Eishockeyjunioren

Junioren statt grosser Stars: Nehmen nur noch Junioren-Eishockeyspieler an den Olympischen Spielen teil?

Dieser Superstar würde nicht mehr an Olympia spielen, wenn es ein Nachwuchsturnier wäre: Ilja Kowaltschuk (l.) vom Team OAR im Zweikampf mit Ryan Gunderson.

Dieser Superstar würde nicht mehr an Olympia spielen, wenn es ein Nachwuchsturnier wäre: Ilja Kowaltschuk (l.) vom Team OAR im Zweikampf mit Ryan Gunderson.

Trotz Abgeltung von 10 000 Dollar pro Spieler, wollen die Klubs künftig nur noch Junioren im Olympia-Hockeyturnier. Gibt es an den Olympischen Spielen bald nur noch Trompetengold zu gewinnen?

Kommen die NHL-Stars? Diese Frage dominierte monatelang die Diskussionen vor dem olympischen Eishockeyturnier. In Südkorea sind sie erstmals seit 1998 nicht mehr dabei – aber inzwischen kümmert das niemanden mehr. René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) und IOC-Mitglied, sagt es so: «Die Spezialisten beklagen wegen der Absenz der besten Spieler fehlende Qualität. Aber Eishockey lebt auch von den Emotionen. Und die haben wir hier. Auch dank dem überraschenden Erfolg der Deutschen.»

Für den welthöchsten Eishockey-Funktionär ist die Teilnahme der NHL-Stars kein zentrales Thema mehr. Ob die NHL die Spieler für das nächste Turnier 2022 in Peking freigibt, ist gemäss René Fasel fraglich. Und ganz unglücklich wäre er nicht, wenn die NHL-Stars nicht kommen.

NHL-Auftritt kostet viel Geld

Allein für Versicherungen und Unterkunft musste das IOC bei den Spielen 2014 in Sotschi 14 Millionen Dollar überweisen. Die IIHF legt noch einmal 6 Millionen für die «Players Lounge» und die ganze Gästebewirtung dazu. Die NHL-Generäle sorgen beim olympischen Turnier durch Arroganz und Begehrlichkeiten ohnehin für Ärger. Gibt die NHL ihre Stars nicht frei, können weit über 10 Millionen Dollar eingespart werden.

So oder so wird der aktuelle olympische «Turbo-Modus» beibehalten. Er ist wegen der NHL-Stars kreiert worden, um das Turnier so kurz wie möglich zu halten. René Fasel sagt: «Diesen Modus ändern wir nicht. Ein kurzes Turnier ist auch im Interesse der europäischen Ligen.»

Olympisches Trompetengold 

In Europa lauert nun die grösste Gefahr: So wie die NHL möchten mehrere europäische Ligen ihre Spieler nicht mehr freigeben und während der olympischen Pause durchspielen. René Fasel bestätigt diesen Trend: «Die Ligen drängen darauf, das olympische Eishockeyturnier mit Nachwuchsspielern zu bestreiten. Ähnlich wie beim olympischen Fussballturnier.»

Die Alterslimite wäre im Eishockey tiefer als im Fussball. Es würde wohl ein U21- oder U20-Turnier. Mit dem Versuch, die NHL dazu zu bringen, die Spieler dieser Altersklasse freizugeben. Was völlig unrealistisch ist. Der oberste Hockey-Boss hält wenig von diesen Bestrebungen. Er ahnt, er weiss: So könnte das olympische Turnier «zerstört» werden. Das Interesse würde massiv zurückgehen, olympisches Eishockey-Gold wäre allenfalls noch aus Trompetengold.

Geld soll die Klubs erreichen

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum die IIHF auf einmal gegenüber den Klubs so spendabel ist. Zum ersten Mal in der Geschichte entschädigt der Internationale Eishockeyverband die Klubs direkt für jeden Spieler, der beim olympischen Turnier mitmacht.

10 000 Dollar pro Spieler. Das macht beispielsweise allein für den SCB, der 13 seiner Stars hier im Einsatz hat beziehungsweise hatte, satte 130 000 Dollar. Insgesamt werden drei Millionen Dollar an die Klubs ausgeschüttet. René Fasel ergänzt: «Wir werden dafür besorgt sein, dass dieses Geld tatsächlich zu den Klubs geht und nicht von den Landesverbänden einkassiert wird.» So hat doch der SCB ein kleines «Trösterli», wenn Andrew Ebbett verletzt aus Südkorea heimkehren sollte. Der Kanadier bestätigt, dass er hier trotz einer «Unterkörperverletzung» spielt. Gestern auch gegen Deutschland.

Die politische Durchsetzung einer Marginalisierung des olympischen Eishockeyturniers zu einem faden Nachwuchswettbewerb ist allerdings nicht so einfach: Dazu braucht es die Zustimmung beim IIHF-Kongress. Aber die Ligen sind keine stimmberechtigten Mitglieder des internationalen Verbandes. Stattdessen sind es nach wie vor die jeweiligen Landesverbände. Die werden zwar mehr und mehr von den Ligen dominiert. Aber eine Herabstufung des olympischen Turniers ist gegen das vitale Interesse der nationalen Verbände.

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