Irrfahrt in Carouge und schlaflose Nächte in Winterthur

Genf, Winterthur, Luzern, Bern, der Kanton Basel-Landschaft, Frauenfeld, Biel und nun Aarau: Die Sportreporterin Theres Bühlmann ist seit 1972 fester Bestandteil der Berichterstattung über die Eidgenössischen Turnfeste. Was sie in den letzten Jahrzehnten alles erlebt hat, zusammengefasst in einigen Zeilen.

Theres Bühlmann, Sportreporterin
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Ich habe nachgezählt. Aarau ist mein neuntes Eidgenössisches Turnfest. Diese Kolumne geht für einmal nicht um Re­sultate, Siege oder Höchstleistungen, sondern um Rand­notizen. Auch diese bleiben einem viele Jahren in bester Erinnerung. Zum allerersten Mal war ich in Aarau 1972 dabei, in den Reihen der Damenriege des damaligen ETV Grosswangen. Wir absolvierten die Allgemeinen Übungen. In blauen Bodies. Ich muss bei der Grössenvergabe etwas geschummelt haben, irgendwie war der Dress etwas eng, aber modisch topaktuell.

In Genf 1978 waren wir in Carouge einquartiert. Weil mein Orientierungssinn per se nicht sehr stark ist, nahm ich prompt den Bus auf der falschen Strassenseite. Den Irrtum bemerkte ich drei oder vier Stationen später. Also aussteigen und neu orientieren. Kein einfaches Unterfangen, ohne Natel, ohne Ortsplan, im französischen Sprachgebiet. Irgendwie musste ich ins Stadion gelangen – und möglichst nicht zu spät. Also fragte ich mich durch, und es klappte: Ich war froh, dass ich in der Schule im Französischunterricht gut aufgepasst hatte. Obwohl die nette Dame, die mir voller Geduld den Weg erklärt hatte, mich ab- und zu etwas fragend anblickte.

Winterthur 1984. Unser Nachtquartier befand sich in einer Turnhalle. Ich wählte einen Platz unter dem Fenster, vor allen wegen der frischen Luft, allerdings neben dem Eingang. An Schlaf war kaum zu denken, wenn die Letzten eintrafen, standen die Ersten bereits wieder auf. Also zügelte ich einen Tag später in die hinterste Ecke, nicht ahnend, dass kurz vor Mitternacht noch eine Gruppe Tessinerinnen einzog, putzmunter und laut. Ich hatte damals nur einen Wunsch: Ohrenstöpsel, nichts als Ohrenstöpsel.

Dann kam Luzern 1991, das war mein erstes Eidgenössisches Turnfest als Journalistin. Es regnete, nicht immer, aber manchmal heftig, sehr heftig sogar. Ein Bild bleibt bestens in Erinnerung, jenes der Turnerinnen, die im tiefen Sumpf die Schlussvorführungen zeigten, dementsprechend sahen die Kleider aus. Meinen Kollegen auf der Redaktion erklärte ich – und dies gleich mehrmals – die Bedeutungen der Abkürzungen wie GYK, HL, BO, RE, SP, BA oder FTA. Turner wissen, was gemeint ist, wenn Sie dies nicht verstehen, bitte rufen Sie nicht bei mir an.

Bern 1996 war eines der gemütlichsten Feste. Für viele das Jahrhundertturnfest. Oder auf einen Nenner gebracht: Freude herrschte überall. Auf den Wettkampfplätzen und beim Feiern ...

2002, das Fest im Kanton Basel-Landschaft, dezentralisiert in sieben Gemeinden. Da summierten sich die Kilometer. Vom Medienzentrum Liestal nach Muttenz, dann nach Pratteln, zurück nach Liestal, weiter nach Bad Bubendorf, nächste Station war Lausen, nach Sissach und wieder zurück nach Liestal. Wenn immer bei einem Kreuzworträtsel nach einem Ort in Baselland gefragt wird, da bin ich sattelfest.

Frauenfeld 2007 kurz im Telegrammstil: Einmal morgens verschlafen, Zug nicht erreicht, Handy im Hotel vergessen, Interviewtermin verpasst, Oberturner grantig angetroffen, nach dem Motto, du hättest mich mindestens anrufen können. Bei einem Kaffee haben wir uns dann aber wieder versöhnt.

Biel 2013: Heftige Gewitter, die man nicht so schnell vergisst. Es gab aber auch sehr viel Erfreuliches zu berichten, unter anderem von drei Turnfestsiegen aus der Innerschweiz.

Zurzeit läuft in Aarau alles auf Hochtouren. Nun überlege ich mir, ob ich in sechs Jahren in Lausanne nochmals dabei sein soll – um die 10 vollzumachen. Obwohl ich dann zur Kategorie Ü70 gehöre. Eine Überlegung ist es allemal wert.

Sollten Sie mich 2025 sehen, dann winken Sie mir doch zu.

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