Geheimnisse haben die beiden Klubs längst keine mehr voreinander. Sie treffen in dieser Saison nach zwei Duellen in der Meisterschaft (Unentschieden) sowie je einem in Supercup und Cup (Sieg für Bayern) bereits zum fünften Mal aufeinander.

Weil sich weder die Teams noch die Trainer etwas verheimlichen können, steht die Aufstellung der Bayern für die endgültige Aufarbeitung des Vorjahres-Traumas im Prinzip seit zehn Tagen fest. Jupp Heynckes hat sie "verraten", indem er im Trainingsspiel die Startformation gegen die B-Mannschaft spielen liess. Die einzige Position, die halbwegs diskutabel war, war jene des rechten Innenverteidigers. Heynckes wird sie mit Jérôme Boateng besetzen.

Derweil lehnte sich ein Bayern-Exponent besonders weit aus dem Fenster. "Wenn unsere Mannschaft Normalform erreicht, hat Dortmund keine Chance", verkündete Paul Breitner. Von den Spielern waren solch forsche Ansagen nicht zu hören.

Nicht ganz ernst gemeinter Trailer zum Spiel des Jahres von «11 Freunde» (Quelle: youtube/11FreundeTV)

Nicht ganz ernst gemeinter Trailer zum Spiel des Jahres von «11 Freunde»

"Wir gehen nach Wembley nicht arrogant, auch nicht hochmütig oder überheblich. Wir wissen, was in einem Finale möglich ist", mahnte Verwaltungsrats-Präsident Karl-Heinz Rummenigge, der hofft, dass sich in London ein Kreis schliessen wird. "Letztes Jahr hat eine englische Mannschaft in München gewonnen, dieses Mal hoffe ich, dass eine Münchner Mannschaft in England gewinnt."

Heynckes appellierte derweil an eine höhere Macht. Und glaubt gleichzeitig an den perfekten Tag: "Wir waren letztes Jahr das bessere Team. Vielleicht ist der Fussball-Gott mit uns. Wir sind so gut drauf!"

Nach dem verlorenen Final vom Vorjahr gegen Chelsea übte das Team heuer sogar Penaltys, auch wenn Heynckes mit Verweis auf den Druck im Final betonte: "Elfmeter kann man nicht simulieren." Dass sich die Situation von 2012 wiederholen könnte, als sich kaum willige Elfmeterschützen fanden, glaubt Thomas Müller nicht: "Ich habe nicht das Gefühl, dass irgendjemand da sich in die Hosen scheisst."

Klopps "Plan B"

Derweil sich Bayerns Trainer damit beschäftigte, wer allfällige Penaltys schiessen könnte, ist Dortmunds Trainer Jürgen Klopp zu einer gewichtigen Änderung gezwungen. Mario Götze musste für das letzte Spiel vor dem Abgang zum Finalgegner wegen der wieder aufgebrochenen Verletzung im rechten Oberschenkel schweren Herzens Forfait erklären.

Deshalb musste Klopp "Plan B" aktivieren. Wie zuletzt gegen Hoffenheim wird Marco Reus, ansonsten auf dem linken Flügel steter Gefahrenherd, im zentralen offensiven Mittelfeld spielen. Und in der Innenverteidigung hat sich Mats Hummels rechtzeitig fit gemeldet. "Der Knöchel ist nicht so, wie er vorher war. Aber er taugt absolut, um spielen zu können."

Trainer Klopp spürt eine "unbändige Vorfreude" auf das erste Europacup-Endspiel seit dem letzten Triumph 1997. "Wir haben ganz viel Lust auf die Aufgabe - immer mit dem Bewusstsein, dass es schief gehen kann." Als ob es eines Beweises bedurfte, reichte ihn Klopp nach: "Es gibt Leute, die den Gipfel des Mount Everest besteigen und wenige Meter vor dem Ziel umkehren mussten." Dieses Szenario will der BVB freilich mit allen Kräften vermeiden.