Büchel musste sich einzig Halimah Nakaayi aus Uganda geschlagen geben. Allerdings verpasste die 27-jährige Toggenburgerin mit 2:02,32 Minuten die Anfang Juni in Prag erzielte Saisonbestleistung um 83 Hundertstelsekunden. Insofern war sie nicht restlos zufrieden. "Das ist nicht die Zeit, die ich mir erhofft hatte", sagte Büchel gegenüber dem Schweizer Fernsehen.

Umso glücklicher war sie mit ihrer Taktik. Sie reihte sich zunächst ganz hinten ein, ehe sie auf der zweiten Runde aufdrehte. Der 2. Platz in einem gut besetzten Feld gibt ihr Selbstvertrauen. Bereits am Sonntag wird sie im marokkanischen Rabat erneut im Rahmen der Diamond League an den Start gehen.

Sprunger ratlos

Ganz anders war die Gefühlslage bei Sprunger. Die 29-jährige Waadtländerin wollte sich für das schwache Saisondebüt über 400 m Hürden eine Woche zuvor in Rom rehabilitieren. Das misslang ihr aber gründlich. Mit 56,46 Sekunden war sie gar um ein Zehntel langsamer als in der italienischen Hauptstadt. Eine schlechtere Zeit in dieser Disziplin war sie letztmals vor ziemlich genau vier Jahren gelaufen. So musste Sprunger mit dem siebenten und zweitletzten Platz vorlieb nehmen. Den Sieg sicherte sich in 54,16 Sekunden die erst 19-jährige Sydney McLaughlin, die ihr Rennen perfekt einteilte.

Hatte Sprunger in Rom noch eine Erklärung für den schwachen Auftritt, war sie diesmal ratlos. Zwar befindet sie sich in der Vorbereitung aufgrund einer Nerven-Entzündung im Lendenwirbel in Rückstand und ist der Rücken nach wie vor "nicht optimal, dennoch kann es nicht sein, dass ich eine 56er-Zeit laufe." Schon vor einem Jahr war Sprunger der Saisonauftakt über 400 m Hürden in Rom (56,38) missglückt, danach gelang ihr in Oslo aber eine enorme Steigerung (55,07). Insofern ist die Ratlosigkeit mehr als verständlich.

Warholm mit Europarekord

Für den Höhepunkt aus internationaler Sicht zeichnete sehr zur Freude des Publikums im ausverkauften Bislett-Stadion der Einheimische Karsten Warholm verantwortlich. Der 23-jährige Welt- und Europameister verbesserte mit 47,33 Sekunden den beinahe 24 Jahre alten Europarekord um vier Hundertstel. Die bisherige Bestmarke hatte der Franzose Stéphane Diagana am 5. Juli 1995 aufgestellt.

Im 100-m-Rennen der Männer erzielte der 23-jährige Amerikaner Christian Coleman mit 9,85 Sekunden eine Jahresweltbestleistung. Der WM-Silbermedaillengewinner von 2017 in der Königsdisziplin war bei einem Rückenwind von 0,9 m/s um ein Hundertstel schneller als in Schanghai. Auch dessen Landsmann Noah Lyles und der Nigerianer Divine Oduduru sind in diesem Jahr schon 9,86 Sekunden gelaufen.

Insgesamt gab es in Oslo fünf Jahresweltbestmarken. Neben Coleman schafften eine solche der Pole Marcin Lewandowski über eine Meile (3:52,34), der Äthiopier Selemon Barega über 3000 m (7:32,17), die Russin Maria Lasizkene im Hochsprung (2,01) und die Kolumbianerin Caterina Ibarguen im Dreisprung (14,79). Lewandowski machte sich mit dem überraschenden Sieg gleich selber ein schönes Geschenk, feierte er doch seinen 32. Geburtstag.