Djourou-Ausfall
Mit Manuel Akanji beisst sich ein vielversprechendes Abwehrtalent fest

Die meisten anderen sitzen schon im Bus, als Manuel Akanji endlich aus der Kabine tritt. Aber nicht erwarten darf er, dass er jetzt unbehelligt durch die Mixed-Zone an den Medienleuten vorbeispazieren und im Teamgefährt verschwinden könne. Nein, dafür hat er beim 1:0-Sieg gegen die Nordiren zu gut, zu abgezockt gespielt, um nicht noch ein paar Fragen beantworten zu müssen.

Drucken
Alles im Griff: Manuel Akanji (rechts) lässt den Nordiren Kyle Lafferty abblitzen.

Alles im Griff: Manuel Akanji (rechts) lässt den Nordiren Kyle Lafferty abblitzen.

Keystone

Doch Akanji erledigt den Interviewmarathon genauso cool und abgeklärt, wie er in den 94 Minuten zuvor im Windsor Park aufgetreten ist. «Wir haben jetzt eine gute Ausgangslage, mehr nicht. Wir müssen am Sonntag einfach noch einmal so gut spielen, und dann sind wir in Russland dabei», sagt Akanji, der sich vom Riesenlärm im Stadion völlig unbeeindruckt gezeigt hatte.

21 Jahre jung ist dieser Innenverteidiger. Damit zwar nicht so blutjung wie das gerühmte 18-jährige Ausnahmetalent Matthijs de Ligt aus Holland. Und auch die Teamkollegen Nico Elvedi und Johan Djourou waren bei ihren Natidebüts mit 19 Jahren jeweils jünger gewesen als Akanji bei der Premiere.

Innenverteidigung

Die 13 Startelf-Kombinationen unter Petkovic

Schär/Djourou 15-mal

Schär/Klose 4-mal

Schär/Von Bergen 3-mal

Schär/Akanji 2-mal

Senderos/Djourou 2-mal

Djourou/von Bergen 2-mal

Elvedi/Klose 1-mal

Akanji/Djourou 1-mal

Schär/Senderos 1-mal

Schär/Elvedi 1-mal

Klose/Von Bergen 1-mal

Djourou/Lustenberger 1-mal

Klose/Djourou 1-mal

Aber natürlich ist dieser nichtsdestotrotz ein Riesenversprechen. Man fragt sich, wo dieser Schlaks heute stünde, hätte es im März 2016 nicht diesen Trainingsunfall mit Kreuzbandriss gegeben, der ihn ein Jahr lang aus dem Verkehr zog.

So gelaufen wie geplant

«Am Anfang war ich noch ein wenig nervös», schildert Akanji den Beginn des Abends im nordirischen Nationalstadion. Erst am Nachmittag hatte er von Coach Vladimir Petkovic erfahren, dass er neben Fabian Schär den Platz des verletzten Djourou einnehmen würde.

«Man bekam ja schon mit, wie laut die Fans bei jedem Einwurf oder gewonnenen Zweikampf der Nordiren waren», sagt Akanji. Aber dann habe er schnell ins Spiel gefunden wie die Mannschaft auch, und es sei so gelaufen, wie sie es sich vorgenommen hätten.

Haben auch gegen die Schweiz alles gegeben: Die Nordirischen Fans

Haben auch gegen die Schweiz alles gegeben: Die Nordirischen Fans

Keystone

«Wir hatten bei den gegnerischen Standards eine genaue Zuteilung», sagt Akanji. Er selber war dafür verantwortlich, dass der 37-jährige Gareth McAuley, der die Nordiren bei der EM gegen die Ukraine nach einer Freistossflanke ins Glück geköpfelt hatte, nicht zum Wiederholungstäter wurde.

«Ich hatte selbstverständlich schon einen gewissen Respekt vor dieser Aufgabe, doch ich nahm mir vor, furchtlos in die Duelle zu gehen, und denke, das ist mir ganz gut gelungen.»

Ähnlicher Werdegang

In der Tat. Es ist Akanji nicht zu widersprechen, wenn er sagt, der Gegner habe höchstens ein oder zwei Mal aufs Tor geschossen. «Wir haben es als Mannschaft sehr gut gemacht», findet Akanji, der mit Schär zusammen funktionierte, als seien die beiden seit Jahren ein Innenverteidigerpaar. Dabei haben sie in Belfast erst zum zweiten Mal zusammengespielt.

Fabian Schär und Manuel Akanji harmonieren gut zusammen

Fabian Schär und Manuel Akanji harmonieren gut zusammen

Keystone

Schär und Akanji haben einen ähnlichen Werdegang, kamen beide aus der Challenge League zum FC Basel; von Wil der eine, von Winterthur der andere, und beide schafften überraschend schnell den Sprung in die höhere Liga und in die Startformation des Serienmeisters. Gut möglich, dass Schär und Akanji künftig auf Jahre hinaus das Schweizer Innenverteidigerduo bilden, denn Schär ist ja auch erst 25 Jahre alt.

Womit jetzt nicht gesagt ist, es habe bereits die Wachablösung zwischen dem 30-jährigen Djourou und Akanji stattgefunden. Das sieht auch der Herausforderer so. «Ich weiss natürlich, dass ich nach einem guten Spiel nicht gleich einen Platz beanspruchen kann», sagt Akanji.

«Ich habe ja auch noch viel weniger internationale Erfahrung als Djourou.» Stimmt, in der Champions League hat Djourou mit 19:4 Einsätzen die Nase vorn, doch Akanji ist gerade dabei, aufzuholen. «Die Champions-League-Einsätze mit dem FCB bringen mich weiter», sagt Akanji.

Auf gutem Weg

Seine Bilanz mit der Nati ist makellos. Was noch keinem seiner Vorgänger gelungen ist, hat der Wiesendanger geschafft: Die ersten drei Spiele zu gewinnen und kein Gegentor zu kassieren. Was gegen Gegner wie die Färöer und Andorra zugegebenermassen nicht die allergrösste Heldentat ist.

Und auch die Nordiren sind weder Deutschland noch Brasilien. Mit diesen messen kann er sich jedoch vielleicht schon bald − bei der WM in Russland. Akanji und die Nati sind jedenfalls auf gutem Weg dorthin.

Aktuelle Nachrichten