WM-Kolumne
Lächeln für das Allegra-Prinzip

In unserer täglichen WM-Kolumne wird dieses Mal das Allegra-Prinzip erklärt, welches im Zusammenhang mit den unzähligen Voluntaris steht, die im Hintergrund unermüdlich arbeiten.

Roman Würsch
Roman Würsch
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Roman und Mirjam Würsch sind als freiwillige Helfer an der Ski-WM in St. Moritz. Hier im Zielraum auf Salastrains.

Roman und Mirjam Würsch sind als freiwillige Helfer an der Ski-WM in St. Moritz. Hier im Zielraum auf Salastrains.

Roman Würsch

Voluntaris sind das Aushängeschild jeder grossen Sportveranstaltung. Nicht nur die Olympischen Spiele sind auf die freiwilligen Helfer angewiesen, auch Events wie Welt- oder Europameisterschaften und viele mehr brauchen diese hoch motivierten Helfer.

In eine auffällige Uniform gepackt, werden die Voluntaris zur Seele dieser Veranstaltungen. Das ist an den Ski-Titelkämpfen nicht anders. Die geschmackvolle und funktionale gelb-blaue Uniform ist allgegenwärtig. Über 1300 Voluntaris sind im Engadin im Einsatz – und für das Image der WM mitverantwortlich.

Damit das gut kommt, haben sich die Organisatoren etwas einfallen lassen: das «Allegra-Prinzip». Allegra ist als freundlicher Gruss jedem bekannt, der das wunderbare Hochtal schon besucht hat.

Das Allegra-Prinzip funktioniert so. A steht für «Augenkontakt»: Schau mir in die Augen Kleines ist wohl nicht gemeint, sondern der offene, fröhliche, Hilfsbereitschaft aussendende Blick.

Zum Augenkontakt gehört das «Lächeln» (L). Der Griesgram von Gleis 3 auf dem 07.26-Zug hat also nichts verloren in der Voluntari-Uniform.

Das zweite L steht für «lass mich helfen». Man muss ja nicht alle Wünsche von den Augen ablesen, aber der allzeit bereite Voluntari sollte zumindest nicht verschämt den Blick abwenden, wenn Hilfe vonnöten sein könnte.

E wie «Erwartungen übertreffen». Da der Ruf der Schweizer Bevölkerung bereits als hilfsbereit, liebenswürdig und offen um die Welt eilt, steht der Voluntari hier vor einer echten Herausforderung. Aber vielleicht ist es ganz anders.

G wie «gerne ja» gilt nicht nur für die Annahme von Trinkgeld. Es gilt vor allem auch für den unerwarteten Einsatz und spezielle Anforderungen.

Schliesslich das Schwierigste überhaupt: Zugeben, dass man etwas nicht verstanden hat und den Modus R wie «Rückfragen» aktivieren muss.

Mit dem finalen A kommt das Geschäft ins Spiel: «Auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal» ist ganz im Sinn der Touristiker. Bleibt zu hoffen, dass der gute Eindruck, den die Voluntaris geschaffen haben, nicht durch die Preispolitik der Gastronomie leicht gesäuert wird.

Für den Fall, dass all die netten Eigenschaften nicht systemimmanent sind, haben die Voluntaris am Kick-off in Pontresina einen Mini-Spiegel erhalten, um das Lächeln zu prüfen und das Allegra-Prinzip zu repetieren. Aufgrund der vielen fröhlichen Menschen im Engadin können wir annehmen, dass das Allegra-Prinzip nicht nur den Voluntaris empfohlen worden ist.

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