Grossanlässe

Ist der Spitzensport nun gerettet? Die sechs wichtigsten Fragen zur Fussball- und Eishockeysaison

«Jeder Schritt, der Perspektiven öffnet, freut uns», sagt St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi.

«Jeder Schritt, der Perspektiven öffnet, freut uns», sagt St.Gallen-Präsident Matthias Hüppi.

Für die Profi-Ligen im Fussball und Eishockey kommt die Stunde der Wahrheit. Sechs Fragen und Antworten.

1. Ist der Schweizer Spitzensport nach dem Bundesratsentscheid nun gerettet?

Die angedachte Öffnung ist überlebenswichtig. Ab 1. Oktober könnten Grossveranstaltungen – also Spiele mit über 1000 Zuschauern – von den ­Kantonen wieder bewilligt werden. Fussball- und Eishockeyklubs atmen vorerst auf, weil sie eine Aussicht haben, in der neuen Saison notwendige Zuschauereinnahmen zu generieren. Aber ihre Rettung ist noch in weiter ­Ferne. Zu unsicher ist die epidemio­logische Lage, und zu ungewiss, ob die Bewilligungen für die Spiele auch wirklich erteilt werden.

2. Wie reagieren Klubs und Liga im Fussball und Eishockey?

Unterschiedlich. Der Tenor im Fussball ist hoffnungsvoll. So sagt St.Gallens Präsident Matthias Hüppi: «Jeder Schritt, der Perspektiven öffnet, freut uns.» Er hätte sich die Öffnung schon Anfang September gewünscht, «der Entscheid bremst uns und bringt Zusatzaufwand.» Luzern-Präsident Philipp Studhalter sagt: «Das ist ein wichtiges Zeichen für den Schweizer Profisport. Wir stehen noch immer im Sturm, sind längst nicht über den Berg – aber wir ­haben einen Pfad entdeckt.»

Im Eishockey sind auch verärgerte Stimmen zu vernehmen. SCB-Chef Marc Lüthi sagt: «Ich bin nicht zufrieden. Wir wissen im Grunde nicht mehr als vorher.» Dies vor allem, weil der Bundesrat die Verantwortung an die Kantone delegiert hat. Das bedeutet: Die Profiklubs müssen nun Gesuche bei verschiedenen kantonalen Behörden einholen und es ist unklar, welche Kriterien gelten. EVZ-CEO Patrick Lengwiler sagt indes: «Es ist im Grundsatz ein guter Tag für den Sport und seine Fans. Es kehrt ein bisschen Alltag in den Sport zurück.»

Denis Vaucher: "Nur Sitzplätze und Maskenpflicht im Stadion"

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Die Schweizer Sportklubs und Organisatoren von Grossanlässen können teilweise aufatmen. Der Bundesrat erlaubt ab dem 1. Oktober unter Auflagen wieder Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern. Denis Vaucher, der Direktor der Eishockey-Liga nimmt Stellung zum Entscheid und wie ihn die Clubs umsetzen werden.

3. Wie viele Zuschauer dürfen denn nun ab Oktober ins Stadion?

Die meisten Vereine haben bereits Schutzkonzepte. Sie sehen eine Auslastung der Stadien zwischen 50 und 60 Prozent vor. Die genauen Bewilligungskriterien im Fussball und Eishockey werden nun im Detail bis zum 2. September in Zusammenarbeit mit den Behörden ausgearbeitet. Kriterien sind unter anderem: nur Sitzplätze, ­keine Gästefans, Unterteilung des ­Stadions in Sektoren mit separaten ­Zu- und Abgängen, Toiletten und Verpflegungsmöglichkeiten. Und eine Maskenpflicht für Zuschauer. Die Idee ist, dass die Masken auf dem ganzen Stadionareal getragen werden – und zwar vom Moment an, wo der Fan sein Transportmittel (Zug, Bus, Tram, Auto, Velo) verlässt. Auch dann, wenn das noch ausserhalb des Areals ist.

4. Wann beginnen Fussball- und Eishockeymeisterschaft?

Im Fussball ist der Starttermin derzeit auf das Wochenende vom 11./12./13. September festgesetzt. Möglich scheint, dass die Liga den Beginn um eine Woche nach hinten schiebt, dann hätte jeder Klub im September noch je ein Heimspiel. Im Eishockey entscheidet die Liga-Versammlung am Freitag. Wahrscheinlichste Variante: Start in der ersten Oktober-Woche. Die bis dahin verpassten sieben Spieltage werden am Schluss der Qualifikation Ende Februar nachgeholt und das gesamte Programm (50 Spiele plus Playoffs) ist noch möglich.

Grossveranstaltungen ab Oktober erlaubt: Startet die Fussball-Saison schon im September? Im Interview: Claudius Schäfer, CEO der Schweizer Fussball-Liga

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5. Kann es sein, dass Spiele nicht bewilligt werden?

Ja, weil die äusseren Umstände (wie Infektionszahlen) von Kanton zu Kanton verschieden sind. Es kann sein, dass in Bern gespielt werden darf, aber nicht im Tessin oder in Genf. Und: Die ­zuständigen kantonalen Behörden müssen Spiele nicht zwingend bewilligen, wenn alle Kriterien erfüllt sind. Sie dürfen. Die Klubs monieren die nach wie vor fehlende Rechts- und Planungs­sicherheit.

6. Braucht es Rettungsgelder des Bundes, damit die Klubs überleben?

Es scheint so. Ansonsten droht mehreren Klubs der Konkurs. Die Voraussetzungen für die Bundeshilfe werden in diesen Tagen neu verhandelt. Heute Donnerstag sprechen die Direktoren der beiden Ligen bei der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur des Nationalrats (wo auch der Sport angesiedelt ist) vor. Die Klubs lehnen insbesondere die Solidarhaftung für die Kredite (wenn einer nicht zurückzahlen kann, werden alle zur Kasse gebeten) ab. Deshalb ist es bisher zu keiner Einigung mit den Behörden gekommen. Es ist davon auszugehen, dass die Parteien einen Konsens finden. Denn zumindest eines ist seit gestern klar: Die ­Bedürfnisse des Sports sind im ­Bewusstsein der Politik angekommen.

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