Motorrad
Jason Dupasquier stiehlt dem 15 Jahre älteren Tom Lüthi beim Töff-Saisonauftakt in Katar die Show

Der 19-jährige Jason Dupasquier klassiert sich in der Moto3-Kategorie auf dem zehnten Rang. Tom Lüthi wird zum Saisonstart in der Moto2-Klasse 15.

Klaus Zaugg
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Jason Dupasquier zeigt in der Moto3 zum Saisonauftakt einen starken Auftritt.

Jason Dupasquier zeigt in der Moto3 zum Saisonauftakt einen starken Auftritt.

Bild: Steve Wobser/Getty (Doha, 26. März 2021)

Vielleicht werden wir am Ende der Saison erkennen, dass 2021 das Jahr der Wachtablösung war. Auf jeden Fall ist beim Saisonauftakt in Katar das erste Kapitel zu einem Schweizer Töff-Drama geschrieben worden.

Der alte Löwe Tom Lüthi – er ist 34-jährig – kämpft mit Mut und der ihm eigenen stillen Zähigkeit um den Platz im Rampenlicht.

Der junge Löwe Jason Dupasquier – er ist 15 Jahre jünger als Lüthi – macht ihm diesen Platz nun streitig. Noch ist Lüthi in der öffentlichen Wahrnehmung ein Titan und Dupasquier ein «Nobody», den nur Töffsport-Insider kennen. Aber das kann sich im Laufe dieses Jahres ändern.

Endlich die ersten WM-Punkte

Dupasquier hat in Katar in der hart umkämpften Einstiegsklasse Moto3 mit Platz zehn seine ersten WM-Punkte geholt. Endlich. Denn er steht bereits in seiner zweiten Moto3-Saison. Die ersten Punkte, die es bis Platz 15 gibt, wären eigentlich schon vergangene Saison Pflicht gewesen.

Die Kritiker sagten, der junge Mann lebe in einer Komfortzone, werde zu sehr von seinen Eltern beschützt und gefördert, Vater Philippe ist eine nationale Motocross-Legende.

Ein hoch angesehener welscher Experte hat ihn schon mal als «Bébé rose» bezeichnet. Frei übersetzt: ein verwöhntes Kind. Hätte Dupasquier bei seinem KTM-Team nicht einen Zweijahresvertrag, dann hätte er wohl am Ende der vergangenen Saison seinen Platz im GP-Zirkus verloren und seine Karriere beenden müssen.

Die Klassierung entspricht dem grossen Talent

Der junge Mann hat im Winter Fortschritte gemacht. Was er bereits bei den Vorsaisontests und im Training – zwölfter Startplatz, Reihe vier – angedeutet hatte, bestätigte er im Rennen in Katar mit einem zehnten Rang. Eine Klassierung, die seinem enormen Talent entspricht. Seine Karriereplanung– der nächste Lüthi werden – kann aufgehen.

Es ist eine Klassierung, die der Anfang einer grossen, langen Karriere sein kann, die bis in die Höhen von Lüthi hinaufführen kann. Sein Manager Daniel Epp sagt:

«Solche Resultate haben wir eigentlich schon in der zweiten Hälfte der vergangenen Saison erwartet.»

Und weiter: «Er hat sich im Winter in Spanien besser vorbereitet und hart gearbeitet. Das zahlt sich jetzt aus.»

Noch ist Lüthi aber da. Nach den schwächsten Vorsaisontests seiner Karriere und einem enttäuschenden 17. Platz im Training ist der Emmentaler zum Auftakt auf Rang 15 gefahren und hat wenigstens noch den allerletzten WM-Punkt geholt.

Die Ziele von Lüthi haben sich verändert

Vor Jahresfrist war er in Katar noch auf den zehnten Platz gebraust. Und provozierte die Frage: Was ist los? Und jetzt wertet sein Manager Epp bereits einen 15. Platz als kleinen Fortschritt, als eine Steigerung im Vergleich zu den Vorsaisontests.

«Wir haben im Rennen den besten Tom dieser Saison gesehen. Schade, dass es in der Schlussphase nicht doch noch zum zehnten Platz gereicht hat. Es ist offensichtlich, dass sich Tom auf dem Motorrad noch nicht wohlfühlt.»

Tom Lüthi mit seinem Team.

Tom Lüthi mit seinem Team.

Karl Fritz Glaenzel/Keystone

Trotz einer leisen Enttäuschung also auch ein leichtes Aufatmen: Es geht doch noch. Aber die Zielsetzung hat sich verändert. Vor einem Jahr war ein zehnter Platz eine schwere Enttäuschung.

Epp betreut sowohl Lüthi als auch Dupasquier

Lüthis Freund und Manager betreut also beide: den kommenden und den alternden Star. Ein Vorteil für Lüthi: Weil sich sein Manager auch um seinen Herausforderer kümmert, gerät er nicht in eine unübersichtliche Konkurrenzsituation auf dem begrenzten nationalen Werbemarkt.

Aber früher oder später wird Epp dadurch in eine unmögliche Situation geraten. Nämlich dann, wenn die Entourage von Dupasquier zum Schluss kommt, man dürfe gleich viel fordern wie Lüthi. Doch vorerst kann Epp noch beiden Herren dienen.

Wenigstens kommt nun nicht auch noch Dominique Aegerter ins Spiel. NTS-Teammanager Jarno Janssen muss einen Ersatz für Barry Baltus einfliegen. Der 17-jährige Belgier hat sich bei einem Sturz einen Armbruch zugezogen. Und so hat Janssen am Sonntag Aegerter angerufen. «Aber ich musste ihm leider absagen» bedauert der Rohrbacher.

«Ich bin für Testfahrten in Barcelona aufgeboten.»

Aegerter bestreitet diese Saison neben dem Elek­tro-Töff-Weltcup auch die Supersport-WM. Aber er steht auf der Liste der Ersatzfahrer ganz oben. Eher früher als später wird er wohl diese Saison in der Moto2-WM zum Zuge kommen. Dann droht Lüthi die ultimative Schmach: eine Niederlage gegen den nur vier Jahre jüngeren Rivalen.

DOHA, QATAR - MARCH 26: Moto3 rider Jason Dupasquier of Switzerland and CarXpert PruestelGP rides during FP2 at Losail Circuit on March 26, 2021 in Doha, Qatar. (Photo by Steve Wobser/Getty Images)

DOHA, QATAR - MARCH 26: Moto3 rider Jason Dupasquier of Switzerland and CarXpert PruestelGP rides during FP2 at Losail Circuit on March 26, 2021 in Doha, Qatar. (Photo by Steve Wobser/Getty Images)

Steve Wobser / Getty Images Europe