Interview
Swiss Central Basket: So tickt Neuzugang Joël Fuchs

Joël Fuchs verlässt nach zwölf Jahren die Starwings und wechselt zu Swiss Central Luzern. Der 32-Jährige blickt zurück und erklärt, warum er sich zuletzt mental befreien musste.

Simon Leser
Drucken
Teilen
Joël Fuchs (links im Bild) stand über 350 Mal für die Starwings im Einsatz. Jetzt zieht es ihn weiter nach Luzern.

Joël Fuchs (links im Bild) stand über 350 Mal für die Starwings im Einsatz. Jetzt zieht es ihn weiter nach Luzern.

Keystone

Im Februar dieses Jahres fällt Joël Fuchs einen ersten Entscheid. Er tritt bei den Starwings nicht ab, aber kürzer. Fuchs verzichtet fortan auf Ernstkämpfe, lässt sich aber zwei Optionen offen. Entweder er läuft ab Sommer wieder für die Starwings auf. Oder er wechselt. Jetzt hat er seine zweite Entscheidung gefällt. Es ist eine, die ihn nach Luzern führt.

Joël Fuchs, Sie waren zwölf Jahre in Birsfelden. Weswegen haben Sie sich jetzt für einen Wechsel entschieden?

Joël Fuchs: Es war eine Gefühlsentscheidung. Nach so einer langen Zeit bei einem Klub ist es an der Zeit, etwas Neues zu sehen. Ein anderes Umfeld, andere Leute. Die Entscheidung fühlt sich gut an.

Wann war klar, dass Sie wechseln wollen?

Die Möglichkeiten dazu bestehen ja schon seit Jahren. Aber es passte bei den Starwings, zuerst mit dem Studium, dann mit dem Beruf. Doch über die Jahre kam immer mal wieder der Gedanke des Wechsels. Dieser hat sich zuletzt zugespitzt, auch weil es mir in den letzten zwei Jahren persönlich nicht so gut gelaufen ist.

Was lief falsch?

Ich konnte meinen hohen Erwartungen nicht gerecht werden. Ich denke, das lag auch daran, dass ich mal wieder einen Wechsel des Umfelds brauchte. Der Schritt nach Luzern ist einer, den ich jetzt machen muss. Und den ich in den Jahren zuvor aus Zufriedenheit und Loyalität nicht gemacht habe.

Wie schwierig fiel Ihnen als Klubikone der Starwings dieser Entscheid?

Sehr schwierig. Ich hätte schon sehr viel früher gehen können, doch ich bin loyal. Mit 18 Jahren bin ich gekommen, jetzt bin ich 32 – da ist ein solcher Entschluss nicht einfach. Er ist aber die Folge eines Prozesses, der bei mir unterbewusst bereits 2020 begann. Man merkt dann nach dem definitiven Entschluss relativ schnell, ob es ein guter war. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es der richtige Schritt ist.

In all den Jahren bei den Starwings: Welches Ereignis sticht heraus?

Der Cupsieg 2010. Da bekam ich als junger Spieler früh meine Chancen. In so einer erfahrenen Mannschaft wie damals ist das ein grosser Erfolg. Aus dieser Zeit bleiben mir die Spieler in Erinnerung, die wir hatten. Da waren sehr starke Schweizer und ausländische Spieler dabei. Von ihnen konnte ich viel lernen.

Zur Person

Joël Fuchs stammt aus dem Kanton Zürich und spielte zwölf Saisons für die Starwings. Insgesamt bestritt er für die Birsfelder über 350 Partien, in denen er teilweise auch als Captain der Mannschaft auflief. Fuchs fiel dabei als ein begnadeter Werfer auf. Der 32-Jährige arbeitet als Jurist beim Kanton Basel-Landschaft und studierte zuvor Rechtswissenschaften an der Universität Basel. In der kommenden Saison läuft er für Swiss Central Luzern auf.

Blieben Sie nur wegen Ihrer Loyalität so lange in Birsfelden?

Als jahrelanger Captain hatte ich auch eine grosse Verantwortung, die ich wahrnehmen wollte. Und das Umfeld machte Spass. Basel ist cool, ich wohne hier. Obwohl ich nicht so rede, bin ich mehr Basler als etwas anderes. (lacht)

In der vergangenen Saison verpassten Sie den Finaleinzug. Bereuen Sie den Entscheid, vorher kürzer getreten zu sein?

Nein, denn er war für mich in diesem Moment richtig. Aber ich dachte schon, dass es auf dem Feld cool gewesen wäre. Als kompetitiver Spieler hat man solche Gedanken.

Sie werden als ein kritischer Zeitgeist beschrieben. Einverstanden?

Ich bin einer, der Basketball auch im Kopf spielt. Wenn man das macht, führen viele Wege nach Rom. Da kann es zu verschiedenen Meinungen kommen. Ich sage nicht, dass es immer nach mir gehen muss, aber ich scheue keine Diskussionen.

Brachte Sie diese Offenheit auch in heikle Situationen?

In Sportarten mit vielen Emotionen gibt es mal Meinungsverschiedenheiten. Es kam aber nie zum Streit. Schlussendlich haben wir immer eine Lösung gefunden.

Seit Februar haben Sie kein Spiel mehr bestritten. Wie halten Sie sich seither fit?

Ich habe weiterhin fünf bis sieben Mal in der Woche trainiert. Mit meiner Erfahrung weiss ich, woran ich arbeiten muss. Ich habe zudem ein professionelles Umfeld, das klubunabhängig ist. Ich habe viel individuell gearbeitet und wollte mich verbessern, mental und physisch. Ich habe darauf geachtet, mental wieder frei zu werden.

Von was mussten Sie sich befreien?

Von den eigenen Erwartungen. Wenn diese hoch sind und man in einem gewohnten Umfeld ist, kann das zu Spannungen führen. Ich fand nicht mehr so richtig zu meinem Spiel. Ich wollte mental da rauskommen und frische Luft für den Kopf haben. Das habe ich mit dem Wechsel hinbekommen.

Warum wählten Sie Swiss Central Luzern als neuen Verein aus?

Ich kann Luzern gut mit meinem Beruf vereinbaren. Ich kenne den Trainerstaff dort seit Jahren, auch einige Spieler. Mir gefällt zudem das Konzept der Jugendförderung.

Wie wird es sein, als Luzerner in Birsfelden zu spielen?

Sehr speziell. Aber wir spielen in der Vorbereitung schon einmal gegeneinander. Dann wird der Ernstkampf hoffentlich zum Selbstläufer. (lacht)

Aktuelle Nachrichten