Fussball
Zwei Schweizer in Topform geben bei Hamburg den Ton an

Valon Behrami und Johan Djourou sind beim HSV unverzichtbar geworden. Die Schweizer opfern sich für den Fussball auf und stehen für die neue Leidenschaft des Teams.

Kai Behrmann
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Kämpft um jeden Ball: Valon Behrami.

Kämpft um jeden Ball: Valon Behrami.

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Während seine Mannschaftskameraden HSV-Fanklubs in Norddeutschland besuchten, flog Valon Behrami in die Heimat. Schwänzen wollte er den Pflichttermin nicht. Der Grund war sein malades Knie. In Zürich liess er sich von Nati-Arzt Cuno Wetzel behandeln.

Tags zuvor hatte er beim 1:0 gegen Leverkusen einen famosen Fight abgeliefert. Dabei stand sein Einsatz stark auf der Kippe. Am Ende aber biss Behrami auf die Zähne – wie so häufig. Umso bemerkenswerter ist, dass der angeschlagene Mittelfeldstratege erneut zu den besten Akteuren seiner Elf zählte.

Joe Zinnbauer (44) verteilte sogar ein Sonderlob an seinen Vorzeigekämpfer: «Er hat ein überragendes Spiel gemacht und sich für die Mannschaft aufgeopfert.» Dabei hätte Behrami normalerweise gar nicht auflaufen können, so der HSV-Trainer. Doch Zinnbauer wollte nicht auf ihn verzichten – bat Behrami, es zu versuchen. Der gebürtige Kosovo-Albaner hielt durch. Seit gut drei Monaten ist Behrami beim HSV. In der Hierarchie steht er bereits ganz oben.

Der leidenschaftliche Kämpfer

Hinter verschlossenen Türen tritt Behrami genauso auf wie auf dem Rasen: kompromisslos, leidenschaftlich, immer direkt. Das bekam jüngst auch Pierre-Michel Lasogga zu spüren.

Nach der 1:2-Heimpleite gegen Frankfurt Ende September monierte Behrami den laschen Auftritt des 22-jährigen Torjägers. Lasogga schmollte, ging dann auf Konfrontation. Auge in Auge standen sich die beiden Streithähne in der Kabine gegenüber. Erst das Einschreiten von Captain Rafael van der Vaart verhinderte, dass der verbale Disput mit Fäusten fortgeführt wurde.

Der Vorfall entlarvt Behrami keinesfalls als Stinkstiefel, sondern zeigt dessen Ehrgeiz. Für den Erfolg geht er bis an die Grenzen – und fordert dasselbe von den Kollegen. Behrami stellte klar: «Wer mich zwei Tage lang erlebt, kennt mich genau. Ich spreche Dinge schnell und direkt an – egal, ob positiv oder negativ. Aber es geht immer darum, die Mannschaft zu verbessern. Es ist nie was Persönliches.»

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Behrami opfert sich auf. Auch auf Kosten der eigenen Gesundheit. Im Interview mit «Blick» hatte er offenbart: «Mein Körper wird nach der Karriere kaputt sein.»Behrami ist jetzt 29 Jahre alt. Doch wie lange ist sein Wille noch stärker als der Schmerz? «Zwischen den Spielen bin ich tot. Da geht oft überhaupt nichts», erzählte er. Wenn der Fighter aber gebraucht wird, steht er bereit: «Auch wenn ich mal nicht trainieren kann, bei den Spielen bin ich bei 100 Prozent.»

Beim HSV ist Behrami Hoffnungsträger und Sorgenkind in einer Person. Längst gilt er als unverzichtbar. Wie ein Prellbock räumt Behrami vor der Abwehr ab. An ihm zerschellen die gegnerischen Angriffe. Klubchef Dietmar Beiersdorfer adelte den 3,5-Millionen-Euro-Zugang vom SSC Neapel als «Aggressiv-Leader». Mr. Beinhart ist ein zentraler Baustein, der leblosen HSV-Elf neuen Biss zu verleihen.

Die Schweizer Mauer

In der vergangenen Spielzeit war der HSV mit 75 Gegentoren die Schiessbude der Liga. Nach zehn Runden sind es nun zwölf. Viermal spielten die Hamburger bereits zu null – genauso häufig wie in der gesamten Vorsaison. Behrami hat grossen Anteil daran, dass der HSV dicht ist. Ebenso wie sein Landsmann Johan Djourou. Nach einer durchwachsenen ersten Saison hat sich der Abwehrhüne zum unumstrittenen Boss in der Innenverteidigung gemausert. Zunächst von Arsenal London ausgeliehen, waren viele Fans skeptisch, als im Frühjahr nach 20 Pflichtspielen eine Kaufklausel im Vertrag griff.

Der Abwehrchef

Die Zweifel hat der 27-Jährige mit konstant souveränen Auftritten zerstreut. Einst stets für einen Lapsus gut, agiert er jetzt fast fehlerfrei. Auch bei den Kollegen geniesst er hohes Ansehen: Sie wählten ihn zum Vize-Captain. «Vergangene Saison war ich ein paar Spiele gut, ein paar Spiele nicht. Das hatte auch mit Verletzungen zu tun», erklärte Djourou sein Auf und Ab. Nun fühle er sich topfit. Djourou ist bereit, Verantwortung zu schultern – auch wenn er das Wort «Abwehrchef» nicht mag. Er orientiere sich an ruhigeren Führungsspielern wie Philipp Lahm, «der nicht schreit und Show macht».

Behrami und Djourou. Die beiden Schweizer stehen exemplarisch für die neue Stabilität der Rothosen. Zwar beträgt der Vorsprung auf einen Abstiegsplatz derzeit nur zwei Punkte. Die zuletzt gezeigte Leidenschaft macht jedoch Mut, dass der Weg mittelfristig wieder in obere Tabellenregionen führt. «Ballbesitz und schönes Spiel bringen uns nicht weiter. Wir müssen elf Kämpfer sein», forderte Behrami. Er und Djourou machen es vor.

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