Fussball

5 Vereine mit und 2 ohne: So steht es um den Mädchenfussball im Limmattal

Beim FC Dietikon herrscht Aufbruchstimmung, er will beim Mädchen- und Damenfussball wieder seine alte Grösse erlangen. Beim FC Uitikon gibt es zudem einen regelrechten Mädchen-Boom. Die Situation bei allen Limmattaler Teams im Überblick.

David De Sando sitzt im Klubhaus des FC Dietikon und blickt während des Gesprächs immer wieder verstohlen auf sein Handy. Der 40-jährige frühere Aktive ist seit Beginn der neuen Saison als Chefcoach verantwortlich für das einzige B-Juniorinnenteam der Bezirkshauptstädter. Doch am vergangenen und diesem Wochenende ist er quasi zum Nichtstun verdammt. «Zwei Partien fallen aus. Gegen Wipkingen mussten wir verschieben, weil wir zu wenig Spielerinnen haben. Und Freienbach hat sein Team aus der Meisterschaft zurückgezogen.» Das sei natürlich schade für die Mädchen, die sich auf jedes Spiel unglaublich freuen, fügt er an, aber nun mal nicht zu ändern. Und so organisierte De Sando für sein Team kurzerhand ein Alternativprogramm. Ein Besuch im Fifa-Museum in Zürich stand am vergangenen Samstag auf dem Programm. De Sando arbeitet beim Weltfussballverband als Key ­Account Manager. Er muss darum in ein paar Minuten los.

Loslegen wollen die Dietiker in den nächsten Jahren auch im Damenfussball. Das Ziel sei es, dereinst wieder eine Aktivmannschaft zu führen, äussert sich Pascal Stüssi, seit 2018 Juniorenobmann auf der Dornau. Man erinnert sich: Von 1982 bis 2008 spielte beim FC Dietikon eine Damenmannschaft, welche in ihren grossen Zeiten in der Nationalliga B für Furore sorgte. «So weit sind wir noch lange nicht», sagt De Sando schmunzelnd, «erstes Ziel ist es, das Kader unserer B-Juniorinnen auf 15 Spielerinnen aufzustocken.» Das sei realistisch, weil immer wieder andere Mädchen in eines der Trainings unter der Woche kommen und reinschnuppern würden. «Kürzlich waren zwei Girls bei uns. Mal schauen, ob wir sie nächste Woche wieder sehen werden.»

Unterstützt wird De Sando von der bisherigen Trainerin Leonie Markanovic. «Die beiden harmonieren ideal», freut sich Stüssi, «sie tragen unsere Vorwärtsstrategie mit.» De Sando amtet als Ausbildner der kleinen Kickerinnen mit den Jahrgängen 2004 bis 2007, Markanovic ist für den Zusammenhalt verantwortlich. «Das klappt ausgezeichnet», freut sich De Sando. Für ihn sei der Umgang mit Mädchen auf dem Platz überhaupt kein Problem. «Sehen Sie, ich habe daheim vier Frauen», sagt er lachend, «ich habe gewusst, was da auf mich zukommen würde.»

Seit vergangenem Jahr führt auch der 4.-Liga-Verein FC Uitikon eine Mädchenmannschaft bei den E-Juniorinnen. Laut Vereinspräsident Martin Cincera habe es in der Vergangenheit immer wieder Mädchen gegeben, «die bei uns im Verein gekickt haben». Doch erst im Oktober 2019 reichte es für die Gründung eines Teams. So spielen aktuell 14 Mädchen mit den Jahrgängen 2009 bis 2011 im gelbroten Uitiker Dress. Cincera sagt: «Vor einem Jahr erlebten wir einen regelrechten Ansturm von jungen Fussballerinnen. Da war der Zeitpunkt gekommen, um Nägel mit Köpfen zu machen.» Sprich: ein Team für den Meisterschaftsbetrieb anzumelden. Mit Vladimir Garic war ein Trainer schnell gefunden, am 5. September begann mit dem ersten Meisterschaftsspiel gegen Lachen/Altendorf in Uitikon eine neue Zeitrechnung: jene des Mädchenfussballs. Geht es nach Vereinsboss Cincera, wird in nächster Zeit ausgebaut. «Wir hätten bei uns Platz für weitere Mädchenteams, auch Betreuer und Schiedsrichter stehen in den Startlöchern.» Für Fans: Heute Samstag, 19. September, steht auf der heimischen Anlage Sürenloh das Limmattaler Derby gegen die Kolleginnen aus Schlieren auf dem Programm. Anpfiff ist um 10 Uhr.

«Manche brauchen halt ein bisschen länger ...»

Seit acht Jahren frönen Mädchen beim 4.-Ligisten Birmensdorf ihrem liebsten Hobby. Andreas Eggenberger, Juniorenobmann beim FCB, meint mit einem Schmunzeln: «Ich habe gelesen, auch Borussia Dortmund plant, eine Damenmannschaft zu gründen. Wir haben das schon 2016 mit den Juniorinnenteams gemacht. Manche brauchen halt ein bisschen länger …» In der laufenden Saison spielen drei FCB-­Teams in der Meisterschaft mit, total 47 Mädchen rennen auf der Geren mit grossem Elan dem runden Leder hinterher. Federführend bei der Gründung des ersten Mädchenteams waren damals Gabriella Florin, die früher selber aktiv Fussball gespielt hatte und jetzt Trainerin der C-Juniorinnen ist, sowie Thomas Stucki, der sich seit weit über einem Jahrzehnt beim FCB im Nachwuchs engagiert.

Beim FC Oetwil-Geroldswil begann das Zeitalter des Mädchenfussballs vor 15 Jahren mit einem B-Juniorinnen-Team. Nach einem Boom in den ersten Jahren sei die Nachfrage bei den jungen Spielerinnen in letzter Zeit ein wenig abgeflacht, sagt Nadine Tobler, damals Mit-Initiantin und jetzt Captain der von Amadeus Zimmermann gecoachten 4.-Liga-Damenmannschaft. «Es gibt nach wie vor Mädchen, die sich für Fussball begeistern, jedoch lässt die Motivation im Teenageralter dann meistens etwas nach. Zudem glaube ich nach wie vor, dass einige Klischees standhaft bestehen, dass Fussball kein Mädchensport sei und sich deshalb viele Mädchen für andere Sportarten oder andere Hobbys entscheiden.» Aktuell spielen rund 30 Mädchen und Frauen beim FCOG.

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