WM14
Von grottenschlecht bis stark: Die Noten der Schweizer Natispieler

Die Schweiz kommt im WM-Auftakt mit einem blauen Auge davon und bezwingt Ecuador nach einem 0:1-Rückstand dank eines Last-Minute-Treffers von Haris Seferovic 2:1. Das sind die Noten der Schweizer Spieler.

Etienne Wuillemin
Drucken
Diego Benaglio, Note 4,5
14 Bilder
Stephan Lichtsteiner, Note 3
Johan Djourou, Note 4,5
Steve von Bergen, Note 4,5
Die Schweizer Nati-Noten nach dem Spiel gegen Ecuador
Xherdan Shaqiri, Note 2
Valon Behrami, Note 3,5
Gökhan Inler, Note 3
Valentin Stocker, Note 2,5
Granit Xhaka, Note 3
Josip Drmic, Note 3
Admir Mehmedi, Note 5
Haris Seferovic, Note 5,5
Die Startformation der Schweizer Nati vor dem Spiel gegen Ecuador

Diego Benaglio, Note 4,5

Keystone

Diego Benaglio, Note: 4,5
Natürlich ist die Feststellung etwas unfair, aber die Wahrheit ist es trotzdem: Hat im Spiel gegen Ecuador so viele Tore kassiert wie die Schweiz an den vergangenen beiden Weltmeisterschaften zusammen - eines. Musste in der ersten Halbzeit nie ein-, aber einmal hinter sich greifen. In der zweiten Halbzeit waren seine Fähigkeiten dann gefragt. Monteros Schuss wehrte er stark mit den Füssen ab. Der Ausflug und Beinahe-Zusammenstoss mit Djourou war dann eher unnötig – und weckte unschöne Erinnerungen an das Spiel gegen Chile 2010. Wie er dann allerdings Arruyos von Xhaka abgelenkten Freistoss entschärfte, war stark. Wir haben nie daran gezweifelt, trotzdem ist die Feststellung beruhigend: Die Schweiz kann sich auf Benaglio verlassen.

Stephan Lichtsteiner, Note: 3
Sein Auftritt lässt einem rätselnd zurück. War das wirklich Stephan Lichtsteiner? Jener Lichtsteiner, der bei Juventus drei Mal in Serie Meister wurde? Der Mal für Mal überragend spielt? Der die Defensive beherrscht und die Offensive befeuert? Nein, das war er nicht. Und wenn es eine positive Erkenntnis gibt, dann jene, dass die Schweiz Lichtsteiners schlechteste Leistung des Turniers mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon gesehen hat. Eine gelbe Karte hat er zwar nicht erhalten – aber die ständige Reklamiererei raubt ihm selbst am meisten Energie. Dann sind dumme Fouls wie jenes gegen Montero vor dem 0:1 die unvermeidbare Folge, weil die Konzentration auf das Wesentliche verloren geht. Die Missverständnisse mit Shaqiri beim Eckball und Behrami mitten auf dem Platz sind beste Beispiele dafür.

Johan Djourou, Note: 4,5
Nach 12 Sekunden eine erste Intervention per Kopf. Schöpfte daraus einiges Selbstvertrauen. Und lieferte einen guten Match ab. Besser jedenfalls, als es die meisten von ihm erwarteten. Natürlich, die Fehlpässe konnte er gegen Ecuador nicht ganz abstellen. Und nach dem obligaten Stellungsfehler (gegen Enner Valencia) darf er sich glücklich schätzen über die dunkel-gelbe Karte. Auf den ersten Blick sieht Djourou beim 0:1 schlecht aus. Aber: Djourou muss sich in dieser Szene gegen zwei Stürmer wehren. Torschütze Valencia läuft aus der Zone von Behrami und Inler raus – und diese lassen ihn gewähren. In der ersten Halbzeit rettet er mehrfach nach schnellen Kontern. Über 90 Minuten gesehen ein starker Zweikämpfer mit guten Tacklings obendrein.

Steve von Bergen, Note: 4,5
Leute, die fast jedes Spiel von Steve von Bergen sehen, sagen: Mit ihm kannst du wahrscheinlich keinen WM-Viertelfinal gewinnen. Aber mit ihm kannst du auch fast nicht vorzeitig ausscheiden – vor allem in so einer (leichten) Gruppe. Das ist ziemlich treffend. Von Bergen spielt unauffällig. Er ist weniger am Spielaufbau beteiligt als sein Partner, das ist ebenfalls nicht neu. Aber wenn es darum geht, mit einem Sprint einen Eckball zu verhindern, oder ein Missverständnis zwischen Benaglio und Djourou auszubaden, dann ist er präsent.

