Grasshoppers
Was GC mit Peter Pan und Nimmerland zu tun hat

Mit dem erst 28-jährigen Geschäftsführer und sportlichen Leiter Manuel Huber sind die Grasshoppers auf der Überholspur. Tabellenplatz zwei und spektakuläre Spiele sprechen eine deutliche Sprache.

François Schmid-Bechtel
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GC-Geschäftsführer Manuel Huber hat selbst in den Ferien stundenlange Transferverhandlungen getätigt

GC-Geschäftsführer Manuel Huber hat selbst in den Ferien stundenlange Transferverhandlungen getätigt

Sandra Ardizzone

Als Stefan Anliker vor zwei Jahren GC-Präsident wurde, sagte er im Interview: «Ich sehe mich als Primus inter Pares, der sich nicht gross ins Tagesgeschäft einmischt.» Ich dachte: Rede ich mit Peter Pan, der auf Nimmerland lebt und denkt, man müsse nur an etwas glauben, damit es passiert? Denn glaubt Anliker tatsächlich, dass er aus seinem Architekturbüro in Langenthal die Machtspiele und Intrigen bei GC kontrollieren kann, fliegt ihm der Klub um die Ohren.

Anliker ist tatsächlich einiges um die Ohren geflogen. Die Posse um den Captain Vebo Salatic. Der Fehlgriff mit Sportchef Axel Thoma. Die solventen Kollegen aus dem Verwaltungsrat wie Heinz Spross und Reinhard Fromm, die sich abgewendet haben. Und einige Downers, die nicht mehr als Kesselflicker funktionieren wollten.

Trotzdem ist GC heute so stabil wie seit einer gefühlten Ewigkeit nicht mehr. Sportlich drückt sich das mit Rang 2 aus. Wirtschaftlich mit einer Null in der Bilanz.

Manuel Huber: Von der Bürohilfe zum Taktgeber

Natürlich ist das alles nur eine Momentaufnahme. Aus GC-Sicht für einmal eine mit Glitzer und Glamour. Was mit einem Namen verbunden ist: Manuel Huber, 28, früher Torhütertalent und Bürohilfe bei GC, heute der starke Mann mit den Händen an den Schalthebeln der Macht.
Huber ist intelligent, smart, lernwillig. Und: Als der liebe Gott Ehrgeiz und Arbeitsmoral verteilt hat, muss Huber mit vier Armen zugegriffen haben. Als es für Huber darum ging, sich in der GC-Administration für höhere Aufgaben zu empfehlen, arbeitete er zwei Jahre lang durch. Irgendwann war er komplett erschöpft, fand sein Auto in Zürich nicht mehr und wurde vom Arzt für einen Monat krankgeschrieben. Danach? Wieder Vollgas. Für GC. Als «hilfsbereiter Dienstleister», wie er sich bezeichnet.

«Unterschätzt mir den Huber nicht», sagte Anliker letzten Mai, als aus dem Geschäftsführer Huber auch der sportliche Leiter Huber wurde. Rund 100 Tage später unterschätzt den Huber keiner mehr. GC hat in der 7. Runde den Titelkandidaten YB bezwungen, sich längst auf Rang 2 festgesetzt. Und das mit atemberaubendem Offensivfussball (24 Tore nach 7 Spieltagen).

Hubers Arbeit als Vorbild

Huber hat gleich in seiner ersten Transferphase ein Meisterstück abgeliefert. Viel Zeit hatte er nicht, das Team zusammenzustellen. Doch was er machte, müsste als Vorbild für alle mittelständischen Klubs der Super League dienen. Dabei schlägt Huber den Weg des Anti-Sozialisten ein. Er investiert die begrenzten Mittel nicht in Quantität, sondern in Qualität. Mit dem Ergebnis, dass das Kader kleiner ist und die Lohnunterschiede grösser sind als bei der Konkurrenz. Doch die wenigen Grossverdiener sind echte Leistungsträger und den Talenten wird ausreichend Raum zur Entfaltung geboten. Eines dieser Talente, das die Chance genutzt hat, ist Shani Tarashaj, der ab nächster Saison für den englischen Premier-League-Klub FC Everton spielt.

Apropos Tarashaj: Huber hat sich über die Festtage den unverschämten Luxus geleistet, doch mal Ferien zu machen. Er reiste dafür nach Mexiko. Nach drei Tagen erhielt er von der Swisscom die Warnung, dass sein Handy in 24 Stunden abgestellt wird. Nun, Huber hat nicht wirklich Ferien gemacht. Er ist jeweils um 4 Uhr Ortszeit aufgestanden und hat dann zehn Stunden am Telefon verbracht, um den Tarashaj-Transfer über die Bühne zu bringen. Nach drei Tagen war die Rechnung so hoch, dass die Swisscom ihm den Stecker ziehen wollte.
Huber hat in seinem noch kurzen Leben als Sportdirektor von GC vieles richtig gemacht. Doch es sind knifflige Aufgaben, die nun auf ihn warten.

Dabburs Frust

Über den israelischen Starstürmer Munas Dabbur (je 11 Tore und Assists) hört man, er trainiere derzeit schlecht. Dabbur wollte im Sommer weg. Ist aber immer noch da. Es ist ein Fall, wie ihn ein sportlicher Leiter häufig zu lösen hat. Hier ein Spieler, der mehr verdienen will und auch mehr verdienen kann, weil er herausragende Leistungen zeigt. Dort ein Klub, der für den Abgang eines Erfolgsgaranten maximal kassieren will. Dabbur hatte kürzlich Angebote, die seinen Lohnvorstellungen entsprochen hätten. Doch GC lehnte ab, weil die Ablösesumme nicht den Erwartungen des Klubs entsprach. Die Folge: ein frustrierter Spieler. «Natürlich ist es schwierig zu akzeptieren für den Spieler», sagt Huber. «Aber wir haben versucht, Dabbur unsere Beweggründe verständlich darzulegen. Das war kein diktatorischer Akt. Aber klar ist auch: Wenn Dabbur weiterhin so gute Leistungen bringt, kann er bei einem Wechsel im Sommer vielleicht sogar noch mehr verdienen.»

Die zweite heikle Personalie ist Philippe Senderos. Weil GC in der Abwehr nicht so stark besetzt ist wie in der Offensive, macht ein Zuzug eines Innenverteidigers Sinn. Doch Senderos hat ein Jahr auf dem Abstellgleis bei Aston Villa hinter sich. Kann das gut gehen? «Ja, auch wenn uns bewusst ist, dass Senderos lange nicht mehr gespielt hat. In den Gesprächen, in denen es nur fünf Minuten um Geld gegangen ist, habe ich gespürt, wie willig und bissig Senderos ist.» Fehlt nur, dass Huber sagt: «Unterschätzt mir den Senderos nicht.»

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