Gschobe #67

Herr Binggeli oder Herr Rietiker – Hauptsache, die Frisur sitzt

..

Sie stammen aus dem gleichen Dorf im Appenzellerland, sind zwischen 46 und 49, treffen sich einmal pro Woche und jassen oder spielen Boule. Pius, Qualitätsmanager, Appenzell David, Lehrer, Speicher AR Tobias, Consultant, Zürich Flavio, Sozialarbeiter, Kirchberg SG François, Journalist, Windisch.

François: Ich befürchte, dass der Abstiegskampf in der Super League bereits entschieden ist.

Pius: Wieso? GC liegt nur vier Punkte hinter Xamax. Und es bleiben noch mehr als zehn Spiele. Deshalb von einer Entscheidung zu sprechen, finde ich ziemlich voreilig.

François: Ich glaube auch nicht, dass GC absteigt. Nein, die Neuenburger gehen runter. Denn der Xamax-Präsident Christian Binggeli entpuppt sich im Moment als Spitex-Mitarbeiter.

Flavio: Was redest du da? Spitalexterne Hilfe und Pflege? Aber für wen?

François: Für GC.

Flavio: Aber Binggeli ist doch bei Xamax. Und GC hat mit Stephan Rietiker eben erst einen Arzt als Nachfolger von Stephan Anliker zum Verwaltungsratspräsidenten ernannt. Wozu braucht GC eine Spitex, wenn man nun die Anlaufstelle bei Fragen und Nebenwirkungen im Haus hat?

François: Ich sage ja nicht, dass GC nach der Spitex gerufen hätte. Nein! Denen ist schon klar, dass der Klub mehr als Pflege braucht, um wieder auf die Beine zu kommen. Deshalb der Arzt Rietiker. Zurück zu Binggeli: Dieser drängt sich den Hoppers als Pfleger geradezu auf. Respektive: Er lässt kaum etwas unversucht, sein Xamax zu destabilisieren. Und damit wird er den Heilungsverlauf bei GC entscheidend unterstützen.

David: Das sehe ich ähnlich. Es ist absurd, dass Binggeli jetzt beschliesst, den Vertrag mit Trainer Stéphane Henchoz nicht zu verlängern. Einerseits, weil Xamax mit Henchoz erstaunlich viele Punkte geholt hat. Andererseits, so hört man, wird Henchoz von Spielern, Fans und Mitarbeitern hoch geschätzt. Er ist ein Mann aus den eigenen Reihen, hat als Spieler eine grosse Karriere gemacht, und als er im Februar vom Assistenz- zum Cheftrainer befördert wurde, kam es ihm nicht in den Sinn, eine Lohnerhöhung einzufordern. Kurz: Ein Trainer wie Henchoz wäre für viele andere Klubs ein absoluter Glücksfall.

Pius: Tja, das sieht Herr Binggeli offenbar etwas anders.

David: Kommt dazu, dass nun Joel Magnin, der neue Trainer, und der zum Sportchef aufgestiegene Frédéric Page das Team für die neue Saison zusammenstellen. Stellt euch vor: Die beiden kommen zum Schluss, dass zwei, drei Spieler, die für Henchoz fundamental sind, nächste Saison nicht mehr erwünscht sind. Das kann Xamax den Ligaerhalt kosten.

Flavio: Was hält ihr eigentlich von der Wahl des neuen GC-Präsidenten?

Pius: Wie heisst er schon wieder?

Flavio: Rietiker. Stephan Rietiker.

Tobias: Ziemlich zackig! Überrasch mich nicht, dass er Karriere im Militär gemacht hat. Muss aber weder ein Vor- noch ein Nachteil sein. Sein erster Auftritt jedenfalls hinterliess ambivalente Gefühle.

Pius: Wieso?

Tobias: Er begann mit einem deplatzierten, weil flapsigen Spruch: Sitzt d’Frise? Gewiss eine Randnotiz. Aber was soll das? Will er damit signalisieren, dass er schon Grösseres vollbracht hat, als GC zu retten? Oder tappt er gleich schon zu Beginn wie viele Präsidenten vor ihm in die Eitelkeitsfalle? Und dann die ewig gleichen Sprüche: Er wolle GC wie ein Unternehmen führen. GC solle weniger abhängig von den Investoren sein. Und GC sei eine starke Marke.

David: Also passt es. Bei GC gehen Anspruch und Wirklichkeit seit Jahren getrennte Wege.

Verwandte Themen:

Autor

François Schmid-Bechtel

François Schmid-Bechtel

Meistgesehen

Artboard 1