EM 2016
Griezmann und Frankreich im Elend

Antoine Griezmann, der Torschützenkönig der EM erlebt nach dem Champions-League-Final die zweite ganz bittere Niederlage in dieser Saison.

Markus Brütsch, Paris
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Mit hängendem Kopf verlässt Griezmann den Platz.

Mit hängendem Kopf verlässt Griezmann den Platz.

Keystone

Antoine Griezmann ist allein. Mutterseelenallein auf dem Rasen des Stade de France. Das Spiel ist vorbei und Frankreich hat verloren. Alles verloren. Niemand kümmert sich um den Mann, um den sich in den letzten Wochen und Tagen ganz Frankreich gedreht hatte, über den Hunderte von Zeitungsseiten gedruckt wurden und der in der Grande Nation wichtiger zu sein schien als der Präsident des Landes. Und jetzt? Alles verloren! Griezmann kann es nicht fassen, so kurz vor dem Ziel sind sie gewesen, er hatte sein Team mit sechs Toren an die Schwelle der Glückseligkeit geschossen, aber eben nicht darüber hinaus.

Er versucht, seinen besten Kumpel Paul Pogba zu trösten, doch Trost hätte er in diesem Moment wohl selber am Meisten gebraucht. Dass auf der Anzeigetafel sein Gesicht erscheint und ihm zum Torschützenkönig der EM gratuliert wird, kann ihn bestimmt nicht aufhellen. Schon sieben Wochen zuvor hatte er mit Atlético Madrid den Final in der Champions League gegen Real Madrid und Ronaldo verloren und dabei einen Penalty verschossen. Zwei Niederlagen in den beiden bedeutendsten Wettbewerben Europas in solch kurzer Zeit müssen erst einmal verkraftet werden.

Griezmann war an diesem Abend nicht der Griezmann der letzten Tage gewesen. Er lief zwar wie immer unheimlich viel, aber er wurde von den Portugiesen geschickt zugestellt. Zwei gute Möglichkeiten hatte er dennoch gehabt. Vor allem mit zwei Kopfbällen war er nahe daran gewesen, die Führung für Frankreich herauszuschiessen, doch einmal rettete der portugiesische Torhüter Rui Patricio hervorragend, beim zweiten Mal setzte der 25-Jährige den Ball aus bester Position übers Tor.

Mangende Chancenauswertung

Solche Chancen hat er schon oft verwertet; aber es sollte offenbar nicht sein. 18 Spiele hatten die Franzosen seit 1984 bei Heimturnieren ohne Niederlage überstanden. Doch in der 19. Partie hatte es sie ausgerechnet gegen Portugal erwischt, das sie zuletzt zehn Mal in Folge besiegt hatten und dem sie vor 41 Jahren zuletzt unterlegen gewesen waren. Die bisherigen drei Pflichtspiele zwischen diesen Teams waren immer ganz enge Kisten gewesen mit drei eher glückhaften Siegen der Franzosen. Jetzt war es einmal umgekehrt.

Portugal-Frankreich: Die Impressionen zum EM-Finale
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Portugal mit dem verletzten Ronaldo an vorderster Front feiert zum ersten Mal den Titel des Europameisters
Portugal feiert Torschütze Eder (links vorne)
Der Schuss zum Titel: Eder erzielt das entscheidende 1:0 in der Verlängerung.
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Frankreich im Elend
Ronaldo betätigt sich nach der Verletzung als Coach
1:0 für Portugal in der Verlängerung: Der fulminante Schuss von Eder
Portugal im Glück: Eder lässt sich feiern
Gignac trifft in der Nachspielzeit nur den Pfosten
Tränen beim Superstar: Ronaldo muss nach einem harten Tackling von Dimitri Payet verletzt ausgewechselt werden
Die Szene des Spiels: Das harte Tackling von Dimitri Payet gegen Cristiano Ronaldo, der sich dabei verletzt
Täter Payet schaut zu, wie Ronaldo nach seinem Tackling verletzt abtransportiert wird
Bangen, leiden, jubeln - die Nacht der Portugiesen.
Geschockte Portugal-Fans nach dem Ronaldo-Out
Gehört zu jedem Portugal-Spiel: Ein Flitzer auf dem Feld
Cristiano Ronaldo am Boden: Wurde er bei der Attacke von Payet verletzt?
Schock für die Portugiesen: Ronaldo nach dem Einsteigen von Payet
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Das Team der Franzosen
Die Startelf der Portugiesen
Falter-Plage im Stadion eine Stunde vor Spielbeginn
Die Helfer unternehmen alles Mögliche, die Falter aus dem Stadion zu bringen
Der Bus «Frankreich – Europameister 2016» fährt schon vor dem Spiel auf den Strassen Frankreichs.
Um diesen Pokal geht es: Wer wird Europameister?

Portugal-Frankreich: Die Impressionen zum EM-Finale

Keystone

Frankreich muss sich deswegen vor allem selber an der Nase fassen. Das gemächliche Ballgeschiebe war nicht die Lösung, die Portugiesen zu knacken. Als nach einer Stunde das Talent Coman für Payet erschien, wurde es besser. Coman bediente Griezmann, der den Kopfball aber nicht aufs Tor brachte. Und in der 92. Minute traf der eingewechselte Gignac aus wenigen Metern nur den Pfosten. Das war Pech.

Doch dieses hatte Portugal gegen Frankreich schon zu oft gehabt, als dass man jetzt mit den Gastgebern hätte Mitleid haben müssen. Diese haben zwar ein gutes Turnier gespielt, es aber nicht geschafft, im Heimstadion ein Portugal ohne Ronaldo zu besiegen. Basta.

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