Kolumne

Gschobe: Geizig wie Dagobert Duck - unser neuer Fussball-Modus für die Super League

François Schmid-Bechtel
Fussball in Schottland.

Fussball in Schottland.

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 47 und 50, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell. David, Lehrer, Speicher AR. Tobias, Consultant, Zürich. Flavio, Sozialarbeiter, Winterthur. François, Journalist, Windisch.

Pius: Ich habe mich kürzlich darüber informiert, was wir den Schotten alles zu verdanken haben.
Tobias: Schon bald einen neuen Fussballmodus.
Pius: Dazu später.
Flavio: Beim Begriff Schottland denke ich zuallererst an Whisky, Männer in Röcken, Dudelsäcke, an Braveheart und an einen unverständlichen Dialekt.
François: Bloss nicht abkommen vom Weg der Klischees!
Pius: Genau. Denn bei meinen Recherchen bin ich auf Erstaunliches gestossen. Den Schotten verdanken wir beispielsweise das Telefon und die TV-Technik.
Flavio: Ja, ja. Und uns Italienern verdankt die Welt das Fondue, die Schwarzwäldertorte, die Kuckucksuhr, das Talerschwingen, die Lauberhornabfahrt, den Super Bowl und die erste Mondlandung. Was für ein Blödsinn.
Pius: Von wegen Blödsinn! Hier, guck (zückt sein Smartphone). Alexander Graham Bell soll das Telefon erfunden haben und John Logie Baird die TV-Technik. Und John Boyd Dunlop, ebenfalls ein Schotte, hat den luftgefüllten Reifen erfunden. Apropos Mondlandung: Neil Armstrong hatte schottische Wurzeln.
Flavio: Na dann Prost. Da muss sich Fussball-Europa warm anziehen, wenn die Schweiz die schottische Moduserfindung übernimmt.
François: Nichts gegen die Aufstockung der Super League von zehn auf zwölf Teams. Aber was den Modus betrifft, bin ich skeptisch.
David: Ich auch. Allein schon die Ansetzung der ersten 33 Runden. Da spielt jeder gegen jeden drei Mal. Aber wie lost man das aus? Darf Thun zweimal zu Hause gegen YB antreten, was hohe Einnahmen verspricht? Oder muss Thun stattdessen zweimal zu Hause gegen Lugano ran, was sportlich von Vorteil, aber wirtschaftlich von Nachteil ist?
Tobias: Genau, ich höre schon jetzt das Gejammer. Stellt euch vor, es ist die 33. Runde. Der FC Luzern ist auf Platz 6, der zum Einzug in die Meisterrunde berechtigt. Die Luzerner liegen einen Punkt vor St. Gallen. Aber in der letzten Runde müssen sie zum zweiten mal in der Saison in St. Gallen antreten, während St. Gallen nur einmal in Luzern spielte. Wetten, da spricht in Luzern keiner mehr von Chancengleichheit?
François: Wie gesagt: Dieser Modus hat seine Schwächen. Und erst die Abstiegsrunde. Sechs Teams, fünf Runden. Der Letzte steigt ab, der zweitletzte muss in die Barrage. Diese Abstiegsrunde beschert den zwei, drei besten Teams fünf Spiele, die so spannend sind wie Fernseh gucken bei Stromausfall, weil sie, auch wenn sie wollten, nicht mehr in die Abstiegszone abrutschen können.
Flavio: Ich sehe, der schottische Modus geizt an Spannung, Chancengleichheit und Innovation. Ist nicht Dagobert Duck auch schottischer Abstammung? Egal. Vielleicht hat dieser Modus auch irgendwo seine Stärken?
David: Und wo bitte schön?
Flavio: Da der Brexit nun vielleicht, eventuell, höchstwahrscheinlich irgendwann am 31. Januar vollzogen wird, werden die Schweiz und Schottland quasi zu ziemlich besten Verbündeten im Kampf für eine gute aber nicht zu enge Beziehung mit der EU.
Pius: Worauf willst du hinaus?
Flavio: Das liegt doch auf der Hand. Die Ligen fusionieren. Dann wird Schottland der 27. Kanton. Und auf jedem Smartphone steht künftig: War hat’s erfunden?

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