Leichtathletik in Lausanne
Luzerner Jonas Schöpfer direkt vor Athletissima zurück in der Erfolgsspur

Der Sempacher 800-m-Läufer Jonas Schöpfer misst sich am Donnerstagabend bei Athletissima Lausanne unter speziellen Vorzeichen.

Jörg Greb
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Der 25-jährige Jonas Schöpfer während seinem erfolgreichen Lauf am letzten Samstag in Bern.

Der 25-jährige Jonas Schöpfer während seinem erfolgreichen Lauf am letzten Samstag in Bern.

Athletissima – mit dem Diamond League-Meeting in der Pontaise verbindet Jonas Schöpfer prägende Erinnerungen: ein brodelndes Stadion, Motivation pur und ein bleibender Sieg. Anfang Juli 2019 war’s, als der damals 23-Jährige über 800 m in der nationalen Serie obenaus schwang. Vor allem zusätzliches Selbstvertrauen holte er sich. Er schaffte eine wichtige Basis, um den Schweizer-Meister-Titel von 2017 zurückzuerobern und seine persönliche Bestzeit weiter auf 1:48,07 Minuten zu steigern. Letztes Jahr glückte ihm der nächste Schritt auf 1:47,63.

Und in diesem Jahr? Funkstille. Von Schöpfer ist kaum etwas zu vernehmen gewesen. Zwar lief er an den Hallen-Meisterschaften Mitte Februar erstmals indoor – sehr gut: Nur um 11 Hundertstel verpasste er den Titelgewinn. «Ich bin auf sehr gutem Weg», schloss er damals. Auf dieser vielversprechenden Basis aber konnte er nicht wunschgemäss aufbauen. Rückblickend sagt er jetzt:

«Es passte einfach nicht zusammen. Mir wurde in den folgenden Wochen und Monaten wieder einmal bewusst, wie kompliziert das Laufen trotz seiner anscheinenden Einfachheit ist. So viel muss zusammenstimmen.»

Drei Wochen Pause – mitten in der Saison

Fakt ist, dass zu Beginn der Freiluftsaison im Mai und Juni weder das Körpergefühl noch die Leistungen stimmten. Schöpfer versuchte, sich den Fakten entgegenzustemmen. Er setzte zusätzliche Trainingsimpulse. Und musste feststellen: «Die Anstrengungen bringen mich nicht weiter.» Schlimmer noch: «Die Luft war immer mehr draussen.»

Zusammen mit Coach Andy Vögtli – er coachte einst André Bucher zum 800-m-Weltmeister – entschied sich Schöpfer Mitte Juni zuerst zu einer Laufpause von zehn Tagen. Der Effekt blieb aus. Stattdessen erkannte er: «Es wurde nur noch schlimmer, denn es tauchten ungewohnte muskuläre Probleme auf während der Pause.» Medizinischen Tests aber fielen negativ aus. Er verlängerte die Pause auf drei Wochen. Kein Training, keine Wettkämpfe.

Auch dem Kopf eine Auszeit zugestanden

Auch dem Kopf ermöglichte Schöpfer so, Distanz zum Belastenden zu gewinnen. Um eine «harte Entscheidung» handelte es sich dennoch. Die Schweizer Meisterschaften und damit die Aussicht auf den dritten Titel in Serie schrieb er so ab. Und damit verbunden: 2021 dürfte die erste Saison ohne Einzeltitel (Elite oder Nachwuchs) werden. Und geblieben ist die Frage nach dem Grund. Schöpfer sagt selbstkritisch:

«Wohl wollte ich zu viel auf einmal und die Trainingsreize wirkten nicht wunschgemäss.»

Ans Trainingslager im Frühling, den Aufenthalt im Höhenzimmer zu Hause und die einzelnen Trainingsbelastungen denkt er. Das ist vorbei, und jetzt überwiegt wieder das Erfreuliche: Der radikale Schnitt zeigte Wirkung. Schöpfer musste zwar «weit unten beginnen», aber es ging rasch aufwärts. Anhand der bisherigen drei Rennen innert gut zwei Wochen zeigen sich die Fortschritte: Über 1:53,23 steigerte er sich auf 1:50,47 und am letzten Samstag in Bern auf 1:49,60 Minuten. Und jetzt also Athletissima. Schöpfer sagt:

«Ich freue mich, aber ich will nichts überstürzen, sondern Schritt für Schritt nehmen.»

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