Ricardo Rodriguez, Note: 5,5
Der Held des Spiels. Bei beiden Toren mit der direkten Vorlage. Die linke Abwehrseite immer im Griff. Und trotzdem genug Luft, um immer wieder nach vorne zu drängen. Gut, Antonio Valencia ist wie so häufig nicht mit unbändiger Lust auf Defensiv-Arbeit aufgefallen, aber das muss Rodriguez nicht stören. Gerade wenn wir seine Leistung mit jener von Lichtsteiner vergleichen, ist das ziemlich erstaunlich. Seinen zweiten Assist hätte er eigentlich schon beim nicht gegebenen Tor von Drmic verdient. Dass er ihn in der Nachspielzeit doch noch nachholen konnte, ist umso süsser. Rodriguez spricht nicht nur von Selbstvertrauen, er strahlt es auch aus. Wer weiss, vielleicht wird er bei Manchester United ja bald einmal Teamkollege von Valencia. Macht er so weiter, wird er jedenfalls nicht mehr lange in Wolfsburg spielen.

Schweiz-Ecuador: Die Bilder zum Spiel
41 Bilder
Haris Seferovic trifft zum 2:1-Siegtreffer in der allerletzten Sekunde
Haris Seferovic trifft in der allerletzten Sekunde zum 2:1-Siegtreffer der Schweiz!
Die Schweizer jubeln nach dem Schlusspfiff
Die Schweizer bedanken sich bei den Fans für die Unterstützung
Die Ecuadorianer schleichen nach dem Schlusspfiff enttäuscht vom Platz
Die Ecuador-Fans am Boden zerstört
Kopfball, Tor! Admir Mehmedis 1:1-Ausgleichstreffer
Einwechselspieler Admir Mehmedi trifft zum 1:1-Ausgleich
Djourou sieht nur Geld nach einer Notbremse
Djourou kämpft und zeichnet sich als defensiv besten Verteidiger der Schweiz aus
Der Kopfball von Enner Valencia, der zur 1:0-Führung der Südamerikaner führt Kein Schweizer steht bei dem Ecuadorianer
Torhüter Diego Benaglio ist machtlos
Ecuador jubelt
Der Torschütze Enner Valencia
Johan Djourou ist einen Schritt zu spät
Valon Behrami im Zweikampf mit dem späteren Torschützen Enner Valencia
Gökhan Inler im Zweikampf mit Jefferson Montero
Behrami im Zweikampf mit Felipe Caicedo
Shaqiri im Einsatz
Das Schweizer Team gegen Ecuador
Die Teams stehen bereit
Hopp Schwiiz! Die ersten Fans sind da
Schweizer Fans stimmen schon vor dem Stadion an - grossartige Stimmung!
Auf dem Weg ins Stadion am Sonntagmorgen in Brasilia
Das Stadion, in dem die Schweiz gegen Ecuador spielt
Das Abschlusstraining der Schweizer Nati im Stadion von Brasilia
Das Stadion in Brasilia aus der Vogelperspektive
Die Schweizer Nati im Lauftraining - Jetzt gilts ernst!

Schweiz-Ecuador: Die Bilder zum Spiel

Keystone

Schweiz-Ecuador: Die Bilder zum Spiel

Xherdan Shaqiri, Note: 2
Vielleicht ist es ja ein gar nicht so ernst gemeinter Scherz der Fifa. Oder einfach eine kleine Verwechslung wie bei der Medienkonferenz als Shaqiri mit „Valon" angesprochen wird. Nach unseren Informationen ist es aber Tatsache: Shaqiri wurde offiziell als Spieler der Partie ausgezeichnet. Das ist ziemlich schmeichelhaft für eine ziemlich bescheidene Leistung. Ob in der ersten Hälfte auf dem rechten Flügel oder in der zweiten Hälfte in der Mitte, Shaqiri verrät zu keinem Zeitpunkt, dass er ein Spieler des FC Bayern München ist. Zu viele Ballverluste. Miserable Eckbälle und Freistösse. Seine ständigen Zurechtweisungen an die Mitspieler sind so nervig wie überflüssig. Wer schlecht spielt und dann wenigstens ein Tor schiesst, darf dies als Markenzeichen eines „grossen" Spielers für sich reklamieren. Shaqiri ist noch weit davon entfernt. Es ist höchste Zeit, dass er dies realisiert und wieder zum unberechenbaren, wirbligen, mannschaftsdienlichen Spieler wird.

Valon Behrami, Note: 3,5
Die Erinnerung ist ein Bild für die Ewigkeit. Ok, nicht ganz. Aber für die WM. Mindestens. Behrami sieht, wie Shaqiri den Ball verliert in der 93. Minute. Jetzt rennt er. Und rennt. Und rennt. Schnell wie nie in diesem Spiel. Entschlossen wie nie. Und dann setzt er an zum Tackling. Perfekt in höchster Not. Er hat den Ball. Er sieht die Lücke. Und rennt. Und rennt. Und wird gestoppt von einem fiesen Foul. Er lässt sich nicht stoppen. Spielt den Ball weiter. Sieht, wie Seferovic vors Tor schleicht, das 2:1 erzielt. Behrami hat die Hölle abgewendet und den Himmel ermöglicht. Das tut ihm gut. Denn zuvor ist er nicht der wahre Behrami. Er spielt viele Fehlpässe. Er ist behäbig. Irgendwie als wäre er noch im Testspiel-gegen-Jamaika-Modus. Note 3 von 10 wollte ihm der Journalist der französischen „Equipe" geben. Am Schluss wird es eine 5 – immerhin.

