Kolumne

Gschobe: Armenien oder Andorra - Hauptsache irgendetwas mit A

François Schmid-Bechtel
Die Hymne aus Andorra für die Fussballer aus Albanien. Bild: Keystone.

Die Hymne aus Andorra für die Fussballer aus Albanien. Bild: Keystone.

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 47 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG. François, Journalist, Windisch.

Flavio: Kommt, wir spielen Stadt, Land, Fluss.
Pius: Wollen wir nicht jassen wie sonst üblich?
Flavio: Nur kurz. Ich will mit euch ein kleines Experiment machen.
David: Na gut, lass hören.
Flavio: Hier, Stift und Zettel für jeden. Ich will, dass jeder von euch ein Land notiert, das mit A anfängt.
Tobias: Ich bin so weit.
Flavio: Gut, lasst hören.
François: Afghanistan.
Pius: Algerien.
David: Argentinien.
Tobias: Albanien. Und jetzt?
Flavio: Du hast gewonnen.
Tobias: Was und warum?
Flavio: Du gewinnst den Job als Stadionsprecher der französischen Nationalmannschaft.
Tobias: Warum?
Flavio: Weil du im Gegensatz zum aktuellen Stadionsprecher richtig geraten hast.
Tobias: Jetzt versteh ich überhaupt nichts mehr. Warum ich? Alle anderen haben doch auch korrekt geantwortet.
Flavio: Als kürzlich das albanische Fussball-Nationalteam in Frankreich antrat, wurde die Hymne von Andorra gespielt. Und als der Fauxpas bemerkt wurde, entschuldigte sich der Stadionsprecher bei den Fans aus Armenien. Der Mann hat also ziemlich falsch geraten.
Pius: Ups, das hat bestimmt gehörig für Ärger und Missstimmung gesorgt.
David: Wieso? Fussball und Politik, das muss man doch zwingend trennen. Denken wir nur an den Doppeladlerjubel an der letzten WM und das darauffolgende Geschrei. Nein, Fussball ist nicht politisch. Das beten selbst jene gebetsmühlenartig runter, die es wirklich wissen müssen wie Fifa-Präsident Gianni Infantino und all die andere Granden des Fussballs.
François: Ganz gewiss. Deshalb hat sich Emanuel Macron ja auch beim albanischen Premierminister Edi Rama entschuldigt.
David: Ich finde, ich habe gewonnen.
Flavio: Was meinst du?
David: Argentinien. Meine Antwort bei Stadt, Land, Fluss.
Flavio: Es hätte zur Pleiten-Pech-und-Pannen-Serie gepasst, wenn sich Macron nicht bei Rama sondern bei Mauricio Macri entschuldigt hätte. Hat er aber nicht. Ich sehe in dieser Sache also keinen Zusammenhang mit Argentinien.

Diego Armando Maradona bei seiner Präsentation als Trainer des argentinischen Tabellenletzten Gimnasia y Esgrima. Bild: Keystone.

Diego Armando Maradona bei seiner Präsentation als Trainer des argentinischen Tabellenletzten Gimnasia y Esgrima. Bild: Keystone.

David: Den gibt es auch nicht. Ich finde einfach, dass sich die grosse Sport-Geschichte der letzten Tage in Argentinien und nicht in Paris abgespielt hat. D10 ist zurück.
Pius: D10? Sagt mir nichts. Meinst du nicht R2-D2. Damit spielen meine Kids. Ist irgend so eine Star-Wars-Figur.
David: Den Ahnungslosen schenkt der Herr einen leichten Schlaf. D10. Dios 10. Sagt dir das nichts?
Pius: Gott 10? Was soll das?
David: Diego Armando Maradona, das sagt dir doch hoffentlich was.
Pius: Klar, der Göttliche mit der Nummer 10.
Flavio: Geht doch.
Pius: Ist er von uns gegangen?
David: Im Gegenteil. Er ist wieder da. Zwar nicht quicklebendig. Aber er kann sich, wenn auch etwas wacklig, auf den Beinen halten. Kürzlich wurde er als Trainer eines Klubs aus Santa Fe vorgestellt. Und da sind tatsächlich 25 000 Menschen ins Stadion gekommen.
Pius: Und was hat er gesagt?
David: Wirres Zeug. So machte er Sepp Blatter dafür verantwortlich, dass es mit der Trainerkarriere nicht hingehauen hat. Der frühere Fifa-Präsident soll einen Bann gegen ihn verhängt haben. Egal: Hauptsache Diego ist zurück und der Fussball weiterhin unpolitisch.

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François Schmid-Bechtel

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