England
Stoke City bietet Inter 17 Millionen Euro für Shaqiri

Xherdan Shaqiri war einst das grösste Schweizer Fussball-Talent. Jetzt zeigt sein Weg kontinuierlich abwärts. Muss er von Inter Mailand zu Stoke City wechseln?

Etienne Wuillemin
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Bei Stoke ein ernsthaftes Thema: Xherdan Shaqiri

Bei Stoke ein ernsthaftes Thema: Xherdan Shaqiri

KEYSTONE/AP ANSA/MATTEO BAZZI

Vielleicht ist es nur ein Gerücht. Eines von so vielen in Italien, wo alles ein bisschen hektischer und aufregender wird, sobald es den «Calcio» betrifft. Das Gerücht lautet: Inter Mailand hat sich mit Stoke City, einem Mittelfeld-Klub aus der Premier League, auf einen Transfer von Xherdan Shaqiri geeinigt. Shaqiri soll für etwa 17 Millionen Euro nach England wechseln.

Es ist verständlich, dass Shaqiri nicht eben begeistert ist von der Aussicht, seine Karriere bei Stoke City weiterführen zu müssen. Innert eines halben Jahres von den glanzvollen Bayern mit den vielen garantierten Titeln über Inter Mailand, das derzeit zwar selten glänzt, aber immerhin noch einen klangvollen Namen besitzt, zu Stoke City – einer grauen Maus der Premier League (letzte Saison: Neunter). Dieser Wechsel wäre ein alarmierender Abstieg. Shaqiri selbst hat offenbar keine Kenntnis von den Plänen seines Mailänder Vereins. Er weilt noch immer in Basel. Am Nachmittag veröffentlichte er via Social Media ein Bild aus dem Fitnesscenter.

Shaqiri befindet sich in einer Sackgasse

Es sind gerade wieder einmal besonders schwierige Tage für Shaqiri. Noch zu Wochenbeginn sorgte der 23-Jährige für Schlagzeilen, weil er im Kosovo mit einem radikalen Imam für ein Foto posierte. Worauf sich Shaqiri zu einer Stellungnahme gezwungen sah: «Er hat sich verhalten wie ein normaler Fan. Ich kann nicht jeden Menschen, der ein Foto mit mir will, vorher überprüfen. Klar ist: Alles Radikale liegt uns Shaqiris fern. Und ich verurteile es, wenn Leute meine Popularität ungefragt für ihre Anliegen nutzen wollen.»

So weit die jüngsten Fakten. Zurück zum Fussball. Wie auch immer die Transfer-Saga ausgeht, eines steht jetzt schon fest: Xherdan Shaqiri befindet sich in einer Sackgasse. Drei Jahre sind mittlerweile vergangen, seit er vom FC Basel zu Bayern München wechselte. Der Start glückte einigermassen, die Meinungen war schnell gemacht: Shaqiri habe das Potenzial, die Flügel Robben und Ribéry einst zu beerben. Doch die Einsätze nahmen nie zu. Im Gegenteil. Auch der Trainerwechsel von Jupp Heynckes zu Pep Guardiola hat Shaqiri nicht zum Vorteil gereicht.

Shaqiri konnte bei Inter nie überzeugen

Im letzten Winter lockte Inter Mailand. Die Begeisterung der Tifosi – mehr als 2000 jubelten ihm bei der Ankunft am Flughafen zu – wich schnell einer gewissen Enttäuschung. Denn Shaqiri wurde auch in Mailand den Erwartungen kaum gerecht. Den Fragen nach dem Karriereknick wich er je länger, desto lustloser aus.

Einmal, kurz vor dem Auftritt der Schweizer Nationalmannschaft in Litauen, sagte Shaqiri: «Ich möchte gerne wissen, warum ich im Schweizer Dress so anders spiele als bei Inter. Aber ich weiss es noch nicht.» Das Indiz ist klar: Shaqiri ist dann am wirkungsvollsten, wenn er das Vertrauen des Trainers geniesst. Wenn das Spiel seiner Mannschaft auf ihn zugeschnitten ist.

Bei Inter Mailand scheint das kaum der Fall. Auch künftig nicht. Auch nach den jüngsten Zuzügen von Miranda (Atlético), Montoya (Barcelona) und Kondogbia (Monaco) ist Inters Kauflust nicht getilgt. Im Gespräch sind Ex-FCB-Star Salah (Fiorentina) und Jovetic (Manchester City). Das ist kein Vertrauensbeweis für Shaqiri. Zudem muss Inter wegen des Financial Fairplays auch Spieler verkaufen.

Wie weiter? Zwar schätzt ihn Inter-Trainer Roberto Mancini weiterhin. Aber weiterspielen bei einem Verein, der einen eigentlich loswerden will? Keine schöne Perspektive. Und deshalb käme ein Transfer von Shaqiri nicht überraschend.

Wohin auch immer es Shaqiri zieht, oder ob er trotzdem bleibt. Die Zeit ist gekommen, um zu beweisen, dass er mehr ist als nur ein hochgejubeltes Talent, das seine Karriere Schritt für Schritt falsch plant..