Champions League

Manchester City und der Traum für 1584 Millionen Euro

Seit sechseinhalb Jahren bei City und mittlerweile Rekordtorschütze: Sergio «Kun» Agüero.

Seit sechseinhalb Jahren bei City und mittlerweile Rekordtorschütze: Sergio «Kun» Agüero.

Vom Arbeiterklub zum Abbild der Exorbitanz des modernen Fussballs: Kein Verein hat in den vergangenen Jahre eine ähnlich krasse Wandlung durchlebt wie Manchester City, der nächste Gegner des FC Basel.

Es ist der 13. Mai 2012. Ein Tag, der an Wahnsinn kaum zu überbieten ist. Für die Einen ist es ein Tag zum Vergessen. Für die Anderen ist es ein Tag purer Ekstase. Denn es ist jener Tag, der eine neue Zeitrechnung eingeläutet und eine 44 Jahre währende Durststrecke auf spektakuläre Art und Weise beendet hat.

Mit dem Tor zum 3:2 über die Queens Park Rangers schiesst Sergio «Kun» Agüero Manchester City am letzten Spieltag zum Titel in der Premier League. Nach einem bis in die 91. Minute währenden 1:2-Rückstand treffen zuerst Edin Dzeko und dann Agüero und drehen die Partie und somit auch den Spiess um im Fernduell mit Manchester United, das am Ende nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses die Trophäe dem Erzrivalen überlassen muss.

Jenem Team, das United-Trainer Sir Alex Ferguson jahrelang als «noisy neighbour» zu bezeichnen pflegte. Denn das war Manchester City bis dahin: nicht mehr als ein lärmiger Nachbar im Schatten des grossen Manchester United.

City als bestes Team der Welt

Scheich Mansour Bin Zayed Al Nahyan sieht all dies nicht im Stadion. Er verfolgt die historische Partie von seiner Heimat Abu Dhabi aus. Seiner Genugtuung tut dies aber keinen Abstrich. Denn der Ölscheich hat mit diesem Titel den ersten Schritt seines grossen Ziels erreicht: City zum besten Team der Welt zu machen.

Um die Krone zu erreichen, musste sich City auf das Experiment Guardiola einlassen – es scheint zu funktionieren.

Um die Krone zu erreichen, musste sich City auf das Experiment Guardiola einlassen – es scheint zu funktionieren.

Knapp vier Jahre zuvor – im September 2008 – hatte Scheich Mansour den Verein dem ehemaligen thailändischen Premierminister Thaksin Shinawatra für 210 Millionen Pfund abgekauft. Gekriegt hatte er dafür einen Traditionsverein auf der einen, eine erfolglos im Mittelfeld der Premier League herumdümpelnde Truppe auf der anderen Seite.

City war damals die klare Nummer zwei einer Stadt, in der bis anhin stets der rote Nachbar dominiert hatte. War United der Glamour-Klub, gehörte City dem Arbeitervolk. Symbolisch dafür steht das Stadion in Bradford, einem der sozial benachteiligtsten Viertel der Industriestadt.

1,5841 Milliarden Euro zum Fenster raus geworfen? 

Doch dem Fristen im Schatten der Red Devils wollte Scheich Mansour ebenso ein Ende setzen wie der chronischen Erfolglosigkeit der Skyblues. Dafür waren und sind ihm bis heute alle finanziellen Mittel recht. Stolze 1,5841 Milliarden Euro hat der Mäzen alleine in Neuzugänge investiert.

Luxustransfers im Fussballparadies.

Luxustransfers im Fussballparadies.

43 Millionen für einen Robinho, der bei seiner Vorstellung meinte, er spiele künftig für Manchester United und City gar nicht kannte? Wieso nicht. 29 Millionen für einen Emmanuel Adebayor, der seine besten Zeiten bereits hinter sich hatte? Kein Problem. Und noch eine halbe Million mehr für einen Mario Balotelli, der mehr Probleme als Tore versprach? Kann man machen.

Die Öl-Industrie mit Fussball ankurbeln 

Natürlich gibt es auch die anderen Beispiele. Ein Kun Agüero, mittlerweile Rekordtorschütze der Citizens. Oder ein Kevin de Bruyne, eine der aktuell prägendsten Figuren der Premier League.

Doch oft gilt bei City: Masse statt Klasse. Nichts bleibt unversucht im Osten Manchesters. Schliesslich hat der Scheich nur ein Ziel: den Gewinn der Champions League, finanziert mit Geld aus der arabischen Öl-Industrie, deren Image durch ebendiesen Gewinn aufpoliert werden soll. Denn der City-Besitzer strebt nicht nur nach fussballerischem Erfolg.

Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan finanziert Manchester City.

Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan finanziert Manchester City.

Vielmehr will das Mitglied der Herrscherfamilie den Namen des Wüstenstaates Abu Dhabi in die Welt hinaustragen. Diese Ambitionen und das Streben nach dem Henkelpott haben innert zehn Jahren aus Manchester City das Abbild des modernen Fussball-Gigantismus gemacht.

16 Fussballfelder

Davon zeugen auch das renovierte Stadion und das nebenan im Jahre 2014 eröffnete Trainingsgelände. 16 Fussballfelder auf 32 Hektar wurden dort aus dem Boden gestampft, um den Spielern den grösstmöglichen Komfort bieten zu können. 250 Millionen hat sich Scheich Mansour dies kosten lassen.

Bei den Citizens ist man in einen Wahn verfallen, der keine Grenzen kennt. Stellvertretend dafür ist die Ausweitung Citys mit deren Holding-Gesellschaft «City Football Group», der je ein Verein aus Melbourne, Yokohama, New York, Montevideo sowie Girona angehören – und City natürlich.

Der Sportkrone immer näher

Ein Ende ist nicht in Sicht, Mansour will weitere Märkte erschliessen. Der Gipfel des exorbitanten Gigantismus aber ist der Tunnel Club, der letztes Jahr eingeführt wurde. Er gewährt gutbetuchten Zuschauern vor den Heimspielen der Citizens tiefen Einblick in Katakomben und Taktik – analog dem US-Sport.

Punkto Vermarktung und Investitionen ist City ganz oben angekommen. Es fehlt nur noch die sportliche Krone. Um diese zu erreichen, musste man sich auf das Experiment Pep Guardiola einlassen und sich seinen Ideen ausliefern. Nach einem Jahr Anlaufzeit hat er sich – dank der Grosszügigkeit des Scheiches – ein Team nach seinen Vorstellungen geformt. Eines, dem man den Titel in der Königsklasse erstmals tatsächlich zutraut. Es wäre der endgültige Schritt aus dem Schatten des roten Nachbarn.

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