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Griff nach den Sternen: Die «Bündner-Gang» will an der Heim-WM in Neuenburg den Titel holen

Flurina Marti, Corin Rüttimann und Seraina Ulber wollen an der Heim-WM in Neuenburg den Titel holen.

Flurina Marti, Corin Rüttimann und Seraina Ulber wollen an der Heim-WM in Neuenburg den Titel holen.

Heute startet die Unihockey-WM der Frauen in Neuenburg. Die Schweizer Nationalmannschaft möchte sich in diesem Jahr nicht mit Bronze zufrieden geben und in den Final. Mittendrin: drei Freundinnen aus Chur.

Corin Rüttimann, Seraina Ulber und Flurina Marti sitzen im Teamhotel der Schweizer Unihockey-Nati in Murten. Dass sich die drei bei Piranha Chur engagierten Spielerinnen blind verstehen, ist schnell klar. Nicht nur, weil sie viel lachen und sagen, dass es bei ihnen harmonisch zu und her gehe. Aber vielmehr sind es Aussagen, wie diejenige von Marti, die das blinde Verständnis und die Freundschaft der dreien verdeutlichen. «Ich weiss, dass Seraina und Corin immer für mich da sind. Ich könnte auch nachts um drei anrufen.»

Sehr erfahren und trotzdem in neuem Territorium

Ob sie als Dreiergruppe an der WM spielen, war lange nicht klar. Am 31. August verletzt sich Seraina Ulber während des Supercupfinals am Sprunggelenk. Sie muss sich gar einer Operation unterziehen. Nur ein Spiel hat sie seither in der NLA bestritten, im Nationalteam ist sie dank der Erfahrung von 99 Länderspielen unverzichtbar. Zuletzt hat sie gar mit einer U16-Junioren-Mannschaft ein Testspiel absolviert, um noch mehr Spielpraxis zu sammeln. Es sei «cool» gewesen und alles sei gut verlaufen, sagt die 29-Jährige, die sich in dieser Partie zuerst einmal an ihre neuen Mitspieler gewöhnen musste.

Seraina Ulber - hier im Abschlusstraining am Freitag - ist nach mehrwöchiger Verletzungspause rechtzeitig fit für die WM.

Seraina Ulber - hier im Abschlusstraining am Freitag - ist nach mehrwöchiger Verletzungspause rechtzeitig fit für die WM.

Ebenfalls eine grosse Erfahrung weisen Flurina Marti (92 Länderspiele) und Corin Rüttimann (105) aus. Sie sind sozusagen der Kopf der «Bündner-Gang». Mit dem Namen können sie gut leben, sagen sie einstimmig – und lachen. Einmal mehr. Die erfahrene Gang trifft in Neuenburg aber auch auf Neuland. In der Romandie finden keine NLA-Spiele statt. Weder bei den Frauen, noch bei den Männern. Deshalb werden die Weltmeisterschaften in Neuenburg ausgetragen. Die Stadt und allgemein die Romandie sollen mit einem Unihockey-Virus infiziert werden. «Ich hoffe, diese Idee verfehlt ihre Wirkung nicht», sagt Marti.

Freut sich auf die heute beginnende Heim-WM: Flurina Marti (links)

Freut sich auf die heute beginnende Heim-WM: Flurina Marti (links)

Lange Reisen und Arbeitspensum reduziert

Für die WM haben die Schweizerinnen einen grösseren Aufwand betrieben, als jemals zuvor. Nach zuletzt drei dritten Plätzen wollen sie mehr. Nach der Analyse der vergangenen WM sei man zum Schluss gekommen, dass im physischen Bereich Fortschritte erzielt werden könnten. Seit dem Frühling trainierte die Nati deshalb freitags zusammen. In Kloten oder Winterthur. Für die Churerinnen hiess das: viel reisen. Flurina Marti hat gar ihr Arbeitspensum auf 70 Prozent reduziert. Die finanzielle Einbusse nehme sie gerne in Kauf. Sofern es dann auch mit dem WM-Final klappe.

Morgen Sonntag folgt der erste Kracher, wenn die Schweiz auf Finnland trifft. Dieses Spiel will das Heimteam unbedingt gewinnen, um bestenfalls den Schwedinnen im Halbfinale aus dem Weg zu gehen. Trotzdem sagt Ulber: «Es wird ein Duell auf Augenhöhe. Aber egal wie dieses Spiel ausgeht, es ist danach weder etwas gewonnen noch verloren.» Eines dürfte aber klar sein: Wenn die Schweizerinnen den Titel holen wollen, müssen sie Schweden ziemlich sicher bezwingen. Ob im Halbfinal oder im Final.

Die Heim-WM gebe sicher einen «Extra-Boost», wie es Ulber nennt. Zudem sei der Glaube, den Finaleinzug zu schaffen, auch wirklich da. «Wir sind in den letzten zwei Jahren noch einmal gereift. Wir wissen, wir können es aus eigener Kraft schaffen. Das sagen wir nicht einfach so.»

Die Routine des Teams stelle ebenfalls einen wichtigen Faktor dar und trägt ebenfalls zu den gestiegenen Erwartungen bei. Corin Rüttimann sagt: «Irgendwann wollen wir mehr. Jetzt werfen wir alles rein. Wir geben uns nicht mit Bronze zufrieden.» Mit «wir» ist das Schweizer Team gemeint. Aber auch die Bündner-Gang. Ab heute greift sie nach WM-Gold.

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