Kunstturnen
Vereinstreue scheitert an finanziellem Mehraufwand

Für die Limmattalerinnen ist die Leistungsförderung mit Problemen verbunden. Der Spitzensport steht immer mehr im Fokus und verdrängt das Breitensportangebot. Ein Fehler, findet Emmi Schmid, Trainerin der Kutu Weiningen.

Olivier Winistörfer
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Die Mädchen von Trainerin Emmi Schmid (hier in Hüttikon) sind zwischen den Kantonen Zürich und Aargau hin- und hergerissen.

Die Mädchen von Trainerin Emmi Schmid (hier in Hüttikon) sind zwischen den Kantonen Zürich und Aargau hin- und hergerissen.

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Es ist nicht einfach, seine Turner wegzugeben, die man lange Zeit förderte und unterstützte. Im Limmattal scheint es noch schwieriger zu sein, als in anderen Regionen. Denn während andernorts die meisten Athleten ihrem Stammverein erhalten bleiben, auch wenn sie in regionalen oder im nationalen Leistungszentrum trainieren, müssen sie sich hier entscheiden.

Emmi Schmid, die Trainerin der Kutu Weiningen, führt die Gründe für die «Abwanderung» des guten Nachwuchses aus der Region aus: «Wir sind hier an der Grenze zum Kanton Aargau. Das Leistungszentrum des Kanton Zürich ist in Rüti, das des Aargaus in Niederlenz, liegt also viel näher. Weil man eine Extrasumme bezahlen muss, um in einem Leistungszentrum eines andern Kantons zu trainieren, wechseln viele Juniorinnen und Junioren zu einem Aargauer Verein.» Solche Abgänge habe es in Weiningen in den letzten Jahren einige Male gegeben, wie sich die fünfmalige Schweizer Meisterin erinnert. Die «Extrasumme» betrage gemäss Schmids Kollegin in Urdorf, Franziska Fischer, das Doppelte des in Rüti fälligen Betrags (siehe Box).

«Es ist verständlich, dass sie wechseln. Wir sollten etwas ändern, damit die Umstände einfacher werden und die Limmattaler Vereine nicht leer ausgehen», sagt die Hüttikerin weiter. Das steht im Zusammenhang mit einer Diskussion, die nach dem Scheitern der «Generation Silber» – die Männer, die 2002 an der Junioren-EM Zweite wurden – immer hitziger wird: die Zentralisierung des Kunstturnens sowie die nachhaltige Förderung des Breiten- und Nachwuchssports.

Emmi Schmid scheint eine Lösung zu kennen, eine Lösung, die anders als der Verband auf die Verbesserung der Breite und nicht auf die alleinige Unterstützung der Spitzensportler baut, wie sie erläutert: «Im Breitensport haben nicht alle Vereine genug Kapazität oder genügend Infrastruktur und doch verlangt der Verband bei Anlässen Dinge, die die Turnerinnen und Turner nicht richtig üben können. Wenn man die Anforderungen erhöht, dann muss man auch die Trainingsmöglichkeiten steigern. Es braucht vielleicht auch mehr Kunstturnzentren, die den Vereinen zur Verfügung stehen.»

In diesen Zentren könne man dem Breitensport weiterhelfen und so die Basis für den Leistungssport erhöhen. «Wenn wir ein Training durchführen wollen, dann brauchen wir allein eine Stunde, um das Material bereitzustellen und dann wieder wegzuräumen und dabei oft noch die Fronarbeit der Eltern. Wieso kann es nicht Hallen speziell fürs Kunstturnen geben? Der Turnverband sollte die Gemeinden und Regionen dabei vielleicht auch unterstützen, damit Kinder für ihre Leidenschaft nicht so grosse Opfer leisten müssen.»