Gökhan Inler, Note: 3
Zu Beginn des Spiels wirkte er am wenigsten nervös. Zumindest im Mittelfeld. Steht am Ursprung von Drmics Halbchance. Kommt dem Tor selbst mit seinem guten Schuss ziemlich nahe. Nach der Pause aber mit jeder Minute schwächer. Erst werden die Pässe immer ungenauer. Dann verhindert er mit missglückten Ballannahmen mehrere vielversprechende Konter. Gerade, was die Kreativität betrifft, hat der Captain enormes Steigerungspotenzial. Muss und wird sich steigern.

Valentin Stocker, Note: 2,5
Beim FC Basel ist er ein Phänomen. Er macht aus keiner Chance mindestens ein Tor. Er ist dann am besten, wenn es wirklich zählt. Die Endphase der Meisterschaft war das beste Beispiel dafür. Im Nationalteam ist vieles anders. Weniger zielstrebig. Weniger zwingend. Weniger gefährlich in der Summe. Ist es, weil die Verantwortung nicht primär auf seinen Schultern liegt? Stocker ist einer, der den Druck braucht, Entscheidendes zu liefern. Sonst taucht er unter. Gestern waren wieder solche 45 Minuten. Ein Lob über den Verteidiger und ein Kopfball nach einem Corner sind zu wenig für seine Fähigkeiten. Sein Platz ist in höchster Gefahr. Zumal Konkurrent Mehmedi einen tollen Auftritt nach dem anderen zeigt.

Granit Xhaka, Note: 3
Von einem Spielmacher darf man erwarten, dass er die Flügel oder den Stürmer in Szene setzt. Das gelingt ihm zu wenig. Seine Aktionen sind selten gegen vorne gerichtet. Erhält er den Ball, spielt er ihn häufig wieder zurück. In der zweiten Halbzeit spielt er am rechten Flügel. Das ist noch weniger seine Position als jene hinter der Spitze. Die Massnahme soll auch dazu führen, die schwache rechte Seite zu stärken. Das gelingt nur halbwegs. Eines muss man Xhaka aber lassen. Er gewinnt viele Kopfballduelle nach langen Bällen auf ihn.

Josip Drmic, Note: 3
Es gibt angenehmere Aufgaben für einen Stürmer als gegen dieses defensive Ecuador. Er steht völlig isoliert in der massierten Abwehr. Einmal entwischt er kurz, traut sich aber nicht, mit dem schwächeren linken Fuss zu schiessen. Seine Stärken sind andere, als mit dem Rücken zum Tor die Bälle abzudecken und sich in Position zu bringen. In einem Spiel wie diesem wäre Drmic auf der Seite viel besser aufgehoben. Weil er dort mit seinen Tempodribblings mehr bewirken kann – und vor allem mehr Bälle erhält. Kommt dann kurz vor seiner Auswechslung doch noch zu einer Torszene, trifft prompt, aber der Schiedsrichter-Assistent entscheidet fälschlicherweise auf Abseits.

Admir Mehmedi, Note: 5
In der 46. Minute für Stocker eingewechselt. Einen besseren WM-Einstand kann sich niemand erträumen. 128 Sekunden auf dem Feld trifft er bereits zum Ausgleich. Nach Rodriguez‘ Ecke köpft er herrlich zum 1:1. Diese Szene leitet die beste Schweizer Phase ein. Immer wieder mit einem Mehmedi, der antreibt und Tempo ins sonst häufig zu träge Schweizer Spiel bringt. Er darf sich leise Hoffnungen machen auf einen Platz in der Startelf gegen die Franzosen.

Haris Seferovic, Note: 5,5
In der 75. Minute für Drmic eingewechselt. In der 93. Minute mit dem entscheidenden Tor. Das kennen wir bereits aus der WM-Qualifikation. Schweiz gegen Zypern, 74. Minute, Seferovic für Drmic, 1:0 in der 93. Minute. Nun ist er wieder der Mann, der die Fussball-Schweiz befreit. Das tut ihm nach schwierigen Monaten in San Sebastian bestimmt gut. Und vor allem zeigte der Treffer, welche Klasse-Stürmer er ist. In vollem Lauf den Ball so präzis im Netz zu versenken, das ist stark. Er kann der Schweiz an der WM noch viel Freude bereiten.

Aktuelle Nachrichten