Der 86-jährige Ecclestone führte die Formel 1 seit rund vier Jahrzehnten und machte die Serie als Alleinherrscher zu einem Milliarden-Geschäft. Noch bevor der neue Besitzer Liberty Media die Absetzung des langjähriges Chefs offiziell machte, hatte sie Ecclestone gegenüber der Website "auto-motor-und-sport.de" bekannt gemacht: "Ich wurde heute abgesetzt. Bin einfach weg. Das ist offiziell. Ich führe die Firma nicht mehr."

Neuer starker Mann ist der Amerikaner Chase Carey, ein ehemaliger TV-Direktor. Ecclestone, der Ende der Siebzigerjahre die TV- und Vermarktungsrechte der Formel 1 gekauft und damit für den Grundstein seines milliardenschweren Imperiums gesorgt hatte, erhält den Titel eines Ehrenpräsidenten und bleibt dem Führungsgremium der Formel 1 als Berater erhalten, wie Liberty Media in einer Mitteilung schrieb.

Die Absetzung von Ecclestone hatte sich abgezeichnet und angedeutet. Britische Medien hatten seinen (erzwungenen) Rücktritt in dieser Woche erwartet. Gut zwei Monate vor dem Saisonauftakt am 26. März im australischen Melbourne gibt es also eine Formel 1 ohne Bernie Ecclestone. "Ich bin stolz auf das, was ich in den vergangenen 40 Jahren aufgebaut und mit der Formel 1 erreicht habe", wurde Ecclestone in der Mitteilung von Liberty Media zitiert. "Ich bin mir sicher, dass Chase seine Rolle zum Wohle des Sports ausfüllen wird."

In der vergangenen Woche hatten die Aktionäre von Liberty Media dem Kauf der Mehrheitsanteile an der Rennserie zugestimmt. Anschliessend erteilte auch der Weltverband FIA Grünes Licht für die Übernahme. Nur die EU-Wettbewerbshüter könnten das Geschäft noch stoppen.

Insgesamt soll Liberty Media für die Mehrheit an der Königsklasse des Motorsports 4,4 Milliarden Dollar zahlen. Zudem sollten Schulden von 4,1 Milliarden Dollar übernommen werden. Der Liberty-Anteil soll auf 35,3 Prozent wachsen, das Stimmrecht vollständig beim amerikanischen Konzern liegen. Bisheriger Hauptgesellschafter war seit 2005 das Finanzunternehmen CVC, das Ecclestone als Geschäftsführer eingesetzt hatte.

Ein konkretes Zukunftskonzept der neuen Formel-1-Lenker ist noch nicht bekannt. Auch die meisten anderen Vorstände im Formula One Management (FOM) sollen Medienberichten zufolge ihre Positionen verlieren. Für die Vermarktung ist der ehemalige Chef des US-Sportsenders ESPN, Sean Bratches, im Gespräch, für den Sport soll der einstige Ferrari- und Mercedes-Teamchef Ross Brawn künftig zuständig sein.

Ecclestone nahm zuletzt in erster Linie über die Vermarktung Gelder ein, hinzu kamen die Gebühren von den Rennstreckenbetreibern. Andere Bereiche wie soziale Medien oder den Verkauf von TV-Rechten hatte Ecclestone gar nicht oder nur unzureichend beachtet. Als "dysfunktional" soll der neue starke Mann Carey laut BBC das Modell bezeichnet haben. Auch Ecclestones Führungsstil erscheint anachronistisch. Der Brite herrschte und entschied allein, Demokratie war nicht sein Ding. Nun wurde er selbst offensichtlich ohne zu fragen abgesetzt.