Springreiten

Kistler wählt das Olympia-Team: «Einige müssen professioneller arbeiten»

Andy Kistler (rechts) führte die Schweizer Equipe 2015 zu EM-Bronze. Nun wartet am Zuckerhut eine noch grössere Herausforderung auf den Schwyzer.

Andy Kistler (rechts) führte die Schweizer Equipe 2015 zu EM-Bronze. Nun wartet am Zuckerhut eine noch grössere Herausforderung auf den Schwyzer.

Equipenchef Andy Kistler hofft bei der Team-Selektion auf die Qual der Wahl und verlangt Professionalität. Eine Teammedaille bei den Olympischen Spielen in Rio ist das Ziel. Ob die Stars Guerdat und Schwizer Beihilfe leisten werden, ist noch offen.

Erst in letzter Minute qualifizierten sich die Schweizer für Olympia. Bei den Europameisterschaften in Aachen sicherte sich das Team neben dem Ticket für Brasilien auch noch die Bronzemedaille. Und das ohne ihre beiden Teamleader. Olympiasieger Steve Guerdat war wegen eines Dopingverdachts gesperrt, das Futter seines Paradepferdes Nino de Buissonnets war verunreinigt. Inzwischen sind beide freigesprochen. Und Pius Schwizer verlor ein Pferd nach dem anderen.

So musste es das Quartett Janika Sprunger, Martin Fuchs, Romain Duguet und Paul Estermann richten. Als Ersatzmann war Niklaus Rutschi dabei. Und so ist nun Equipenchef Andy Kistler gefordert. Entweder reisst er für Rio das Erfolgsquartett auseinander oder er lässt seine Stars zu Hause.

Mit Fitness und richtiger Ernährung zum Ziel

«Ich habe mit der Selektion überhaupt kein Problem», sagt der 61-jährige Unternehmer, der seit zwei Jahren in der Verantwortung steht: «Die Spielregeln sind klar, die beste Equipe reist nach Brasilien, und ich hoffe, ich habe bei der Nomination die Qual der Wahl.» Und weil er alle Kandidaten gern habe, falle ihm der Entscheid nach rein sportlichen Kriterien auch nicht schwer.

Im Moment sei noch alles offen. Neben den bereits genannten dürften sich auch alle weiteren Reiter aus dem 16-köpfigen Elitekader Hoffnungen machen. Doch Kistler legt die Messlatte hoch: «Beim Kadermeeting im Oktober nannte ein Reiter die Teammedaille als Ziel, und das ist nun unsere Ambition.» Es zähle einzig der Erfolg. «Das wird keine Ferienreise», sagt Kistler und betont: «Ich verlange absolute Professionalität.» Dazu gehörten auch Fitness, Ernährung und mentale Stärke. «Ich habe einigen aus dem Kader klar gesagt, sie müssten professioneller arbeiten, sonst reicht es sicher nicht», erklärt er. Richtige Sportler wolle er.

Die Rolle als klagloser Tourist

Für die Selektion berücksichtige er Resultate und vor allem die aktuelle Form. Gute Resultate in der Vergangenheit müssen kein Pluspunkt sein. «Die meisten Reiter müssen in dieser Hinsicht ja nur noch wenig beweisen.» Dabei spreche er sich natürlich mit Thomas Fuchs ab. Der ehemalige Springreiter und Vater von Martin bekleidet das Amt des Trainers. «Aber die Selektion nehme ich alleine vor», betont Kistler.

Bis 29. April erstellt Kistler eine Liste mit den Namen der möglichen Reiter. Bis 26. Juni muss er zwölf Reiter und zwölf Pferde plus drei Ersatzpferde melden. Bis 18. Juli muss er dann das Team melden, vier Reiter mit vier Pferden plus ein Ersatzpaar. Das darf er in Rio aber nur einsetzen, wenn ein anderes Paar nicht starten kann. «Das macht es nicht einfacher, beim Ersatzreiter muss ich gut überlegen, wer diese Rolle klaglos übernimmt, denn normalerweise bleibt er Tourist», sagt Kistler.

Auch das Umfeld eines Reiters, sprich den Besitzer des Pferdes müsse der dabei im Blick haben. Bis 15. Januar müssen übrigens alle Pferde in Schweizer Besitz sein.

Guerdat spricht Klartext

Keine Sorgen macht sich Kistler in Sachen seiner Teamleader. «Jedes Land müsste froh sein, einen wie Steve zu haben», lobt er Guerdat. Der 33-Jährige sei von allen als natürlicher Leader akzeptiert, helfe, wo er nur könne: als Reiter, als Berater oder auch als Antreiber.

So war Guerdat auch in Aachen dabei. «Als wir nach dem ersten Springen noch weit zurücklagen, hat er richtig Klartext geredet», erzählt Kistler: «Und Steve will auch nur ins Team, wenn er sieht, er gehört auch dazu, ansonsten zieht er freiwillig zurück. Das gelte auch für Schwizer. Klar wolle der mit seinen 53 Jahren nochmals bei Olympia starten. «Aber auch Pius schätzt sich richtig ein und ist übrigens genauso hilfsbereit wie Steve», betont Kistler.

Respekt vor der Herausforderung «Rio»

Jeder Kaderreiter habe nun einen Fragebogen, wo er seine Ziele, seine Ambitionen und seine Planung formuliere. «In drei Wochen sitzen wir dann in Zürich alle zusammen und besprechen das», sagt Kistler. Denn wichtig sei auch, die Pferde jetzt richtig einzusetzen.

Denn das Jahr werde intensiv: «Noch mehr als 2015, wo wir schon die Probleme mit Steve und Pius nicht erwartet haben.» Kistler selbst hat riesigen Respekt vor der Herausforderung: «Olympia ist zehnmal so gross wie eine EM, das Interesse ist ganz anders.» Dazu komme die lange Zeit des Zusammenseins, eine Woche in Brasilien, bevor es richtig losgeht. «Auch das muss ich bei der Selektion berücksichtigen», weiss Kistler und verzichtet darum auf ein Trainingslager zuvor in der Schweiz.

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