Fussball
Der FC Dietikon ist noch weit weg von der «bella figura»

Im Tessin misslingt dem FC Dietikon der 1.-Liga-Auftakt auf der ganzen Linie – er wird von Mendrisio mit sieben Toren malträtiert.

Calvin Stettler
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Auch in der neuen Saison sind Tore gefordert: Dietikons Stürmer Luca Dimita.

Auch in der neuen Saison sind Tore gefordert: Dietikons Stürmer Luca Dimita.

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In der Peripherie des lauschigen Stadions Communale warten wir vor dem nostalgischen Container, in dem die Kabinen integriert sind. Unüberhörbare Sprechchöre lassen die Einrichtung erzittern. „Bella Vita“ singen tiefe Stimmen. Man könnte meinen, beim FC Mendrisio stünde die Gravur in einen Meisterpokal an. Ein Blick nach rechts offenbart zwischenzeitlich einen frappanten Stimmungsunterschied. Tristesse. Apathie. Ruhe. Die Tür bleibt lange geschlossen. Dann wagen sich erste konsternierte Gesichter zurück an die aggressive Tessiner Sonne. Dietikons Rasengeneral Goran Ivelj sitzt auf einer Betonmauer. Mit einer Leere im Blick stellt er sich der Aufarbeitung dieses desaströsen Nachmittags. 0:7 zeigt die Anzeigetafel auch lange nach Spielschluss noch an. Eine Ohrfeige, die erschüttert.

Fünf Gegentreffer durch Konter

Die Mannschaft habe gewusst, dass es nicht einfach werde. Die Entschlossenheit habe gefehlt. Anspielstationen seien Mangelware gewesen. Als knallhart bilanziert Ivelj den Ausgang der Saisonouvertüre schlussendlich. Und dennoch, als Entschuldigung gelte dies natürlich nicht. Mit dem eingeschobenen Hinweis, dass fünf wichtige Kräfte noch nicht spielberechtigt gewesen seien, versucht er dennoch Rechtfertigungsgründe anzubringen. Bereits während der Partie implizierte Iveljs Körpersprache nicht gerade grosse Zuversicht. Fünf Mal liess sich die Limmattaler Abwehrreihe durch Tessiner Konter düpieren. Die Mannschaft sei zwar informiert worden, dass Mendrisio das Konterspiel beherrsche, doch Früchte trug diese Vorwarnung keine. Mittelfeldspieler Nikola Tasic fordert deshalb für das kommende Heimspiel gegen Eschen-Mauren kollektive Entschlossenheit. Die vielen individuellen Fehler, vor allem in der Rückwärtsbewegung, mundeten dem 25-Jährigen gar nicht. Er sehe zwar viel Potenzial im neuen Kader, dieses könne aber nur mit maximalem Einsatz abgerufen werden.

Purer Horror

Mit 18 neuen Spielern im Kader ist es selbsterklärend, dass die Findungsphase noch im vollen Gange ist. Dennoch kristallisierte sich heraus, dass in Mendrisio einer fehlte, der das Zepter an sich reisst – und dirigiert. Tasic stellt völlig korrekt klar, dass die Startviertelstunde alles andere als ernüchternd war. Nach dem ersten Treffer gelang es aber keinem, die freiwerdenden Löcher in der eigenen Hälfte zu kitten. Diese Führungsproblematik gründet auf dem Kurswechsel, den Coach Goran Ivelj und Sportchef Pietro Iellamo in der Personalpolitik einschlugen. Statt auf Routiniers setzt man im Limmattal diesen Sommer auf die Sparte Jugend – auf Kosten der Erfahrung. Auch zwischen den Pfosten debütierte im Tessin ein juveniler Neuling. Christian Baumgartner, ehemals an dritter Stelle in der Hierarchie des Challenge-Ligisten aus Schaffhausen, tat sich bei der Analyse sichtlich schwer. „Sieben Tore – das habe ich noch nie erlebt!“ Für ihn sei der Ausflug in die Südschweiz nur eines gewesen: purer Horror. Der FC Dietikon reiste für eine Standortbestimmung in die italienischsprachige Region der Fussball-Schweiz. Das einzige was er nun mitnimmt, ist die Erkenntnis, dass man noch weit weg ist von der „bella figura“.

Das Spiel zum Nachlesen in unserem Ticker:

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