Ligue 1
Plötzlich im Scheinwerferlicht: Wie Lionel Messi in Frankreich einen Run auf die Fernsehrechte auslöst

Für die französische Ligue 1 interessierten sich nicht einmal die Fernsehanstalten. Seit Lionel Messi ist alles anders.

Raphael Gutzwiller
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Lionel Messi im Duell mit Reims Captain Yunis Abdelhamid.

Lionel Messi im Duell mit Reims Captain Yunis Abdelhamid.

Francois Mori / AP

In einer Zeit, in der Fussball nur am Fernsehen stattfand, wurden in Frankreich die Bildschirme plötzlich schwarz. Oktober 2020, der Rechteinhaber Mediapro mit seinem Sender Téléfoot war zahlungsunfähig.

Und die Sender Amazon, Dazn und Eurosport hielten sich zurück, ehe für wenig Geld doch noch Canal+ den Rest der Saison übertragen durfte. Die französische Liga wurde wieder einmal hart getroffen. Jene Topliga, die als einzige schon in der Vorsaison die Meisterschaft abgebrochen hatte, stand vor ihren Trümmern und dem Pleitegeier.

Szenenwechsel: In Reimes steigt am letzten Sonntag eine Begegnung, die noch in den Vergangenheit keiner ausserhalb der französischen Grenze interessiert hat. Stade Reimes empfängt Paris St.-Germain. Die Frage nach dem Sieger scheint angesichts des Pariser Starensembles schon vor der Partie festzustehen. Doch es ist auch der Tag von Lionel Messis Debüt im PSG-Trikot. Und darum schalten sie ein: Die Fans des argentinischen Stürmers rund um den Globus, die nun die französische Liga verfolgen.

Mbappé und Neymar waren schon da, aber Messi änderte alles

Für die Ligue 1 ist der Transfer von Lionel Messi ein Segen. Mit Neymar und Kylian Mbappé spielten zwar bereits zwei der grössten Weltstars in der französischen Liga für PSG, doch erst Lionel Messi gibt der Liga die ganz grosse Aufmerksamkeit.

Die drei Pariser Superstars (von links): Neymar, Lionel Messi und Kylian Mbappé.

Die drei Pariser Superstars (von links): Neymar, Lionel Messi und Kylian Mbappé.

Yoan Valat / EPA

Dem amerikanischen Streamingdienst Amazon Prime kommt dies gerade recht. Amazon hat sich auf diese Saison hin die Fernsehrechte geholt, die einst an Mediapro gegangen waren – für einen deutlich tieferen Preis. Die anderen 20 Prozent der französischen Liga übertragen die langjährigen Ligapartner Canal+ und beIN.

Selbst in der Schweiz ist nach Lionel Messis Wechsel nach Frankreich rasch einiges gegangen. Statt den wenigen Spielen, die Canal+ auch in die Schweiz übertragen hat, sind jetzt weit mehr Spiele zu sehen. Der Schweizer Pay-TV-Sender Blue Sports hat sich kurzerhand die Rechte hierzulande gesichert.

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Messi & Co.

Anfang der Saison war es noch kompliziert für Schweizer Fussballfans, die Ligue 1 zu sehen. Lediglich einige wenige Partien waren über das Sportangebot von Canal+ verfügbar, das es alleinstehend im Abo für 19 Franken gibt.  
Doch seit Lionel Messi nach Frankreich wechselte, änderte sich das Interesse auch im Schweizer TV-Markt. Kurzfristig stieg «Blue Sports» ein. Der Schweizer Pay-TV-Sender zeigt pro Runde vier Spiele, der Fokus liegt dabei auf Partien von PSG sowie jenen mit Schweizer Beteiligung. So sollen etwa auch Spiele mit Lyons Xherdan Shaqiri hoch im Kurs stehen. Die Partien gibt es bei Blue im Abo für 29.90 Franken pro Monat oder im Einzelabruf für 9.90 Franken pro Spiel zu sehen.

Spanien verliert die Stars, England und Frankreich gewinnt sie

Durch das gestiegene Interesse an der Ligue 1 ist die Liga auch plötzlich weit mehr wert. Gerade auch im Vergleich zur spanischen und italienischen Liga ist dies auf dem TV-Markt durchaus interessant. Die italienische Serie A musste Romelu Lukaku und Cristiano Ronaldo in Richtung England abgeben, aus Spanien wechselte neben Messi auch Sergio Ramos nach Frankreich. Die Ligue 1 allerdings – sportlich derzeit noch hinter Portugal sogar nur die sechstbeste Liga Europas – gewinnt an Wert.

Trikots mit dem Namen Messi sind beliebt.

Trikots mit dem Namen Messi sind beliebt.

Francois Mori / AP

Davon träumte die Liga schon nach der spektakulären Vergabe der Fernsehrechte der Jahre 2020 bis 2024. Sie verkündete, dass sie nun zu den «Big Five» zählt und dass die Meisterschaft nun 1,3 Milliarden einspielen würde. Das änderte sich schliesslich, nachdem Mediapro ausgestiegen ist. Und jetzt also Lionel Messi. Kurzfristig fliesst das grosse Geld deswegen noch nicht, aber die Ausgangslage der Ligue 1 hat sich drastisch verbessert – und das nur wegen Messi. Wenn PSG spielt, schaut nun die ganze Welt zu.

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