen sagt Zeidler dann etwas, was jeden FCB-Fan in der Seele schmerzt, was aber im Dezember 2020 auch einfach Fakt ist: «Da wartet ein besserer Gegner auf uns.»

Es droht der schlechteste Saisonstart in der Super League

Für den FCB geht es zum Abschluss nach Luzern. Die Innerschweizer sind ebenfalls ganz gut in Form. Für die Gemütslage rund ums Joggeli wäre ein Sieg im letzten Spiel dieses denkwürdigen Jahres 2020 aber ungemein wichtig. Denn ansonsten wäre der schlechteste Saisonstart seit der Einführung der Super League 2003 Realität.

Das Telegramm:

Basel - St. Gallen 0:0 (0:0)


St. Jakob-Park. – SR: San.

Basel: Lindner; Widmer, Cömert (46. van der Werff), Klose, Petretta (45. Padula); Frei, Zuffi (46. Marchand); Zhegrova, Kasami, van Wolfswinkel (78. Pululu); Cabral.

St. Gallen: Zigi; Kräuchi, Letard, Fazliji, Muheim; Quintilla; Görtler, Traoré (76. Staubli); Stillhart; Babic (69. Duah), Guillemenot (69. Youan).

Bemerkungen: Basel ohne Stocker, Xhaka, Jorge und Dimitriou (alle verletzt). Petretta verletzt ausgeschieden. St. Gallen ohne Abaz, Fabiano, Gonzalez, Lüchinger (alle verletzt), Stergiou (Quarantäne) und Ruiz (Vorsichtsmassnahme wegen Coronavirus-Verdachts). 92. Kopfball von van der Werff an den Aussenpfosten. – Verwarnungen: 36. Babic (Foul), 60. Marchand (Foul).

Die Noten:

Heinz Lindner: Note 6,0 Strahlt Ruhe aus und was auf sein Tor kommt, pariert er. Und das war nicht wenig. Insgesamt neun Mal muss er eingreifen und am Ende ist es seine dritte Partie ohne ein Gegentor.
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Eray Cömert: Note 4,5 Wird in der Halbzeit angeschlagen ausgewechselt. Bis dahin ist es eine seine besseren Vorstellungen. Blockt zwei grosse Chancen und verhindert auch mit einem gewonnen Zweikampf als letzter Mann einen St. Galler Konter.
Timm Klose: Note 5,5 Macht sein bestes Spiel für den FCB. Ob in der Luft oder am Boden, Klose holt sich fast jeden Ball. Nur bei seinen Eröffnungsbällen gibts noch Luft nach oben.
Silvan Widmer: Note 4,5 Zeigt sich heute nicht ganz sattelfest bei seinen Zweikämpfen, mach aber keine grossen Fehler. Wenn er sich ins Offensivspiel einschaltet, wird es oft gefährlich. Doch immer ist ein Bein dazwischen.
Raoul Petretta: Note 4 Sorgt für einen Schockmoment. Wird wegen einer Nackenverletzung fast zehn Minuten auf dem Platz behandelt und muss dann runter. Spielte bis dahin defensiv solide, lediglich seine langen Bälle nach vorne fanden nicht ihre Abnehmer. Doch das ist Nebensache. Wir wünschen gute Besserung.
Luca Zuffi: Note 3,5 Er muss in der Halbzeitpause in der Kabine bleiben. Zeigt sich bis dahin unauffällig. Einmal rettet er im Sechzehner gegen Traore.
Pajtim Kasami: Note 3,5 Nicht so gut, wie zuletzt. Pomadig im Rückwärtsgang und ineffektiv in der Offensive. Schafft es gerade so, die Hälfte seiner Pässe anzubringen.
Fabian Frei: Note 4 Auffällig sind seine oft guten Diagonalbälle. Hat in der zweiten Halbzeit auch noch eine gute Chance, die er über das Tor jagt. In der Defensivarbeit aber nicht immer mit der letzten Konsequenz. St. Gallen gehört das Zentrum.
Edon Zhegrova: Note 4,5 Ist engagiert, läuft viel und viele gefährliche Angriffe gehen über ihn. Er verliert zwar wieder viele seiner Dribblings, setzt aber immer nach und holt sich einige Male den Ball auch wieder zurück.
Ricky van Wolfswinkel: Note 3,5 Agiert teilweise sehr defensiv und gewinnt ein paar Zweikämpfe. Als Stürmer fallen aber vor allem die vergebenen Chancen auf. Eine davon war sogar hundertprozentig.
Arthur Cabral: Note 3 Im ersten Durchgang sucht er vor allem das Gespräch mit Schiedsrichter San, statt das Tor. Vergibt im weiteren Verlauf zwei gute Chancen.
Andrea Padula: Note 4 Ersetzt in der langen Nachspielzeit der ersten Halbzeit den verletzten Petretta. Gewinnt seine Zweikämpfe und schaltet sich hin und wieder ins Offensivspiel ein und holt einmal einen guten Freistoss raus.
Jasper van der Werff: Note 4,5 Kommt in der Pause für Cömert. Löst die defensiven Aufgaben ordentlich und macht auch im Spielaufbau viel richtig, davon zeugt seine Passquote von 93 Prozent.
Yannick Marchand: Note 4 Kommt auch in der Halbzeit und ersetzt Luca Zuffi. Im Spiel nach vorne solide, aber mit Luft nach oben. Vor allem gegen den Ball hapert es aber. Er kann heute kaum einen Zweikampf für sich entscheiden.
Afimico Pululu: keine Note Kommt in der 78. Minute für van Wolfswinkel. Für eine Note ist die Einsatzdauer zu kurz.

Heinz Lindner: Note 6,0 Strahlt Ruhe aus und was auf sein Tor kommt, pariert er. Und das war nicht wenig. Insgesamt neun Mal muss er eingreifen und am Ende ist es seine dritte Partie ohne ein Gegentor.

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