Bolt blieb in leichtem Gegenwind hinter den Erwartungen zurück. 9,90 Sekunden bei guten Sprintverhältnissen entsprechen nicht seinem Potenzial. Nach einem schwachen Start - der achtfache Weltmeister wies die schlechteste Reaktionszeit aus - sah es gar lange nach der zweiten Saisonniederlage des 27-jährigen Jamaikaners über 100 m in diesem Jahr aus, nachdem er in Rom von Justin Gatlin bezwungen worden war. Erst am Schluss fing er mit seinen raumgreifenden Schritten noch den Landsmann Nickel Ashmeade (9,94) und den US-Boy Gatlin (9,96) ab.

"Es ist schon spät in der Saison", sagte Bolt. "Das Rennen war wirklich hart. Es zeigte, dass ich nicht in jener Form bin, in der ich sein sollte. Es war das schlechteste Rennen der Saison. Je mehr ich laufe, desto schlechter wird meine Reaktionszeit." In der Tat war der sechsfache Olympiasieger in der Schweiz in der Königsdisziplin noch nie langsamer gewesen: Bei seinen Siegen 2008 und 2009 in Zürich erreichte Bolt 9,83 respektive 9,81 Sekunden, 2010 triumphierte er in Lausanne mit 9,82. Dabei waren die Bedingungen keineswegs schlecht, wenn auch nicht optimal. Vor dem Meeting hatte Bolt gesagt, dass er sich gut fühle und eine 9,7er-Zeit möglich sei.