Was für ein Abend. In seinem bisher bedeutendsten Spiel der Verbandsgeschichte geht der Kosovo am Dienstag gegen England bereits nach 34 Sekunden in Führung. Zur Pause liegt der Kosovo dann 1:5 zurück, schlussendlich unterliegt die jüngste Fifa-Nation dem Mutterland des Fussballs mit 3:5.

«Finale »in Tschechien? Challandes macht sich berechtigte Hoffnungen

Mittendrin: der Schweizer Trainer Bernard Challandes. Seit März 2018 ist er beim Kosovo der Chef an der Seitenlinie. Am Tag nach dem Spiel in Southampton sagt er gegenüber dieser Zeitung: «Ich wollte ein Crazy-Spiel. Das ist uns gelungen, auch wenn wir unsere Fehler sofort bezahlt haben. Zwischenzeitlich wussten wir nicht mehr, wer wir sind.» Dennoch sei es ein interessantes und lehrreiches Spiel gewesen. Ein Kompliment von England-Trainer Gareth Southgate war den Kosovaren sicher.

Die Chancen auf die erstmalige EM-Qualifikation sind für die junge Nation trotz der Niederlage intakt. Nur ein Punkt trennt den Kosovo derzeit von Tschechien. Bernard Challandes hofft auf einen «Final» am 14. November gegen die Tschechen – auch wenn er weiss, dass der Weg bis dorthin steinig wird. Weitaus bessere Chancen räumt der Westschweizer seinem Team am Finalturnier der Nations League ein, wo der Kosovo im März voraussichtlich auf Georgien, Weissrussland und Nordmazedonien trifft, sofern er sich nicht vorher schon qualifiziert.

So funktionieren die Nations-League-Playoffs

Bernard Challandes fühlt sich falsch verstanden

Die Euphorie im Land ist dementsprechend gross: «Die Fans sind verrückt nach der Mannschaft», sagt Challandes und fügt an, dass er dies als Trainer ausnützen müsse – in Bezug auf die Motivation der Spieler. Diese Motivationsreden hält er in englischer Sprache ab, obschon er Spieler im Kader hat, die fliessend Deutsch sprechen. Dennoch sei Englisch einfacher. «So verstehen alle, was ich will. Und die Spieler haben schliesslich Englisch in der Schule gelernt», erklärt er.

Reaktionen zum Spiel gegen England hat er ebenfalls bekommen – auch persönliche. Diese freuen ihn. Ganz im Gegensatz zu dem, was in den sozialen Medien geschrieben wird. «Ich bin zwar nicht viel auf Social Media, aber die Sache mit der Pressekonferenz habe ich dennoch mitbekommen.» Vor dem Spiel gegen Tschechien vom Samstag zeigte er sich an der Medienkonferenz enthusiastisch. Die Medien hätten geschrieben, er habe dies im Vorfeld des England-Spiels gesagt, das stimme aber nicht. Zudem habe man ihn grundsätzlich nicht richtig verstanden. Man müsse das Ganze im Kontext sehen. Er habe sich erklären müssen, weil er viele verletzte Spieler hatte und ausdrücken wollte, dass es keine Rolle spiele, wer auf dem Platz steht, sondern mit welcher Einstellung und Mentalität. «Meine Aussagen waren absichtlich überspitzt.»

Wo es aber keine Missverständnisse mehr gibt, ist in der Stärke des kosovarischen Nationalteams. Nach 14 Spielen ohne Niederlage musste die Challandes-Elf am Dienstag zum ersten Mal in seiner Amtszeit als Verlierer vom Feld. Die Zeit für einen ersten grossen Wurf, namentlich die EM-Qualifikation, ist womöglich bald reif. Auch dank gütiger Mithilfe eines Schweizers.