Das einzige Tor, erzielt in der 79. Minute, versinnbildlicht die Durchschlagskraft und die Ausgeglichenheit, dank denen sich die Young Boys in dieser Saison von der nationalen Konkurrenz weit abgesetzt haben. Jean-Pierre Nsame, obwohl schon elffacher Torschütze in der Meisterschaft, war in diesem Match nicht erste Wahl. Er kam nach knapp einer Stunde auf den Platz. In der entscheidenden Szene verschaffte sich der Stürmer mit einem trockenen Antritt Platz und zog mit einer Kopfball-Vorlage von Guillaume Hoarau davon. Und erzielte sein zwölftes Tor. Aus Zürcher Sicht war es auch Pech. Nur Sekunden vor dem Tor hatte YBs robuster junger Verteidiger Ali Camara im Strafraum den Zürcher Stürmer Assan Ceesay mit dem Körper weggedrückt und zu Fall gebracht. Schiedsrichter Urs Fähndrich hätte auf Penalty entscheiden können.

Am 19. August 2017 spielten die im Letzigrund gegen den FCZ 0:0. Danach begannen sie eine Rekordserie: In 59 Meisterschaftsspielen Folge erzielten sie immer mindestens mindestens ein Tor. Ebenfalls im Letzigrund und ebenfalls gegen den FCZ hätte die Serie reissen können. Nsame hatte etwas dagegen und erhöhte die Marke auf sagenhafte 60 Spiele.

Der FC Zürich war dem Meister während der meisten Zeit unterlegen und musste sich zwangsläufig wie eine Gastmannschaft verhalten. Nach der elften Saisonniederlage hat das Team von Trainer Ludovic Magnin nur noch fünf Punkte Reserve auf den von Neuchâtel Xamax gehaltenen Barrage-Platz. Und die Zürcher werden im Restpensum noch in Neuenburg antreten müssen.

Zürich und YB begannen das Spiel, ohne abzuwarten. Die Torhüter Yanick Brecher und David von Ballmoos konnten sich schon in den ersten zehn Minuten mit je zwei guten Paraden auf gefährliche Abschlussversuche auszeichnen. Danach übernahmen die Berner fast vollständig die Kontrolle. Sie erarbeiteten sich in der ersten Halbzeit bis zu 66 Prozent Ballbesitz, traten 7:0 Corner und kamen fast allein noch zu vielversprechenden Angriffen. Das Bild der zweiten Halbzeit war ein ähnliches.

Sow und Fassnacht Wackelkandidaten

Dass die Mannschaftsstützen Christian Fassnacht und Djibril Sow in der Berner Startformation figurierten, mochte für viele überraschend kommen. Von Sow hiess es, er habe am Samstagabend in Bern den Meistertitel von allen - erlaubterweise - am längsten gefeiert. Und Fassnacht war dabei gefilmt worden, wie er inmitten von Fans eine Fackel gezündet hatte - und damit für die Fans und alle Jungen kein Vorbild war. Sportchef Christoph Spycher sagte anderntags deutlich, dass Fassnacht zur Rechenschaft gezogen und gebüsst werde. Von sportlichen Sanktionen - zum Beispiel mit einer internen Sperre - sieht die Vereinsführung ab. Spycher betonte auch, dass Fassnacht bisher auf und neben dem Platz immer ein Musterprofi gewesen sei.

Zürich - Young Boys 0:1 (0:0)

16'372 Zuschauer. - SR Fähndrich. - Tor: 79. Nsame (Hoarau) 0:1.

Zürich: Brecher; Untersee, Mirlind Kryeziu, Maxsö, Pa Modou; Rüegg, Hekuran Kryeziu; Domgjoni (90. Nef), Marchesano (76. Odey), Charabadse; Ceesay (84. Schönbächler).

Young Boys: Von Ballmoos; Mbabu, Von Bergen, Camara, Benito; Fassnacht (58. Nsame), Sow, Aebischer (80. Lauper), Moumi Ngamaleu; Assalé (80. Schick), Hoarau.

Bemerkungen: Zürich ohne Khelifi (gesperrt), Kololli, Winter, Aliu, Guenouche und Sertic (alle verletzt). Young Boys ohne Garcia (gesperrt) und Sulejmani (verletzt). Verwarnungen: 14. Charabadse (Foul), 28. Ceesay (Foul), 62. Moumi Ngamaleu (Schwalbe), 72. Maxsö (Foul), 82. Nsame (Foul).